Ein Reise-Youtuber besuchte die North Sentinel Island – ohne Erlaubnis. Er hinterliess dem Urvolk eine Cola-Dose. Jetzt droht ihm eine Gefängnisstrafe.
Einem amerikanischen Reise-Vlogger drohen juristische Konsequenzen, nachdem er die Ureinwohner von North Sentinel Island gefährdet hat. – X/Wikimedia Commons
Das Wichtigste in Kürze
Mykhailo Viktorovych Polyakov muss sich in Indien vor Gericht verantworten.
Der Youtuber wollte Kontakt zu Sentinelesen herstellen und reiste zu der Insel.
Das Betreten des Sperrgebiets ist jedoch strengstens verboten.
Dieser Ausflug könnte ihm nun zum Verhängnis werden!
North Sentinel Island gehört zu den Orten, die bisher kaum jemand besucht hat. Das Betreten der isolierten Insel im Indischen Ozean ist für Aussenstehende streng verboten. Und dennoch hat ein Youtuber genau das getan.
Kokosnuss und Cola-Dose als Geschenk
Mykhailo Viktorovych Polyakov reiste vergangenes Jahr zu der geschützten Insel und hielt das Ganze auf Kamera fest. Seine Mission? Er wollte mit den Ureinwohnern Kontakt aufnehmen.
Luftaufnahme von North Sentinel Island. Sie ist 12 Kilometer lang und 10 Kilometer breit. – Wikimedia Commons
Dafür schipperte er mit einem Schlauchboot mehrere Stunden über den Indischen Ozean. Dort angekommen wurde er von der Stammesgemeinschaft allerdings ignoriert. Der Influencer versuchte daraufhin, mit einer Pfeife auf sich aufmerksam zu machen – ebenfalls ohne Erfolg.
Als «Geschenk» legte er am Strand schliesslich eine Kokosnuss und eine Dose Cola-Light nieder.
Sperrgebiet betreten – Youtuber festgenommen
Polyakov zog sich danach wieder aufs Meer zurück. Er blieb jedoch in der Nähe der Insel und versuchte weiterhin, die Aufmerksamkeit der Sentinelesen zu erregen. Als er später immer noch niemanden sah, kehrte er zurück ans Ufer.
Dort fiel er Fischern auf, welche die Polizei informierten. Die Beamten durchsuchten daraufhin das Boot des Youtubers und befragten ihn.
American “extreme travel” YouTuber Mykhailo Viktorovych Polyakov faces up to 5 years in jail after illegally entering North Sentinel Island, India and attempting contact with the isolated Sentinelese tribe even offering a Diet Coke. Bail rejected.
India’s law strictly bans entry… pic.twitter.com/pZKqfNWlOi
— India First Post (@ifpost47) April 18, 2026
Nachdem seine Reise zu der verbotenen Insel aufgeflogen war, wurde er festgenommen. Die Polizei nutzte Reisedaten und Videomaterial als Beweismittel.
Der Amerikaner muss sich in Indien nun vor Gericht verantworten, wie unter anderem die «Times of India» berichtet.
Ihm wird vorgeworfen, ein streng geschütztes Stammesgebiet ohne Erlaubnis betreten zu haben. Dafür könnte er fünf Jahre in den Knast wandern!
«Rücksichtslos und idiotisch»
Polyakov war bekannt für seine riskanten Reisen, und dafür, diese auf Kamera festzuhalten. Er postete regelmässig auf YouTube. Medienberichten zufolge wurde sein Kanal inzwischen gelöscht.
Sein nächster Gerichtstermin ist für den 29. April angesetzt.
Hältst du eine Haftstrafe in dem Fall für angemessen?
1Ja, seine Aktion war illegal und gefährlich.
2Nein, Gefängnis halte ich für übertrieben.
Caroline Pearce von Survival International, eine Organisation für die Rechte von Eingeborenen, bezeichnete Polyakovs Reise im vergangenen Jahr als «rücksichtslos und idiotisch».
Die Reise von Mykhailo Viktorovych Polyakov zur North Sentinel Island sorgt für Kritik. – X
Er habe damit nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das des gesamten Stammes gefährdet. «Es ist gut bekannt, dass unkontaktierte Völker keine Immunität gegen gängige Krankheiten haben. Selbst eine Grippe könnte sie vollständig ausrotten.»
Die Sentinelesen wollen keinen Kontakt zur Aussenwelt. Indien hat die Insel deshalb zum Sperrgebiet erklärt, seither ist der Besuch verboten. 2018 wurde der US-Missionar John Allen Chau getötet, als er das Urvolk bekehren wollte.