Manchmal erscheint ein Lied, das auf eine unverhoffte Weise froh macht, und genau so ein Song ist „drop dead“ von Olivia Rodrigo. Die 23-Jährige gilt als Spezialistin für das Thema „teenage heartbreak“, und ihr neues Stück handelt wieder von der Liebe. Die Erzählerin berichtet, wie sie sich in einen Typen aus dem Internet verliebt. Bald trifft sie ihn in echt, es geht ein bisschen hin und her, die Wolken färben sich rosa, und der letzte Vers lautet: „Küss mich und ich falle vielleicht tot um“.
Der Song ist originell gebaut, er beginnt mit versonnenen Synthie-Akkorden und melancholischen Vocals. Rodrigo legt sich langsam und melodramatisch in die Kurve, und nach etwas mehr als einer Minute erreicht das Stück seine Reiseflughöhe.
Gleich zu Beginn zitiert der frühere Disney-Star „Just Like Heaven“, den Hit von The Cure aus dem Jahr 1987. Rodrigo ist ja ohnehin Fan des Alternative Rock der 1980er- und 1990er-Jahre. Auf ihrem Album „Guts“ verbeugte sie sich 2023 vor Gruppen wie Veruca Salt und Bikini Kill, für ihre Tournee bat sie die Breeders ins Vorprogramm. Und bei ihrem legendären Auftritt beim Glastonbury-Festival im vergangenen Jahr holte sie Robert Smith, Kopf und Sänger von The Cure, auf die Bühne und brachte mit ihm „Friday I‘m In Love“ und „Just Like Heaven“.
Umso schöner wirkt nun die Zeile aus „drop dead“, in der Rodrigo sagt, „du kennst den Text von Just Like Heaven“ / und ich weiß, warum er ihn schrieb“. Klar weiß sie es, sie konnte ja mit Robert Smith persönlich darüber sprechen. Neulich ließ er zudem über die britische „Vogue“ ausrichten, er besitze ihre beiden Alben, und es sei schwierig, sich nicht in ihre Songs zu verlieben.
Man könnte nun denken, Rodrigo sei retroselig und blicke zurück. Aber das Gegenteil ist der Fall: Je tiefer man in diese Single eintaucht, umso mehr erfährt man über den Gegenwartspop. An dem Lied mitgeschrieben hat Amy Allen, die derzeit bei vielen Werken von Stars aus der Champions League des Pop ihre Finger im Spiel hat: Sabrina Carpenter, Olivia Dean, Harry Styles und Tate McRae. Im Video von „drop dead“ tanzt Rodrigo durch das Schloss Versailles, sie macht es zu ihrer Wohnung, trägt Kopfhörer und lipsynct zu ihrem eigenen Song. Regie führt die Fotografin Petra Collins, Vordenkerin in Sachen Millennial-Ästhetik, und sie zwinkert dabei dem Film „Marie Antoinette“ von Sofia Coppola zu. Die wiederum ist wieder sehr populär, gerade erst veröffentlichte Sabrina Carpenter ein Video, das Coppolas Film „The Bling Ring“ zitiert.
Aber man muss das alles gar nicht wissen, man kann auch einfach nur zuhören. „Ich glaube, wir könnten richtig gut zusammenpassen“, singt Olivia Rodrigo. Herrlicher Satz. Mit diesem Ohrwurm möchte man durch den Frühling rauschen.
Info Das neue Album „you seem pretty sad for a girl so in love“ erscheint am 12. Juni.