Nicht nur die «Beatrice Egli Show» – auch andere Schlager-Sendungen gibt es nicht mehr. Stirbt das etablierte TV-Genre langsam aus?

Beatrice EgliAuf der Bühne performen sie mal gemeinsam, aber auch separat als Gastgeber: Schlagerstars wie Beatrice Egli und Florian Silbereisen gehören zur Samstagabendunterhaltung.. – keystone

Das Wichtigste in Kürze

Beatrice Egli gab ihre Schlagershow freiwillig auf, um sich neuen Projekten zu widmen.

Gleichzeitig fallen auch andere ähnliche TV-Formate weg.

Ein Experte ist sich sicher: Die goldenen Zeiten der Abendshows sind vorbei.

Über Jahrzehnte hinweg markierte der Samstagabend ein festes Ritual im Kalender vieler Familien. Mehrere Generationen versammelten sich um 20.15 Uhr vor dem Bildschirm und liessen sich von der Strahlkraft unterhaltsamer TV-Shows treiben.

Mittlerweile aber haben sich die Sehgewohnheiten verändert. Menschen konsumieren Sendungen vermehrt zeitversetzt, entsprechend verzeichnen die linearen Quoten stetige Rückgänge. Produktionen werden ausgedünnt, auf andere Sendeplätze verbannt oder im schlimmsten Fall gar abgesetzt.

Sende-Aus für «Die Beatrice Egli Show»

Zuletzt hat sich Beatrice Egli entschieden, ihre gleichnamige Show vorerst nicht mehr weiterzuführen. Die letzte Ausgabe lief im Dezember. Wie die Sängerin ihren Fans auf Instagram mitteilte, möchte sie sich künftig anderen Projekten widmen.

Gegenüber Nau.ch bestätigte der SWR, dass das Show-Aus nicht mit dem Publikumsinteresse im Zusammenhang steht: «Wir waren sehr zufrieden mit den Quoten der ‹Beatrice Egli Show›.» Man respektiere aber die Entscheidung der Sängerin.

Sparmassnahmen auf Kosten des Schlagers

Doch die Show von Beatrice Egli ist längst nicht die erste, die abgesetzt wurde.

Bereits vor zwei Jahren wurde die jährliche Dosis der «Feste»-Shows mit Florian Silbereisen (44) jeweils um eine Ausgabe gekürzt. Ende 2025 produziert der MDR letztmalig die monatliche «Schlagerhitparade».

Seit 2004 führt Florian Silbereisen mehrmals jährlich durch seine grossen Arena-Schlagershows im Ersten.Seit 2004 führt Florian Silbereisen mehrmals jährlich durch seine grossen Arena-Schlagershows im Ersten. – MDR/ARD/JürgensTV/Dominik BeckmannAuch Sängerin Christin Stark hatte bis Ende 2025 im MDR ihre eigene Schlager-Rankingshow.Auch Sängerin Christin Stark hatte bis Ende 2025 im MDR ihre eigene Schlager-Rankingshow. – MDRSchock für alle Fans: «Immer wieder sonntags» wird kommenden Herbst nach 31 Jahren aus Spargründen abgesetzt.Schock für alle Fans: «Immer wieder sonntags» wird kommenden Herbst nach 31 Jahren aus Spargründen abgesetzt. – keystoneDie letzte «Kaisermania» wurde im August 2025 ausgestrahlt.Die letzte «Kaisermania» wurde im August 2025 ausgestrahlt. – keystone

Und auch das 31-jährige ARD-Kultformat «Immer wieder sonntags» mit Stefan Mross (50) landet nach der diesjährigen Saison auf dem TV-Friedhof.

Ebenso überträgt der MDR die Open-Air-Show «Kaisermania» mit Roland Kaiser (73) in diesem Jahr nicht mehr. Die Jahre zuvor hatte die öffentlich-rechtliche Anstalt das Konzert aus Dresden noch gesendet.

Eventshows mit grossen Erfolgen

Doch wie entwickelt sich dieses Genre in den nächsten Jahren? Wird der TV-Markt an Schlagerformaten noch weiter ausgedünnt? Musikwissenschaftler Felix Thiesen von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover blickt optimistisch in die Zukunft.

Schaust du Schlagershows?

1Ja.

2Nein.

