Der Komet 3I/ATLAS ist erst der dritte von Astronomen beobachtete interstellare Besucher unseres Sonnensystems. Jetzt liefern Beobachtungen mit den Radioteleskopen des ALMA-Array in Chile neue Hinweise auf seine Herkunft. Sie zeigen, dass das Wassereis des interstellaren Kometen einen ungewöhnlich hohen Anteil des schweren Wasserstoff-Isotops Deuterium aufweist. Der anhand von Radiospektren gemessene Wert liegt bei 3I/ATLAS rund 40-mal höher als in den irdischen Ozeanen und 30-mal höher als bei Kometen des Sonnensystems. Das legt nahe, dass der extrasolare Komet in einer kälteren kosmischen Umgebung entstanden sein muss als unsere Sonne und das Sonnensystem – und wahrscheinlich am äußeren, kalten Rand seiner protoplanetaren Scheibe.

Der im Juli 2025 entdeckte interstellare Komet 3I/ATLAS raste auf einer Hyperbelbahn durch unser Planetensystem und passierte am 29. Oktober 2025 den sonnennächsten Punkt dieses Fluges. Inzwischen ist der eisige, möglicherweise gut fünf Kilometer große Brocken wieder auf dem Weg aus dem Sonnensystem hinaus. Doch seine Passage lieferte Astronomen weltweit eine einzigartige Gelegenheit, ein interstellares Objekt zu erforschen. So legten erste Beobachtungen bereits nahe, dass 3I/ATLAS wahrscheinlich älter ist als unser Sonnensystem. Seine eisreiche Oberfläche und Ausgasungen enthalten zudem mehr Kohlendioxid als bei den Kometen unseres Sonnensystems. Im Frühjahr 2026 zeigten Daten des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile, dass der interstellare Komet auch ungewöhnlich viel Methanol ausgast.

D/H-Verhältnisse im VergleichDeuterium/Wasserstoff-Verhältnis von 3I/ATLAS (rot) im Vergleich zu anderen Himmelskörpern und Umgebungen. © so Salazar Manzano et al./ Nature Astronomy, CC-by 4.040-mal mehr Deuterium als in unseren Ozeanen

Jetzt haben Astronomen eine weitere Besonderheit des interstellaren Besuchers entdeckt. Für ihre Studie hatten Luis Salazar Manzano von der University of Michigan und seine Kollegen Beobachtungen des ALMA-Arrays vom 4. November 2025 ausgewertet – rund sechs Tage nach der Perihel-Passage von 3I/ATLAS. Im Fokus standen dabei Spektrallinien im Radiobereich, die von Wassermolekülen in der Koma des Kometen erzeugt wurden. Die Auflösung der gekoppelten ALMA-Teleskope ist hoch genug, um anhand dieser Linien die Anteile von normalem Wasserstoff (H) und dem schweren Wasserstoff-Isotop Deuterium (D) in diesen Spektren zu zeigen. „Das Verhältnis von Deuterium zu Wasserstoff liefert uns einen starken chemischen Anzeiger dafür, wo und unter welchen physikalischen Bedingungen dieses Wasser einst gebildet wurde und welchen Prozessen es anschließend ausgesetzt war“, erklären Salazar Manzano und seine Kollegen. „Denn der Prozess, der Deuterium in Wassermolekülen anreichert, reagiert sensibel auf lokale Bedingungen wie Temperaturen, Dichte und Ionisierungsrate.“

Die Analysen ergaben Werte, die weit jenseits des im Sonnensystem üblichen liegen. „Die Menge an Deuterium im Verhältnis zu normalem Wasserstoff ist bei 3I/ATLAS höher als alles, was wir zuvor in Planetensystemen gesehen haben“, berichtet Salazar Manzano. Mit einem D/H-Verhältnis von 6,6 Tausendsteln übertreffe der Deuteriumanteil des interstellaren Kometen den in den irdischen Ozeanen um rund das 40-Fache. Im Vergleich zu Kometen des Sonnensystems liegt 3I/ATLAS rund 30-mal höher und auch das interstellare Medium hat keine so starke Deuterium-Anreichung, wie die Astronomen erklären. Damit ist der interstellare Komet ein echter Exot in unserer kosmischen Nachbarschaft.

Kalte Bildungsumgebung

Das Spannende daran: Der hohe Deuteriumgehalt von 3I/ATLAS liefert einige Anhaltspunkte dazu, in welcher Umgebung und unter welchen Bedingungen dieses interstellare Objekt einst entstand. Demnach muss schon der Heimatstern des Kometen in einem anderen Umfeld entstanden sein als unsere Sonne. „Es ist wahrscheinlich, dass die Bedingungen weit kälter waren, denn dies begünstigt die Deuteriumanreicherung im Wasser“, erklären die Astronomen. Ein weiterer Faktor war die protoplanetare Scheibe, in der sich der Komet bildete. „Das erhöhte D/H-Verhältnis könnte darauf hindeuten, dass 3I/ATLAS sich jenseits der CO2-Schneelinie seines Heimatssystems bildete“, schreibt das Team. Die CO2-Schneelinie bezeichnet den Abstand von Zentralstern, ab dem es so kalt ist, dass Kohlendioxid ausgefriert. Dazu könnte passen, dass der interstellare Komet auch besonders viel CO2-Eis enthält und ausgast. „Eine solche Bildung am äußeren Rand seiner protoplanetaren Scheibe könnte auch erklären, warum 3I/ATLAS ausgeschleudert und zu einem interstellaren Objekt wurde“, so Salazar Manzano und seine Kollegen.

Zusammengenommen unterstreichen diese Ergebnisse, dass Planetensysteme und ihre Himmelskörper unter ganz unterschiedlichen Bedingungen entstehen können. „Dies ist der Beleg dafür, dass die Umstände, durch die unser Sonnensystem entstand, im Kosmos keineswegs der Standard sein müssen“, betont Co-Autorin Teresa Paneque-Carreño von der University of Michigan. „Das mag offensichtlich klingen, aber auch das muss ja erstmals überprüft und nachgewiesen werden.“ Wo genau der interstellare Komet 3I/ATLAS herkam und um welchen Stern er einst entstand, ist jedoch noch offen.

Quelle: Luis Salazar Manzano (University of Michigan, Ann Arbor) et al., Nature Astronomy, 2026; doi: 10.1038/s41550-026-02850-5