Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Über 170 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung zum Kampfjet.

Über 170 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung zum Kampfjet.

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Johannes Gumpinger (rechts): «Die Armee nimmt die Bevölkerung nicht ernst.»

Johannes Gumpinger (rechts): «Die Armee nimmt die Bevölkerung nicht ernst.»

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Kurt Fankhauser lebt unmittelbar neben dem Flugplatz und sagt: «Meine Vorfahren wurden wegen des Flugplatzes enteignet – sie erhielten nicht einmal 30 Rappen pro Quadratmeter.»

Kurt Fankhauser lebt unmittelbar neben dem Flugplatz und sagt: «Meine Vorfahren wurden wegen des Flugplatzes enteignet – sie erhielten nicht einmal 30 Rappen pro Quadratmeter.»

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Die Armee war mit vier Kaderleuten und Experten vor Ort.

Die Armee war mit vier Kaderleuten und Experten vor Ort.

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Johannes Gumpinger (rechts) war einer, der kritische Fragen stellte.

Johannes Gumpinger (rechts) war einer, der kritische Fragen stellte.

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Über 170 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung zum Kampfjet.

Über 170 Bürgerinnen und Bürger kamen zur Infoveranstaltung zum Kampfjet.

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Johannes Gumpinger (rechts): «Die Armee nimmt die Bevölkerung nicht ernst.»

Johannes Gumpinger (rechts): «Die Armee nimmt die Bevölkerung nicht ernst.»

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Kurt Fankhauser lebt unmittelbar neben dem Flugplatz und sagt: «Meine Vorfahren wurden wegen des Flugplatzes enteignet – sie erhielten nicht einmal 30 Rappen pro Quadratmeter.»

Kurt Fankhauser lebt unmittelbar neben dem Flugplatz und sagt: «Meine Vorfahren wurden wegen des Flugplatzes enteignet – sie erhielten nicht einmal 30 Rappen pro Quadratmeter.»

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Die Armee war mit vier Kaderleuten und Experten vor Ort.

Die Armee war mit vier Kaderleuten und Experten vor Ort.

Wut im Berner Oberland: Bevölkerung kanzelt Armee wegen Lärmschutz-Plänen ab. Johannes Gumpinger (rechts) war einer, der kritische Fragen stellte.

Johannes Gumpinger (rechts) war einer, der kritische Fragen stellte.

Schallschutzfenster gegen Kampfjet-Lärm? Für die Bevölkerung im Haslital ist das «absolut lächerlich» – und das sagten sie dem VBS am Montagabend auf dem Flugplatz Meiringen auch ins Gesicht.

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

Rund 170 Anwohnerinnen und Anwohner machten am Montagabend im Flugplatz Meiringen ihrem Ärger über die künftig lauteren F‑35‑Kampfjets Luft.Das VBS stellte Lärmschutzmassnahmen vor – vor allem Schallschutzfenster –, was im Saal als ungenügend kritisiert wurde.Zusätzlichen Unmut löste die kurzfristige Absage des geplanten Hörvergleichs zwischen F‑35 und F/A‑18 aus.

Wer von Bern ins östliche Oberland fährt, sieht sie schon am Strassenrand hängen: gelbe Plakate, rote Buchstaben – «Kein F‑35 in Meiringen-Unterbach». Aufgestellt auf Scheunen, mancherorts befestigt an Gartenmauern. Das Signal ist eindeutig: Im Haslital brodelt es.

Am Montagabend zeigte sich auf dem Flugplatz Meiringen, wie tief die Empörung sitzt. Rund 170 Bewohnerinnen und Bewohner aus Meiringen, Unterbach, Brienzwiler und Schattenhalb waren gekommen – viele mit jahrelanger Wut im Bauch.

Der Grund: Die neuen F‑35‑Kampfjets, die ab 2030 in der Schweiz stationiert werden sollen, gelten als deutlich lauter als ihre Vorgänger F/A‑18. Das will die Bevölkerung, die seit Jahren mit dem Lärm der Kampfjets lebt, im engen Tal nicht hinnehmen.

Schon früh in der Fragerunde war klar, dass technische Details das Misstrauen nicht aus dem Weg räumen. Ein Bürger aus Unterbach rief in der Aula beim Flugplatz: «Wir kämpfen seit 40 Jahren darum, dass wir zu unserem Recht kommen. Jetzt heisst es wieder, alles sei kein Problem. Das ist traurig, aber wahr.»

Seit Monaten hängen im Raum Meiringen Plakate mit der Aufschrift «Kein F-35 in Meiringen-Unterbach». Sie wurden aufgehängt von der Vereinigung IGF Alpenregion.

Seit Monaten hängen im Raum Meiringen Plakate mit der Aufschrift «Kein F-35 in Meiringen-Unterbach». Sie wurden aufgehängt von der Vereinigung IGF Alpenregion.

Bild:
Keystone

«Das ist doch lächerlich!»

Die Stimmung kippte kurz darauf vollends, als Vertreter des Verteidigungsdepartements (VBS) die geplanten Lärmschutzmassnahmen vorstellten. Bei übermässig belasteten Häusern will die Armee Schallschutzfenster auf Kosten der Steuerzahlenden einbauen lassen – oder das zumindest anbieten. Dächer oder Wände sollen jedoch nicht speziell isoliert werden.

«Schallschutzfenster sind absolut lächerlich», sagte ein Bürger, der sich als Hansruedi Signer vorstellte. «Zum wirklichen Schutz gehören auch Sanierungen am Dach und an Wänden.» Dafür erntete er Applaus im Saal. Eine andere Teilnehmerin, Maya Michel, kritisierte: «Bei eigenen Gebäuden saniert der Bund alles komplett, bei privaten macht er nur das Minimum.»

