Berner Stadtrat hat entschieden | 23. April 2026

Das Parlament hat am Donnerstag das neue Friedhofreglement verabschiedet. Menschen können sich künftig mit ihrem Haustier bestatten lassen.

In Bern können sich Menschen künftig mit ihren Haustieren bestatten lassen.

In Bern können sich Menschen künftig mit ihren Haustieren bestatten lassen. Foto: Keystone

Hierfür will die Stadt spezielle Grabfelder «Mensch mit Tier» erstellen. Haustiere müssen in Urnen beigesetzt werden.

Unter den weiteren Neuerungen ist unter anderem, dass Menschen neu bis zum Alter von 18 Jahren in den Abteilungen Kindergräber beigesetzt werden können. Bislang betrug dieses Alter 14 Jahre.

Sämtliche geplanten Änderungen stiessen über die Parteigrenzen hinweg auf Anklang. Zu reden gab einzig ein Antrag der Fraktion von AL/PdA/TIF, dass Tiere nicht gezielt getötet werden dürfen, damit sie mit einem Menschen begraben werden können.

Der Rat war sich jedoch einig, dass das Friedhofreglement der falsche Ort wäre, um eine solche Bestimmung festzuhalten. Auch wären entsprechende Kontrollen, die die Verwaltung durchführen müsste, kaum umsetzbar, lautete der Tenor.

Überstimmt wurde der Gemeinderat bei den Zuständigkeiten: Über wesentliche Umgestaltungen und Aufhebungen von Friedhöfen will der Stadtrat künftig selber entscheiden. Der Gemeinderat hätte diese Kompetenz gerne bei sich gesehen.

Der Stadtrat nahm das totalrevidierte Friedhofreglement schliesslich einstimmig an und verzichtete darauf, das Geschäft in einer zweiten Lesung nochmals zu behandeln.

Totalrevision statt Anpassung

Das neue Reglement geht auf ein Postulat aus den Reihen der Grünliberalen zurück, das der Stadtrat im März 2021 überwiesen hatte. Darin forderte die GLP, dass sich Menschen mit ihren Haustieren bestatten lassen können.

Im Laufe des Projekts hat sich gemäss Gemeinderat gezeigt, dass die Friedhofgesetzgebung nicht mehr den heutigen Gegebenheiten und der geltenden Praxis entspricht und teilweise auf veralteten Rechtsgrundlagen basiert. Er entschied sich deshalb für eine Totalrevision.

Die gesellschaftlichen Bedürfnisse hätten sich stark verändert, so der Gemeinderat. 2024 lag der Anteil der traditionellen Erdbestattungen noch bei 16,3 Prozent. Es würden zunehmend andere Beisetzungsformen gewünscht.

Bei der Behandlung des Geschäfts hätten sich viele Fragen gestellt, die mit der Revision nun beantwortet seien, sagte der zuständige Gemeinderat Matthias Aebischer (SP) im Ratssaal. Oft seien die Diskussionen ins Philosophische abgedriftet. «Die Stadtberner Friedhöfe haben schweizweit einen Vorzeigecharakter», sagte er. Darauf sei er stolz.

Friedhöfe als Parkanlagen beliebt

Die Stadt Bern betreibt die drei Friedhöfe Bremgartenfriedhof, Schosshaldenfriedhof und Friedhof Bümpliz. Gemäss Website verwaltet sie insgesamt 13’000 Grabstätten. Die Friedhöfe sind auch als öffentliche Grünanlagen zur Naherholung beliebt.

1999 entstanden das Grabfeld für zu früh geborene Kinder und der Bereich für muslimische Grabstätten. 2018 eröffnete die Stadt das buddhistische Grabfeld, 2025 das alevitische Grabfeld auf dem Bremgartenfriedhof.

Wieder Videoüberwachung in Velostationen

Der Stadtrat hat am Donnerstag auch der Wiedereinführung von Videoüberwachung in den städtischen Velostationen zugestimmt. Der Abstimmung ging eine lange Debatte voraus.

Zu reden gab im Rat etwa, um welche Art von Raum es sich bei den Velostationen handelt. Sie seien kein öffentlicher Raum wie die Schützenmatte oder der Waisenhausplatz, sondern nur halböffentlich, befand Monique Iseli namens der SP/Juso-Fraktion. «Wer nicht überwacht werden will, kann die Stationen umgehen.»

