Antikörper-produzierende Immunzellen, sogenannte B-Lymphozyten, können Krankheitserreger erkennen und Antikörper zur Bekämpfung ausbilden. In einigen Fällen, wie beispielsweise bei HIV, Influenza oder Malaria, können nur wenige Menschen breit neutralisierende Antikörper (bNAbs) produzieren, die eine Infektion effektiv verhindern oder eindämmen können. US-amerikanischen Forschenden ist es nun in Mäusen gelungen, B-Lymphozyten gezielt zu „programmieren“, sodass sie gewünschte Antikörper in großen Mengen herstellen können. Ihre Ergebnisse sind im Fachjournal „Science“ erschienen (siehe Primärquelle).
Hierfür veränderten die Forschenden Blutstammzellen von Mäusen mit der Genschere CRISPR/Cas9 so, dass sie die genetische Sequenz von breit neutralisierenden Antikörpern ausbilden können. Im nächsten Schritt wurden die Mäuse bestrahlt, um Blutstammzellen aus dem Knochenmark zu entfernen. Die anschließend transplantierten, geneditierten Blutstammzellen können sich so im Knochenmark ansiedeln. Die gewünschte Antikörperproduktion wurde dann mithilfe einer klassischen Immunisierung durch ein bis drei Impfungen mit dem zugehörigen Antigen ausgelöst.
Die Studie gilt als „proof of concept“ dafür, dass B-Zellen diese spezifischen Antikörper produzieren und anschließend effektiv vor einer Infektion schützen können. Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage der Übertragbarkeit und der Risiko-Nutzen-Frage, bei welchen Erkrankungen der hohe Aufwand mit eventueller Bestrahlung bei nicht-autologer Transplantation in Patientinnen und Patienten gerechtfertigt ist. Die Autorinnen und Autoren heben allerdings hervor, dass es nur eine kleine Menge an editierten Stammzellen brauche. Somit wäre dieser Ansatz eine mögliche Option für eine Geneditierung direkt im Menschen, die durch wenige veränderte Zellen, therapeutische Effekte erzielen könnte. Im Vergleich zu bisherigen Immunisierungsansätzen wie Impfungen und der Gabe von monoklonalen Antikörpern steuert man mit dieser Methode spezifisch, welche Antikörper gebildet werden sollen und erzeugt eine andauernde Immunantwort.
Eine solche Gentherapie wäre ein Arzneimittel für neuartige Therapien (Advanced Therapy Medicinal Product, ATMP) und müsste damit besonderen Anforderungen in einem möglichen Zulassungsprozess erfüllen [I]. Weitere Arbeitsgruppen arbeiten derzeit an der Entwicklung einer solchen Therapie [II].
Das SMC hat Forschende gebeten, das Potenzial der Methode sowie deren Übertragbarkeit auf den Menschen einzuordnen.