Die Sängerin warf Plastik über die Schulter, fischte es aber wieder raus.

Wirf eine Münze und du sollst nach Rom zurückkehren. Wirf gleich zwei auf einmal und du sollst eine neue Liebe finden. Wirf drei und du sollst sie nicht nur finden, sondern heiraten! Und vor allem: wirf sie mit der linken Hand über die rechte Schulter schwungvoll über den Beckenrand der monumentalen Fontana di Trevi, dem größten Brunnen Roms und dem vielleicht berühmtesten der Welt.

Die vermeintlich alte Tradition ist (ähnlich wie Trachten-Outfits oder Schottenröcke) eine relativ junge Erfindung – von frühen Touristen Ende des 19. Jh. praktiziert und in Hollywood popularisiert. In „Drei Münzen im Brunnen“ (1954) versenkten drei junge Amerikanerinnen im Geiste der Verheißungen der Cittá Eterna ihr Kleingeld am Grunde der Fontana. Gut 70 Jahre später haben sich Gebräuche und Zahlungsmittel der italienischen Hauptstadt gravierend verändert. Der Zugang in die Münzwurfweite des Trevi-Brunnens durch ein Drehkreuz kostet seit diesem Jahr zwei Euro – nur Kartenzahlung möglich. Endlich drinnen vor dem Brunnen stehen einige Leute dann aber vor einem Problem: Denn wer hat außer der Dame im Wiener Supermarkt, die genau vor einem an der Kassa steht, im Jahr 2026 noch Bargeld dabei?

Jedenfalls nicht Popstar Katy Perry. „I don‘t fuck with cash“, gesteht die Sängerin in einem TikTok-Video relativ ratlos vor dem Trevi-Brunnen stehend. „Kann mir jemand einen Penny geben?“, singt die bargeldlose Multimillionärin, inkognito im Kapuzenpullover, vergeblich. Sie bückt sich zum Wasser hin und lässt ihre Kreditkarte ins Wasser fallen, holt sie aber schnell wieder zurück, bevor sie auf ein Bett aus Kupfer hinabgleitet.

Zwischen einer und anderthalb Millionen Euro werfen Touristen jährlich in den Trevi-Brunnen, die traditionell gespendet werden. Hätte Katy Perry die Karte also besser doch versinken lassen sollen? Mit dem Ruf der Sängerin war es voriges Jahr ohnehin ein Stück bergab gegangen, als sie sich von Jeff Bezos‘ Raumfahrtunternehmen „Blue Origin“ kurz ins Weltall schießen ließ. Vielleicht sollten die Trevi-Brunnen-Betreiber einfach noch einen Schritt weiter mit der Zeit gehen und den Brunnen mit einem kontaktlosen Zahlfeld unterlegen. Rein mit den Kreditkarten! Der Trevi-Poolboy fischt sie wieder heraus, mit 50 Euro weniger darauf. Sie haben es hier zuerst gelesen!

E-Mails an: benjamin.stolz@diepresse.obfuscationcom

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