Veronika Jehle, Forum Zürich, mit Ergänzungen von Sylvia Stam, «pfarrblatt» Bern
Zusammen mit den Partnerorganisationen Sapec in der Westschweiz und Gava im Tessin plant die Interessengemeinschaft für missbrauchsbetroffene Menschen im kirchlichen Umfeld (IG-MikU) die Errichtung eines nationalen Dachverbands. Dies wurde an der Generalversammlung des Vereins von den Mitgliedern einstimmig beschlossen.
Ab Herbst 2026 soll schweizweit eine Geschäftsstelle (50 Prozent) jenen Teil der Arbeit übernehmen, der sich beispielsweise mit der kritischen Begleitung kirchlicher Aufarbeitung oder mit Anfragen der Öffentlichkeit befasst. Die Begleitung von Betroffenen hingegen soll ehrenamtlich bleiben, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das genaue Berufsprofil wird laut Peterer derzeit erarbeitet, wichtig seien in erster Linie ein Bezug und Interesse an der Thematik, aber auch Kenntnisse über den Aufbau einer Geschäftsstelle mit eigener Website, Mitgliederbetreuung, Kommunikation etc. Die drei sprachregionalen Vereine sollen weiterhin bestehen bleiben.
Finanzspritze aus Zürich
Finanziell möglich wird die Gründung eines Dachverbands vor allem durch Gelder der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, die der Deutschschweizer IG-MikU jährlich 50‘000 Franken gesprochen hat. Auch die RKZ, die Römisch-Katholische Zentralkonferenz, stellt für die Finanziell möglich wird die Gründung eines Dachverbands vor allem durch Gelder der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Diese hatte der Deutschschweizer IG-M!kU nach der Publikation der Missbrauchsstudie im Herbst 2023 während fünf Jahren jährlich 50‘000 Franken zugesprochen für den Aufbau einer Geschäftsstelle. Die drei Organisationen SAPEC, GAVA und IG-MikU sind unterschiedlich strukturiert und finanzieren sich hauptsächlich durch Mitgliederbeiträge und Spenden.
«Da wir mit diesem Geld bisher sehr sparsam umgegangen sind, reicht der Grundstock für den Aufbau einer Geschäftsstelle für den nationalen Dachverband», sagt Vreni Peterer auf Nachfrage des «pfarrblatt» Bern. Das Fundraising könne nun starten, so Peterer weiter. Der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) werde nach Vorgesprächen ein Gesuch für je 25’000 Franken für die Jahre 2027 – 2029 gestellt, ebenso würden weitere Landeskirchen, darunter die Landeskirche Bern, angefragt, sowie die Evangelische Kirche Schweiz, da die Organisationen auch Betroffene aus der reformierten Kirche begleiten.
Weiterhin Defizite in der Aufarbeitung von Missbrauch
Inhaltlich zieht die IG-MikU in ihrem Jahresbericht 2025 die Bilanz, dass «trotz Fortschritten weiterhin erhebliche Defizite im Umgang mit sexuellem Missbrauch im kirchlichen Kontext» bestehen. Dies vor allem im Bereich Transparenz und Opferschutz. «Noch immer werden mutmassliche Täter teilweise in sensiblen Funktionen belassen oder nicht konsequent aus diesen entfernt», heisst es in der Medienmitteilung. Weiterhin gefordert seien «verbindliche nationale Richtlinien: zeitnahes Handeln, transparente Information und der konsequente Schutz von Menschen».
Den Gebetstag für Missbrauchsbetroffene, den die Schweizer Bischofskonferenz jüngst für den 18. November eingeführt hat, bewertet die IG-MikU «mit gemischten Gefühlen». «Sichtbarkeit ist wichtig, reicht jedoch nicht aus, solange strukturelle Probleme bestehen».
Peterer kündigt Rücktritt für 2027 an
An der Generalversammlung wurden die zu bestätigenden Mitglieder des Vorstands einstimmig bestätigt, darunter die Präsidentin Vreni Peterer. Sie stellt einen Rücktritt von ihrer Funktion auf die Generalversammlung 2027 in Aussicht. Dann sei die Hauptstudie des historischen Seminars der Universität Zürich zu Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche der Schweiz erschienen und weitere wichtige Meilensteine gesetzt.