In Frick ist es zu einem Unfall auf der Autobahn gekommen. Auch ein Helikopter stand im Einsatz. Was nach einer alltäglichen Meldung tönt, entpuppt sich als Thriller. Was ist passiert?

Eine Nachfrage bei der Kantonspolizei Aargau ergibt, dass die Geschichte ihren Ursprung im Osten der Schweiz hat und es einen Zusammenhang mit gestohlenen Fahrzeugen gebe. Verdächtige hätten sich gar einer Polizeikontrolle entzogen.

Anruf also bei der Kantonspolizei St.Gallen. Die Medienstelle bestätigt, dass in Widnau SG zwei BMW, je ein X6 und X7, aus einer Garage gestohlen wurden. Diese Meldung ging gegen 6.30 Uhr ein.

Die Täter fuhren nach Berneck, montierten auf einem Firmenparkplatz an der Gemperenstrasse Kontrollschilder von parkierten Fahrzeugen ab und ergriffen die Flucht. Zuvor waren sie mit einem in Graubünden geklauten Lieferwagen nach Widnau gelangt.

Umgehend leitet die Polizei eine grossangelegte Fahndung ein, informiert auch die Polizeikorps in den umliegenden Kantonen sowie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit.

Auch ein Polizeihelikopter der Kantonspolizei Zürich und eine Drohne der Kantonspolizei St.Gallen sind im Einsatz. Vorerst aber ohne Erfolg.

Polizei stoppt Täter in den Kantonen Zürich und Aargau

Einen ersten Kontakt mit den beiden Fluchtfahrzeugen gibt es wenig später in Wil SG auf der Autobahn A1. Gestoppt werden können die Autos da aber noch nicht, sie durchbrechen gar eine Polizeisperre und fahren unbeirrt weiter. Dies, obwohl es sogar zu einer Schussabgabe durch einen Polizisten kommt.

In Matzingen TG kommt es dann zu einer Streifkollision zwischen einem der beiden BMW und zwei unbeteiligten Fahrzeugen. Verletzt wird glücklicherweise niemand. In Hagenbuch, kurz nach der Grenze zum Kanton Zürich bleibt der X6 dann an einer Polizeisperre der Kantonspolizei Zürich hängen.

Der Fahrer des BMW X6 wollte den Wildschutzzaun durchbrechen.Der Fahrer des BMW X6 wollte den Wildschutzzaun durchbrechen.

Bild: Kantonspolizei St.Gallen

Der Fahrer versucht zwar noch, den Wildschutzzaun zu durchbrechen und weiter zu flüchten. Die Polizei nimmt eine Person fest. Es handelt sich um einen 16-jährigen Marokkaner. Der BMW wird durch ein Abschleppunternehmen geborgen.

Einer der Flüchtigen hat in Hagenbuch ZH einen Unfall gebaut.Einer der Flüchtigen hat in Hagenbuch ZH einen Unfall gebaut.

Bild: BRK News

Das zweite Auto flüchtet indes weiter. Es durchquert den Kanton Zürich, den Gubristtunnel und einen Teil des Kantons Aargau. In Frick ist die Flucht dann aber auch für das zweite Auto zu Ende, weil es ebenfalls – möglicherweise wegen überhöhter Geschwindigkeit – einen Selbstunfall baut. Im Nordwesten des Kantons Aargau nimmt die Polizei dann einen 19-jährigen Franzosen fest.

Damit aber nicht genug. Ein weiterer junger Mann versucht, zu Fuss zu fliehen. Er kann aber kurze Zeit später ebenfalls festgenommen werden. Bei ihm handelt es sich ebenfalls um einen 19-Jährigen, mutmasslich aus Frankreich.

Ein 19-Jähriger baute bei der Ausfahrt Frick einen Selbstunfall.Ein 19-Jähriger baute bei der Ausfahrt Frick einen Selbstunfall.

Bild: Kantonspolizei St.Gallen

Überkantonale Polizeiarbeit funktioniert wie gewünscht

Die Autobahneinfahrt in Frick war für mehrere Stunden gesperrt, der Verkehr musste umgeleitet werden. Neben der Kantonspolizei waren auch die Regionalpolizeien Unteres und Oberes Fricktal beteiligt. Gegen die drei Männer werden Strafverfahren unter der Leitung der zuständigen Staatsanwaltschaft eingeleitet, schreibt die Kantonspolizei St.Gallen in einer Medienmitteilung.

Als der zweite und der dritte junge Mann in Frick festgenommen werden, ist keine Patrouille der Kantonspolizei St.Gallen mehr im Einsatz. Eine sogenannte Nachfahrt hat es nicht gegeben. Aber der Fall zeige exemplarisch, wie gut die überkantonale Zusammenarbeit zwischen den Polizeikorps funktioniere. Diese sei zentral gewesen für die Festnahmen, heisst es seitens der Kantonspolizei St.Gallen.

Täter gehen hohe Risiken ein

Die Umstände der Flucht sind aktuell noch Gegenstand der Ermittlungen. Auf Anfrage dieser Zeitung schreibt die Kantonspolizei St.Gallen aber, dass angenommen werden müsse, dass die Männer mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs waren.

Zudem schreibt die Polizei: «Wir wissen im Zusammenhang mit diesem Deliktsphänomen, dass die Personen, welche die Luxusautos in der Schweiz stehlen und in Richtung Frankreich flüchten, oftmals ohne Skrupel unterwegs sind und am Steuer hohe Risiken eingehen.» Dazu komme, dass viele Täter minderjährig seien und kaum Erfahrung mit dem Fahren von Autos haben .

Das News-Video zum Thema.

Video: BRK News / CH Media Video Unit / Ramona Dosch-De Cesaris

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