Der Onlinehandel schläft nie. Gekauft wird heute rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, mit einem Klick vom Sofa aus. Gerade deshalb ist es wohltuend, dass im Schweizer Detailhandel am Sonntag noch weitgehend Ruhe herrscht.
Wer durch Innenstädte und Dörfer spaziert, erlebt an diesem Tag keine Dauerbeschallung des Konsums, sondern ein selten gewordenes Stück Normalität. Die geschlossenen Läden an einem Tag in der Woche sind kein Zeichen von Rückständigkeit, sondern Ausdruck von Lebensqualität.

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth
© KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
Diesen Unterschied will der Bundesrat nun weiter einebnen. Er unterstützt den Vorschlag, die Zahl der Sonntagsverkäufe von bisher vier auf bis zu zwölf pro Jahr zu erhöhen. Die Kantone sollen neu deutlich mehr Spielraum erhalten, damit Verkaufsgeschäfte ihr Personal auch an zusätzlichen Sonntagen ohne Ausnahmebewilligung beschäftigen können. In Bern nennt man das eine «massvolle Flexibilisierung». In Wahrheit ist es ein weiterer Schritt hin zur völligen Verfügbarkeit des Alltags.
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Die SP hat auf diesen Entscheid mit scharfer Kritik reagiert. SP-Co-Präsident Cédric Wermuth nennt die Vorlage einen «inakzeptablen Angriff auf den Schutz der Lohnabhängigen». Die Partei warnt davor, dass die Ausweitung der Sonntagsarbeit die Belastung der Angestellten im Detailhandel erhöhe, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben schwäche und kleinere Geschäfte zusätzlich unter Druck setze. Sie kündigt an, die Vorlage im Parlament mit aller Entschlossenheit zu bekämpfen.
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Damit liegt sie richtig. Nicht alles, was technisch möglich und wirtschaftlich erwünscht ist, macht ein Land auch lebenswerter. Die Schweiz tut gut daran, dem Sonntag seinen eigenen Charakter zu lassen. Der Alltag vieler Menschen ist bereits von Tempo, Erreichbarkeit und Leistungsdruck geprägt.
Ein Tag, an dem nicht auch noch das Shoppen zur Selbstverständlichkeit erhoben wird, ist keine Zumutung. Es ist ein Schutzraum.
Und genau deshalb sollte er verteidigt werden.