Vor einigen Wochen konnten wir die erste Designskizze des künftigen Volkswagen Golf 9 sehen – also der neunten Generation des kompakten Bestsellers. Sie wird vollständig elektrisch sein, aber nicht vor dem Jahr 2028 erwartet.
Bislang ist über das neue Modell nur wenig bekannt – abgesehen davon, dass es bereits in Entwicklung ist. Deshalb haben wir bei einem Treffen mit Thomas Schäfer, CEO von Volkswagen, nachgehakt. Laut Schäfer ist das Projekt «auf dem richtigen Weg».
«Das Team arbeitet am Auto. Im vergangenen Jahr, im November, konnte ich das erste Modell in Originalgröße sehen – und ich konnte nur sagen: ‚Wow. Das ist so schön …‘. Das war nur eine der Ideen, nicht das endgültige Modell, sondern einer dieser Prototypen, anhand derer weiter entschieden wird. Aber auf den ersten Blick fand ich es sehr gut.»
Und offenbar war er damit innerhalb des Unternehmens nicht allein.
«Gegen Ende des Jahres hatten wir eine Abschluss-Sitzung des Top-Managements, in der wir die Ergebnisse analysiert und nach vorn geschaut haben. Dort haben wir das Auto auf der Bühne gezeigt – und alle waren beeindruckt.»
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In einem separaten Gespräch mit Kai Grünitz, dem Leiter der technischen Entwicklung bei VW, erfuhren wir weitere Details zum künftigen Golf 9. Zum Beispiel, dass das finale Design bereits nahezu feststeht.
«Er erinnert an den Golf IV, der damals einen großen Schritt nach vorn bedeutete. Aber es ist ein Fahrzeug mit modernem Auftritt – und mit einem zeitlosen Look. Ich glaube, das wird euch gefallen.»
«Aus Design-Sicht ist unser neuer Elektro-Golf bereits zu 96–97% fertig. Wir haben mit einem Proportionsmodell mit Andy [Mindt] angefangen. Und das war schon so gut, dass Thomas Schäfer und ich dazugekommen sind und gesagt haben: ‚Hey, fasst nichts an.'»
Grünitz bestätigte außerdem, dass nach dem Marktstart zwei Golf-Modelle parallel angeboten werden: der vollelektrische Golf und der aktuelle, elektrifizierte Golf.
«Es wird zwei verschiedene Plattformen geben: eine für das Elektro-Modell und eine für den Verbrenner. Die MQB Evo bleibt mit Plug-in-Hybriden, wie wir sie heute kennen, und dann wird es einen komplett neuen, elektrischen Golf auf der neuen SSP-Plattform geben.»
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VW Golf 8 als Falco Edition für Österreich (2026)
Bild von: Porsche Holding GmbH
Parallel dazu hat VW gerade heute einen Vollhybrid im aktuellen Golf und neuen T-Roc angekündigt, der im vierten Quartal 2026 auf den Markt kommen soll.
Der Blick in Richtung Golf 4 und der Wunsch nach einem «zeitlosen» Ansatz wirkt dabei eher wie eine gute Nachricht – gerade für ein Modell, das wieder stärker an die klaren, leicht wiedererkennbaren Linien der Marke anknüpfen soll. Und nach den Aussagen des CEO scheint das finale Design die Erwartungen zu erfüllen.
«Ich habe sehr viel Vertrauen in den Start des Golf 9. Er wird in absolut richtiger Weise entwickelt. Und es ist unglaublich, was man mit einem Auto machen kann, bei dem man sich ja denkt: Wie kann man das überhaupt noch weiter verbessern?»
«Aber das Team hat ein Design geschaffen, das uns alle umgehauen hat: ohne Frage das Beste, das wir je gesehen haben. Ich bin also sehr zufrieden und sicher, dass wir etwas anbieten werden, das viele Menschen glücklich macht.»
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Weltpremiere des Volkswagen ID. EVERY1 am 5.3.2025: mittig Andreas Mindt, rechts daneben Thomas Schäfer und Kai Grünitz
Bild von: Volkswagen
Eine zentrale Rolle spielt dabei Andreas Mindt, bis vor Kurzem Designchef von Volkswagen und inzwischen zum Designchef des Volkswagen-Konzerns ernannt. Schäfer findet für ihn nur lobende Worte:
«Andy ist sehr wichtig – wegen seiner Haltung und seines positiven Denkens. Er ist ein besonderer Typ, kein Designer von der Stange. Er hört sich alle Meinungen an, er hat Lösungen. Seine Mentalität und die Art, wie Andy arbeitet, hat die ganze Organisation verändert.»
Bereits 2024 hatte Mindt selbst angedeutet, wie der neue Golf aussehen soll – mit dem Satz: «Ein Golf wird immer ein Golf sein. Jetzt – oder in 20 Jahren.» Dazu gab er einige Hinweise:
«Wir wollen ein sehr reines, sehr simples Design machen – stark auf ein klares, aufgeräumtes Erscheinungsbild setzen. Und darin die gesamte Essenz unterbringen, die besten Details aus der Golf-Historie. Ein Golf wird immer ein Golf sein – ich verspreche euch einen Golf, den man wiedererkennt. Und wenn wir alle Embleme entfernen würden und am Auto nichts mehr dran wäre, würdet ihr ihn als Golf erkennen.»
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Bild von: Volkswagen
Ein weiterer wichtiger Punkt hängt damit zusammen: Warum heißt der ID.3 Neo nicht ID. Golf – in einer Phase, in der die Marke wieder stärker auf bekannte und «passende» Modellnamen statt auf reine Zahlenbezeichnungen zu setzen scheint? So etwa beim ID. Polo. Schäfer hat dazu eine klare Position:
«Wir haben einen großen Plan, wie wir uns hin zu passenden Namen für jedes Modell entwickeln. Der ID.3 ist allerdings ein Sonderfall: Wir haben draufgeschaut, und viele haben gesagt: Dann nennen wir ihn doch einfach Golf. Wir haben das diskutiert – aber er ist kein Golf.»
«Wir haben das Auto verbessert, es bleibt ein ID.3, aber er brauchte einen neuen Namen. Und nachdem wir überlegt haben, ob wir ihm einen künstlich modernen Namen geben, haben wir uns am Ende entschieden, ihn so zu nennen wie das einstige Showcar: Neo.»