Ein weiterer Anwohner verwies auf veraltete Standards: Sein Haus habe vor zwanzig Jahren Bundesfenster erhalten – jetzt bekomme es nichts mehr, obwohl moderner Lärmschutz längst Dreifachverglasung verlange.

Johannes Gumpinger (r.): «Die Armee nimmt die Bevölkerung nicht ernst.»

Johannes Gumpinger (r.): «Die Armee nimmt die Bevölkerung nicht ernst.»

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Petar Marjanović

Viele reagierten mit Kopfschütteln, als ein Armasuisse‑Vertreter die Diskussion schon um 20.33 Uhr abbrechen wollte, obwohl sie laut Einladung bis 20.45 Uhr hätte dauern sollen. Mehrere enttäuschte «Nein!»‑Rufe hallten durch die Aula.

Ein Mann rief ins Publikumsmikrofon: «Ich weiss heute Abend nicht mehr, was ich glauben soll – und was wieder eine Lüge ist.» Erst nach mehreren Rufen entschied Bruno Locher, der Chef Raum und Umwelt vom Generalsekretariat des VBS, der Bevölkerung zehn weitere Minuten zu gewähren.

Verunsicherung statt Vertrauen

Besonders enttäuschend für viele: Der angekündigte «Hörvergleich» zwischen einem F‑35 und einem F/A‑18 war kurzfristig abgesagt worden. Die italienische Luftwaffe, die einen ihrer Jets für den Test hatte schicken wollen, musste den Besuch aus «operationellen Gründen» streichen. So berichtete es zumindest ein Armeevertreter.

Für die Anwohnerinnen und Anwohner in Meiringen war das der grösste Rückschlag. Einige vermuten Absicht dahinter, aus Angst, der «wahre» Lärmpegel könnte sichtbar werden.

Die Frage, ob vor dem 18. Mai – also vor Beginn der Einsprachefrist – noch ein neuer Termin zustande kommt, konnte Oberst Marc Studer, Kommandant des Flugplatzes, nicht beantworten: «Ich kämpfe darum, dass das möglich wird. Versprechen kann ich es aber nicht – ich habe hier noch keinen F‑35.»

Das sagt das VBS

Der F‑35 sei laut Empa‑Berechnungen rund drei Dezibel lauter, was einer Verdoppelung der Schallenergie, aber keiner Verdoppelung der wahrgenommenen Lautstärke entspreche.Dafür würden die Flugbewegungen halbiert, auf höchstens 2500 pro Jahr. Neu entfallen Trainingsflüge am Montagmorgen und Freitagnachmittag. Künftig erfolgt zudem der letzte Start um 20.40 Uhr (statt 21.15 Uhr).Rund 130 Gebäude sind von übermässigem Lärm betroffen, 48 davon erreichen den «Alarmwert». Zwei Wohnhäuser werden zusätzlich wegen Erschütterungen untersucht.

Das VBS versicherte, jedes betroffene Gebäude einzeln zu prüfen. Wer bereits Schallschutzfenster vom Bund erhalten hat, werde jedoch eher kein zweites Mal berücksichtigt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 30 Millionen Franken – 6 Prozent davon entfallen auf Meiringen.

Die Armee hat detailierte Karten aufgestellt, die aufzeigen, welche Häuser mit welchem Lärm rechnen müssen.

Die Armee hat detailierte Karten aufgestellt, die aufzeigen, welche Häuser mit welchem Lärm rechnen müssen.

Bild:
Petar Marjanović

Verfahren läuft ab Mitte Mai

Am 18. Mai 2026 startet das Plangenehmigungsverfahren für den Flugplatz. Bis zum 17. Juni können Gemeinden und Privatpersonen Einwände und Einsprachen einreichen, danach entscheidet der Bundesrat über das Objektblatt.

Diese Fristen blieben am Montagabend aber zweitrangig. Die Empa‑Berechnung zum Lärm, sagen viele, bilde den engen Talkessel im Berner Oberland nicht ab. Und solange hier kein F‑35 startet, bleibt in Sachen Lärm alles Theorie.

Kurt Fankhauser lebt direkt neben dem Flugplatz. Nach der Veranstaltung sagt er zu blue News: «Meine Familie ist seit über 60 Jahren hier. Meine Vorfahren wurden wegen des Flugplatzes enteignet – sie erhielten nicht einmal 30 Rappen pro Quadratmeter. Das sind alte Geschichten. Aber wir erleben hier immer wieder, dass die Armee nur Blödsinn erzählt.» Er sei an die Infoveranstaltung gekommen in der Erwartung, dass die Armee klare Fakten schaffe und sage, wohin die Reise gehe. «Die Armee hat uns einmal mehr enttäuscht.»

Video zum Thema

Maja Riniker: «Parlament muss seine Rolle beim F-35-Kauf hinterfragen»

Seit sieben Monaten amtet die Aargauer FDP-Politikerin Maja Riniker als Nationalratspräsidentin. Dabei übernimmt sie eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen Parlament und Bevölkerung. Als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission ist sie auch für das Kampfjet-Dossier zuständig.
Sie zeigt sich im Gespräch auch selbstkritisch: «Wir müssen uns hinterfragen, ob wir gewisse Verträge nicht eingesehen oder eingefordert haben. Wir haben uns auf die eingeholten Gutachten verlassen.»
Die Geschäftsprüfungskommission werde sich nun eingehend mit dem Geschäft befassen. «Je nach Fazit der Untersuchung werden wir über die Bücher gehen müssen.»

03.07.2025