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Peking/Manila – Während der Iran und die USA die Straße von Hormus de facto sperren und gleichzeitig über einen möglichen Deal diskutieren, eskaliert Tausende Kilometer weiter die nächste maritime Krise: China zieht im Südchinesischen Meer offenbar eine Schlinge um das umkämpfte und strategisch bedeutende Scarborough-Riff. Damit droht eine weitere Blockade!

Satellitenbilder zeigen: China setzt Schiffe und eine schwimmende Barriere ein, um den Zugang zu dem Atoll im Südchinesischen Meer zu versperren. Hintergrund sind Spannungen mit den Philippinen um das Riff, das 220 km westlich der philippinischen Insel Luzon liegt. Beide Länder beanspruchen das Gebiet für sich, da es in einer wichtigen Fischerei- und Handelszone liegt.

Geopolitik-Experte Prof. Klemens Fischer (61, Uni Köln) warnt in BILD: „Während die Welt gebannt auf die Straße von Hormus und die Doppelblockade durch den Iran und die USA blickt, beginnt China rund 3700 Seemeilen entfernt im Südchinesischen Meer ebenfalls eine Seeblockade zu errichten.“

China zieht die Schlinge zu

Für die Philippinen ist das eine Provokation: Eigene Boote wurden laut der Nachrichtenagentur Reuters zuletzt immer wieder von chinesischen Einheiten verdrängt, obwohl das Riff nach ihrer Sicht in ihrer Wirtschaftszone liegt – China ignoriert das seit Jahren. Das Atoll könnte ein Testfall dafür sein, ob China mit derartigen Sperren durchkommt, so Prof. Fischer zu BILD. Die Sorge: Wenn Peking Erfolg hat, könnte es bald noch mehr Seewege kontrollieren wollen – Schritt für Schritt.

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Das Manöver Chinas habe „eine ganz andere Dimension“ als die derzeitige Hormus-Blockade, macht Fischer klar. Er erklärt: „Durch die Südchinesische See wird jährlich rund ein Drittel des weltweiten Seehandels durchgeschleust, also Waren im Wert von circa 3,3 Billionen US-Dollar. Sieben Anrainerstaaten kämpfen in neun unterschiedlichen Zonen um den alleinigen Anspruch, China ist in praktisch jeden Konflikt verwickelt und schafft jetzt im Scarborough-Riff offenbar Fakten.“

Sperren von Seewegen wird „Sport der Großmächte“

Die Folgen einer vollständigen Blockade wären weltweit spürbar – auch in Deutschland. Fischer warnt: „Alleine diese Verunsicherung ist geeignet, die Versicherungsprämien für Schiff und Ladung anzuheben und damit die Transportkosten, die sich in den Endverbraucherpreisen niederschlagen, nach oben zu treiben.“ Heißt: Viele Produkte könnten teurer werden.

Der Professor zieht ein düsteres Fazit: „Wenn das Sperren von Seewegen, die für die Weltwirtschaft lebensnotwendig sind, zum Sport der Großmächte wird, sind die Europäer diejenigen, die die Zeche bezahlen, ohne in der Lage zu sein, zu intervenieren.“