Neuer Roman

«So typisch»: El Hotzo lästert über Fernsehwelt

Aktualisiert am 18.04.2026 – 10:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Interview mit Sebastian Hotz zu seinem neuen RomanVergrößern des Bildes

Der 30-Jährige wurde durch Social Media bekannt. (Archivbild) (Quelle: Thomas Banneyer/dpa/dpa-bilder)

Boris entführt seinen Chef, doch keiner glaubt es. In «Sidekick» beschreibt der Kölner Satiriker El Hotzo eine Figur, die aus dem Schatten eines Entertainers tritt.

Ein Fernsehmitarbeiter entführt seinen Chef – und alle halten es für Satire: In seinem Roman «Sidekick» erzählt Sebastian Hotz alias El Hotzo von einer Medienwelt, in der selbst eine echte Entführung wie Unterhaltung wirkt. Im Mittelpunkt steht Boris, der jahrelang im Schatten des Showmasters Falk Anders steht.

Als Anders seinen Abschied ankündigt, glaubt Boris, endlich selbst im Rampenlicht zu stehen. Doch die Nachfolge geht an eine Influencerin. Aus Frust und im betrunkenen Zustand überwältigt Boris seinen Chef und fährt mit ihm davon – und gerät in eine Spirale aus Selbstüberschätzung, Inszenierung und Kontrollverlust.

Die Figuren und Konstellationen wirken auffällig nah an der realen deutschen Fernsehlandschaft. «Der Sender ist so ein typisch Kölner Privatsender, wie man ihn halt auf der anderen Rheinseite ganz gut sieht», sagt Hotz im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

Im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz sitzt RTL. «In Falk Anders steckt ein bisschen Stefan Raab, Thomas Gottschalk und Harald Schmidt», beschreibt Hotz. Er selbst hat viel Erfahrung mit der Unterhaltungsbranche. So hat er unter anderem für Fernsehmoderator Jan Böhmermann gearbeitet.

Die Nähe zu realen Vorbildern sorgt zwar für schnelle Orientierung, lässt aber auch wenig Raum für Überraschungen. Der dominierende Entertainer ist dabei als klarer Typ gezeichnet. «Der Prototyp Entertainer ist in seinem Führungsstil eher Fan von starken und starren Strukturen», sagt Hotz. «Diesen Typ Chef gibt es, glaube ich, im Journalismus genauso wie bei Siemens Dampfturbinen. Er ist sehr herrisch, sehr bestimmend und sehr autoritär in seinem Umgang.» Allerdings hätten Fernsehmoderatoren und Fernsehbosse «die blöde Angewohnheit, dass sie ein riesiges Publikum haben, das ihnen alles von den Lippen abliest.»

Im Zentrum seines Romans steht jedoch nicht der Entertainer, sondern Boris, der an seiner eigenen Rolle scheitert. Das sei seine eigene Schuld, denn er habe andere Chancen gehabt, aber ihm habe immer der Mut gefehlt, sagt der in Köln lebende Hotz.

«Die Tragik an so einem Sidekick-Charakter ist ja nicht, ein Sidekick zu sein. Das ist ja eigentlich was sehr Schönes, so eine Nebenfigur mit Würde zu spielen.» Für Boris gilt das jedoch nicht. «Ich glaube, die größte Tragik, die man haben kann, ist es, den einfachsten oder den schönsten Job der Welt zu haben und damit ständig unzufrieden zu sein», sagt Hotz.