Über zwei Dekaden lang konnten wir Quentin Tarantinos Meisterwerk nur in Form von zwei getrennten Filmen schauen: Kill Bill: Volume 1 und Kill Bill: Volume 2. Geplant war das nicht. Tarantino wollte die Geschichte der Braut aka Beatrix Kiddo ursprünglich in Form eines großen Werks über mehrere Stunden hinweg erzählen.
Dieses feierte 2004 bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere, hat jedoch nie einen regulären (Heim-)Kinostart erhalten. Jetzt ist es aber endlich so weit: Kill Bill: The Whole Bloody Affair läuft in den deutschen Kinos und wartet mit einer gewaltigen Laufzeit von 253 Minuten auf. Doch was verbirgt sich genau hinter der Version?
Wir haben The Whole Bloody Affair bereits gesehen und erklären alle Veränderungen, die im Zuge der neuen Schnittfassung vorgenommen wurden.
Alles, was in Kill Bill: The Whole Bloody Affair anders ist
Auf den ersten Blick scheint The Whole Bloody Affair nur vier Minuten länger zu sein als die bisherigen Fassungen. Volume 1 kommt auf 111 Minuten, Volume 2 auf 138 Minuten. Zusammen ergibt das 249 Minuten. Die Änderungen greifen jedoch deutlich tiefer als dieses Rechenbeispiel erahnen lässt. Wir gehen folgende Punkte durch:
Die Herkunft von O-Ren
Showdown im Haus der Blauen Blätter
Der Cliffhanger von Volume 1
Die Intermission
Das Recap am Anfang von Volume 2
Alternative Einstellungen und Takes
Der Abspann
The Lost Chapter: Yuki’s Revenge
Die Herkunft von O-Ren: In der Anime-Sequenz von Production I.G. haben wir bis dato nur gesehen, wie sich die junge O-Ren Ishii den Yakuza-Boss Matsumoto verknöpft, nachdem dieser ihre Eltern ermordet hat. Jetzt erfahren wir auch, wie sie sich an dessen Handlanger Pretty Riki in einem Fahrstuhl rächt. Die Sequenz wurde somit um ein mehrminütiges und äußerst blutiges Action-Set-Piece erweitert.
Showdown im Haus der Blauen Blätter: Damit Kill Bill mit einer NC-17-Freigabe (also etwa einer FSK 18) in den USA ins Kino kommen konnte, musste der Kampf im Finale von Volume 1 mit den Crazy 88 in Schwarzweiß umgewandelt werden. Das schwächte die explizite Gewaltdarstellung ab. Nun tauchen wir erstmals in voller Farbe in den Kampf ein, wie es bisher nur in der japanischen Fassung der Fall war
Der Cliffhanger von Volume 1: Am Ende des ersten Teils fragt Bill: «Weiß [Beatrix Kiddo] eigentlich, dass ihre Tochter noch lebt?» und verschafft uns damit einen Wissensvorsprung gegenüber der Protagonistin. The Whole Bloody Affair endet ein paar Sekunden früher, sodass wir die Enthüllung erst im zweiten Teil zusammen mit Beatrix Kiddo erfahren, was die Szene noch emotionaler macht.
Die Intermission: Direkt danach folgt eine 15-minütige Pause, die nicht zur offiziellen Laufzeit gehört. Hier könnt ihr euch die Beine vertreten, schnell aufs Klo flitzen oder einfach die geballte Wucht des soeben erlebten Kampfs im Haus der Blauen Blätter sacken lassen. Eine Verschnaufspause, die auch an die Vorführungen großer Monumentalfilme oder an Roadshow-Vorstellungen erinnert.
Das Recap am Anfang von Volume 2: Nach der Intermission geht es weiter. Keine Logos, keine Credits und auch keine Zusammenfassung der vorherigen Ereignisse. Der bisherige Anfang des zweiten Teils entfällt komplett und wir steigen direkt in die Fortsetzung der Geschichte ein, die uns das Massaker von Two Pines zeigt – in schwarz-weißen Bildern, die dieses Mal künstlerische Absicht sind.
Alternative Einstellungen und Takes: Tarantino hat einzelne Momente verändert bzw. ausgetauscht. Aufällig ist es zum Beispiel in der Szene, wenn Beatrix Kiddo im Finale des zweiten Teils nach Mexiko zu Bill fährt und wir ein paar mehr Blicke auf die Menschen und die Umgebung erhalten. Hierbei handelt es sich oft nur um minimale Eingriffe, die ohne den Direktvergleich kaum zu erfassen sind.
Der Abspann: Am Ende folgt der aus Volume 2 bekannte Abspann, der uns zuerst alle Figuren mit den Namen der Schauspieler:innen zeigt, ehe die weiteren Credits über eine Autofahrt mit Beatrix Kiddo folgen und das Bild langsam in einen neutralen Hintergrund übergeht. Der Abspann von Volume 1 entfällt komplett.
Was hat es mit The Lost Chapter: Yuki’s Revenge auf sich?
Wenn ihr bis zum Schluss sitzen bleibt, könnt ihr euch nach dem Abspann von The Whole Bloody Affair noch dieses zusätzliche Animationskapitel anschauen, das aus einem frühen Skriptentwurf stammt. Da die Umsetzung das ursprüngliche Budget um eine Million US-Dollar aufgeblasen hätte, entschied sich Tarantino damals dagegen.
Jetzt hat er es in mit Epic Games und The Third Floor doch noch umgesetzt. 2025 feierte das verlorene Kapitel in dem Videospiel Fortnite seine Premiere. Uma Thurman kehrt als Stimme von Beatrix Kiddo zurück. Tarantino übernimmt den Part von Bill, da dessen Schauspieler, David Carradine, bereits 2009 verstorben ist.
Die Stunts wurden von Zoë Bell mittels des Motion-Capture-Verfahrens durchgeführt. Bell fungierte bereits bei den Dreharbeiten von Kill Bill als Stuntdouble für Uma Thurman. Später spielte sie eine der Hauptrollen in Death Proof – Todsicher. Auch in anderen Tarantino-Filmen war sie Beteiligt, sowohl vor als auch hinter der Kamera.
Erzählt wird eine Konfrontation zwischen Beatrix Kiddo und Yuki, ihres Zeichens die rachsüchtige Schwester der Meteorhammer-schwingenden Gogo Yubari, der die Braut im Haus der Blauen Blätter den Garaus bereitet. Gezeigt wird ein erbarmungsloser Schusswechsel durch eine Vorstadtidylle. Wäre die Sequenz Teil des Films gewesen, hätte sie nach dem Kampf mit Vernita Green aka Copperhead stattgefunden.
Wie auch die Intermission wird The Lost Chapter: Yuki’s Revenge nicht zur offiziellen Laufzeit von The Whole Bloody Affair dazugezählt.
Kill Bill: The Whole Bloody Affair läuft seit dem 16. April 2026 im Kino.