Die Popularität des Schlagers sei ungebrochen, erklärt er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Gerade Stars wie Helene Fischer (41) oder Beatrice Egli hätten in den vergangenen Jahren für eine «kleine Frischzellenkur» gesorgt.

Helene Fischer am 10. Januar 2026 bei den ARD-«Schlagerchampions».Helene Fischer am 10. Januar 2026 bei den ARD-«Schlagerchampions». – keystoneGiovanni Zarrella führt seit 2021 durch seine gleichnamige Musikshow im ZDF.Giovanni Zarrella führt seit 2021 durch seine gleichnamige Musikshow im ZDF. – ZDF / Sascha Baumann

Und auch mit Blick auf die Quoten darf man vielerorts zufrieden sein. Nicht nur Florian Silbereisen in der ARD, sondern auch Giovanni Zarrella (48) spricht mit seiner eigenen Musikshow im ZDF ein breites Publikum an. Mehrere Millionen Zuschauende verfolgen jeweils die Live-Produktionen mit Event-Charakter.

Genre muss sich neu erfinden

Das Ende einzelner Sendungen sei deshalb nicht mit dem Untergang eines ganzen Genres gleichzusetzen. «Nicht unbedingt sind es jetzt die grossen Shows und deren Niedergang, die den Schlager bedrängen», so Thiesen.

Florian SilbereisenLaut dem Branchenmagazin «DWDL» knackt Florian Silbereisen mit seinen Schlagershows konstant die Vier-Millionen-Zuschauer-Marke. – keystone

Stattdessen müsse sich das Genre neu erfinden. Etwa durch Verzahnungen mit digitalen Plattformen, um die Interaktionen mit dem Publikum zu stärken. «Um zukunftsfähig zu bleiben, muss der Schlager sich an anderen medialen Inszenierungen orientieren.»

Die lineare Nutzung weicht den sozialen Medien und Streamingplattformen zunehmend. Sich in klassischen TV-Shows zu etablieren, erachtet der Experte deshalb als schwierig.

Entscheidend sei aber Authentizität, Fans müssten einen Star als nahbar und erreichbar wahrnehmen. Das sei im Schlager wichtiger als die blosse Präsenz in einer einzelnen Show.

Klassische Abendshow nicht mehr zeitgemäss

Auch für Medienwissenschaftler Stefan Piasecki sind es nicht nur wirtschaftliche Faktoren, die über die Lebenszeit dieser Programmmarken entscheiden. Auch er setzt Authentizität an oberste Stelle. Doch Hochglanz in dem Genre, wie man ihn aus alten Zeiten kennt, könne schnell als Künstlichkeit wahrgenommen werden.

Gottschalk Hunziker Beatrice EgliThomas Gottschalk und Michelle Hunziker machten sich bei «Wetten, dass..?» viele Jahre einen gemütlichen Abend auf dem Sofa. Mehrere Millionen verfolgten die Shows mit Event-Charakter. Bei der letzten gemeinsamen Sendung im November 2022 schalteten über zehn Millionen Zuschauer ein. – keystone

Die klassische Abendshow wirke heutzutage auf viele aus der Zeit gefallen. «Grosse Bühnen, Moderationen im Wohlfühlton, kalkulierte Emotionalität – das war das Erfolgsrezept. Heute konkurriert dieses Format mit schnell geschnittenen, oft ironischen und fragmentierten Inhalten aus sozialen Medien.»

TV-Sendungen weichen Social Media und Streaming

Die Zeiten der routinierten Primetime-Unterhaltung zu einem festen Zeitpunkt seien deshalb vorbei. Stattdessen würden grosse Abendshows künftig seltener und punktueller eingesetzt werden.

Schöneberger Felix Beatrice EgliIn den 1980er-Jahren sorgte Paola Felix (r.) in «Verstehen Sie Spass?» für legendäre Samstagabendunterhaltung. Inzwischen moderiert Barbara Schöneberger aber nur noch dreimal im Jahr. – keystone

Der Medienwissenschaftler zieht ein klares Fazit zum gesellschaftlichen Wandel: «Das gemeinsame Fernseherlebnis weicht der individuellen Nutzung. Aus dem Lagerfeuer wird ein Mosaik aus vielen kleinen Bildschirmen. Nicht der Schlager verliert sein Publikum – sondern das Publikum hat sich zerstreut.»