LandratKlassenzimmer als Hitzefalle: An den Baselbieter Schulen soll Temperatur gemessen werden

Ein systematisches Hitzemonitoring sollen helfen, dass der Kanton am richtigen Ort in Schutzmassnahmen investiert. Weshalb die Regierung dies trotzdem keine gute Idee findet.
In einigen Schulzimmern wie hier an der Primarschule Füllinsdorf werden Ventilatoren gegen die Sommerhitze aufgestellt.
Bild: Kenneth Nars
Aktuell sind die Temperaturen frühlingshaft angenehm, doch der nächste Hitzetag ist wohl bloss noch einige Wochen entfernt. Und dann werden die Temperaturen in den Schulzimmern auch wieder zum Politikum. Mit dem Klimawandel und den immer heisseren Sommermonaten in unseren Breitengraden hat sich das Problem akzentuiert. Im August 2023 führte der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland (LVB) grossangelegte Temperaturmessungen durch: An 23 Primarschulen, zwölf Sekundarschulen und drei Gymnasien wurden damals Daten erhoben.
42 Grad im Schulzimmer bei Messung
Der Befund war alarmierend: Im Durchschnitt lagen die Temperaturen bereits um 12 Uhr jeweils bei 30 Grad, manchenorts schon bei 36 Grad. Nachmittags wurden Spitzenwerte von bis zu 42 Grad erreicht. Auch wenn solche Extremwerte nicht Alltag sind – der August 2023 war ungewöhnlich heiss -, ist offensichtlich: Die Hitze in Schulzimmern beeinträchtigt die Gesundheit sowie die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit von Schülern und Lehrerinnen, ist also ein Problem. Hitzefrei geben die Behörden im Baselbiet ihren Schülerinnen und Schülern nicht. Der Kanton ist vereinzelt tätig geworden: So wurden etwa bei Schulneubauprojekten in Allschwil und Muttenz moderne Kühltechniken ohne Klimaanlage in die Planung aufgenommen
Der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr – er ist selber Sekundarlehrer – fordert aufbauend auf den Messungen durch den LVB ein Hitzemonitoring im Baselbiet: Demnach sollen Raumtemperaturen in repräsentativ ausgewählten Schulzimmern im ganzen Kanton systematisch erhoben werden. Dies würde helfen, gezielte Schutzmassnahmen zu treffen, argumentiert Kirchmayr. An einem Hitzetag ist es – verständlich – fast allen zu heiss. Systematische und unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführte Temperaturmessungen könnten helfen, besonders stark betroffene Räume oder Schulen zu identifizieren.
Regierung: Ressourcen lieber direkt in Hitzeschutz stecken
Die Baselbieter Regierung hält allerdings ein solches kantonsweites Hitzemonitoring für «nicht zielführend». Sie beantragt denn auch, dass der Vorstoss abgelehnt wird. Die Durchführung solcher Temperaturmessungen wäre mit einem erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden ohne dass dadurch bereits konkrete Verbesserungen umgesetzt werden könnten. Die Erkenntnisse der vom LVB durchgeführten Temperaturmessungen hätten bestätigt: Es besteht Handlungsbedarf.
Allerdings könnten mit systematischen Messungen nur sehr begrenzt neue Erkenntnisse gewonnen werden, argumentiert die Regierung. Sie kommt deshalb zum Schluss: Ein Monitoring bindet bloss Ressourcen – diese würden besser direkt für einen besseren Hitzeschutz eingesetzt. Punktuelle Messungen könnten aber im Bedarfsfall helfen, um Massnahmen zu planen oder zu realisieren, argumentiert die Regierung. Über die Einführung eines Hitzemonitorings entscheidet der Landrat an seiner Sitzung vom kommenden Donnerstag.
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