Welchen Schatz das unscheinbare Museumsstück darstellt, zeigte sich erst, als die Paläontologen das Fossil mittels Röntgentomografie näher untersuchten. „Erst jetzt verfügen wir über Technologie, die auch die kleinsten Details solcher Fossilien sichtbar macht“, sagt Norton. „Dadurch können selbst vor Generationen gesammelte Exemplare unser Verständnis der Evolution verändern.“
Ein Missing Link der Quastenflosser
Die Analysen und eine genaue Datierung enthüllten: Bei dem Fischfossil handelt es sich um eine zuvor unbekannte Art der Quastenflosser aus der Zeit vor 100 bis 113 Millionen Jahren. Die Macropoma gombessae getaufte Spezies schließt damit eine der beiden großen Lücken im Quastenflosser-Stammbaum. „Die Entdeckung von Macropoma gombessae liefert uns nun wertvolle Informationen über morphologische Veränderungen in dieser Zeit“, schreiben die Paläontologen.
Der neu entdeckte Quastenflosser unterscheidet sich von anderen Spezies unter anderem in den ungewöhnlich großen Poren unter den Augen und am Kiefer. Dabei handelt es sich um Öffnungen der Sinneskanäle, über die diese Fische mechanische Reize wie Wasserbewegungen wahrnehmen konnten, wie das Team erklärt. Während diese Poren bei heutigen Quastenflossern stark reduziert und kaum noch zu erkennen sind, waren sie bei Macropoma gombessae noch sehr prominent. Auch bei den Zähnen und der Kopfornamenten gibt es deutliche Unterschiede.
Feingefühl am schlammigen Grund
Das neue Fossil verrät auch einiges darüber, wie diese kreidezeitlichen Quastenflosser lebten: „Die großen Poren der Sinneskanäle deuten darauf hin, dass sich Macropoma gombessae stärker auf mechanische Reize aus seiner Umwelt verließ“, erklären Norton und seine Kollegen. Dem Fossil-Fundort zufolge lebte der Kreidezeit-Fisch in 90 bis 350 Meter Tiefe in einem Meeresgebiet mit eher schlammigem, sehr feinkörnigem Meeresgrund.
„Wenn diese neue Quastenflosser-Art ihre Nahrung vorwiegend am Meeresgrund suchte, könnte ihr die erhöhte Sensitivität für mechanische Reize bei der Beutesuche geholfen haben“, schreiben die Paläontologen. Denn die Sicht dürfte in dem dämmrigen, von aufgewirbeltem Schlamm verschleierten Wasser schlecht gewesen sein. (Papers in Palaeontology, 2026; doi: 10.1002/spp2.70076)
Quelle: University of Portsmouth
23. April 2026
– Nadja Podbregar