ZolliUmzug nach Deutschland: Warum eine Basler Giraffe jetzt in Berlin lebt

Ein Basler Giraffenbulle hat den Zolli verlassen und ist in die deutsche Hauptstadt umgezogen. Der Transfer erfolgte im Rahmen eines internationalen Zuchtprogramms. Dieses soll den Bestand der stark bedrohten Kordofan-Giraffen langfristig sichern.

Der junge Giraffenbulle Vizuri wurde nach Berlin umgesiedelt.Der junge Giraffenbulle Vizuri wurde nach Berlin umgesiedelt.

zvg.

Der Zoo Basel hat kürzlich eine seiner Kordofan-Giraffen nach Berlin überführt. Am Donnerstag teilte der Zoo Berlin auf Instagram mit, dass die Giraffe umgesiedelt wurde. Der Basler Zolli bestätigte dies auf Anfrage. Der Transport des jungen Bullen Vizuri erfolgte jedoch nicht wegen akuter Probleme innerhalb der Herde, sondern ist Teil eines langfristig angelegten internationalen Zuchtprogramms zum Erhalt der stark bedrohten Tierart.

Hinter dem Umzug steht das Ex-situ-Programm der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA), wie Kurator Adrian Baumeyer erklärt. Dieses Programm koordiniert die Zucht bedrohter Tierarten in europäischen Zoos. Ziel ist es, eine genetisch gesunde Reservepopulation aufzubauen, die langfristig zum Erhalt der Art beitragen soll. Im Fall der Kordofan-Giraffen ist das besonders dringend. In der Wildnis leben schätzungsweise nur noch rund 1400 Tiere, die Tendenz ist weiter rückläufig. Die Unterart gilt gemäss der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht.

Der Zoo Basel engagiert sich seit rund 15 Jahren für diese Giraffenart und spielt innerhalb des Programms eine wichtige Rolle. Auch die kürzliche Geburt des Jungtiers Xahara wird als bedeutender Beitrag zur Erhaltungszucht gewertet. Das Programm verfolgt das Ziel, die Population so weit zu stärken, dass eines Tages wieder Auswilderungen möglich werden könnten.

Zum Zeitpunkt des Transports lebten im Zolli mehrere Tiere zusammen. Zwischen dem älteren Bullen Xamburu und dem jüngeren Vizuri waren erste leichte Rangeleien zu beobachten. Solche Auseinandersetzungen seien jedoch im natürlichen Sozialverhalten von Giraffen nicht ungewöhnlich, insbesondere wenn mehrere Männchen in Anwesenheit von Kühen zusammenleben. Laut Baumeyer blieben die Spannungen im normalen Rahmen und eskalierten nicht. Entsprechend zeigte die Herde nach dem Weggang von Vizuri auch keine auffälligen Veränderungen im Verhalten.

Aktuell umfasst die Basler Gruppe vier Tiere: den 16-jährigen Bullen Xamburu, die beiden Kühe Sophie (15) und Violette (3) sowie das einen Monat alte Jungtier Xahara. Violette ist erst vor Kurzem zur Herde gestossen und soll künftig eine wichtige Rolle in der Zucht spielen. Weitere Transfers sind kurzfristig nicht vorgesehen. Erst wenn Xahara älter ist,  voraussichtlich in eineinhalb bis zwei Jahren, könnte erneut ein Tier den Zoo verlassen. Solche gezielten Abgaben und Aufnahmen sind zentraler Bestandteil des internationalen Zuchtmanagements.

Der Umzug von Vizuri nach Berlin zeigt exemplarisch, wie eng Zoos heute im Artenschutz zusammenarbeiten. Einzelne Tiertransfers folgen dabei nicht spontanen Entscheidungen, sondern sind Teil eines langfristigen, wissenschaftlich begleiteten Plans, um das Überleben stark bedrohter Arten wie der Kordofan-Giraffe zu sichern.

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