Der Rat schaffe deshalb keinen Präzedenzfall für Überwachung im öffentlichen Raum, wenn er das Geschäft annehme, so Iseli. Dem pflichtete Tanja Miljanović von der GFL-Fraktion bei: «Es handelt sich um eine gezielte, punktuelle Einmalmassnahme.»

Dass der Wunsch nach Videoüberwachung von den Mitarbeitenden der Stationen stamme, verschaffe ihm Legitimation, sagte Georg Häsler (FDP). Kameras seien eine Hilfestellung und förderten die Attraktivität der Stationen.

Dem widersprach Raffael Joggi (AL/PdA/TIF): «Kameras wecken Begehrlichkeiten.» Seien sie einmal installiert, steige der Druck, dass die Überwachung ausgebaut werde. Auch die Fraktion GB/JA zeigte sich skeptisch. «Videoüberwachungen sind Eingriffe in die Privatsphäre der Gefilmten», sagte Lea Bill.

Nach politischem Geplänkel bei mehreren Anträgen stimmte der Rat dem Vorschlag des Gemeinderats schliesslich mit 44 zu 24 Stimmen zu. Die Fraktionen von GFL, GLP/EVP, Mitte, FDP und SVP stimmten geschlossen Ja. GB/JA und AL/PdA/TIF waren dagegen, die SP zeigte sich uneins.

Nach drei Jahren und Erscheinen des ersten Evaluationsberichts wird der Rat darüber befinden, ob die Videoüberwachung fortgeführt oder aufgehoben wird.

Aufgezeichnet wird nur nachts

Künftig wird in den Velostationen während der bedienten Öffnungszeiten gefilmt, aber nicht aufgezeichnet. Mitarbeitende können die Aufnahmen auf Bildschirmen einsehen. Aufzeichnungen werden lediglich ausserhalb der bedienten Öffnungszeiten gemacht. Sie werden lokal während maximal 30 Tagen gespeichert und anschliessend gelöscht.

Mit der Videoüberwachung soll das Sicherheitsgefühl in den Stationen steigen, zudem sollen Straftaten verhindert oder besser aufgeklärt werden können, so der Gemeinderat.

Die Stadt Bern betreibt fünf Velostationen beim Bahnhof. Bis 2023 gab es eine Videoüberwachung, dann wurden die Kameras wegen Datenschutzfragen ausgeschaltet. Seitdem setzt die Stadt stärker auf Personal, Sicherheitsdienste und Reinigung. Trotzdem gab es deutlich mehr Diebstähle, andere Delikte und Beschwerden.

Valentina Achermann und Tom Berger verabschiedet

Das Stadtparlament hat am Donnerstag gleich zwei bekannte Gesichter verabschiedet. Valentina Achermann (SP) und Tom Berger (FDP) nahmen ein letztes Mal Einsitz im Rat.

Achermann sass seit 2021 im Stadtrat, welchen sie 2024 präsidierte. Sie setzte sich unter anderem für die psychische Gesundheit, für Freiräume, für Menschen mit Migrationshintergrund sowie gegen sexualisierte und häusliche Gewalt ein.

Sie sei sehr gerne im Stadtrat gewesen, die Zeit habe sie politisch und persönlich geprägt, zitierte Ratspräsidentin Jelena Filipovic (GB) aus dem Rücktrittsschreiben Achermanns. Stadträtin zu sein sei ein grosses Privileg, das Amt verlange aber auch viel ab. Für viele sei es nur schwer mit der eigenen Lebensrealität vereinbar. «Wir müssen bei unseren Entscheidungen deshalb auch immer die Menschen im Blick haben, die nicht hier drin sitzen.»

Bei den Wahlen 2024 war Achermann die bestgewählte Stadträtin. Aus den Grossratswahlen im März 2026 ging die Psychotherapeutin als die über den gesamten Kanton hinweg bestgewählte Person hervor.

Dem Kantonsparlament gehört Achermann bereits seit vergangenem September an, als sie auf Nicola von Greyerz folgte. Im Stadtrat wird Achermann von Raphaela Tschümperlin beerbt.

Berger mag nach neun Jahren nicht mehr

Tom Berger wurde 2016 ins Berner Stadtparlament gewählt, das er 2025 präsidierte. Er machte sich unter anderem mit seinem Engagement zugunsten des Berner Nachtlebens einen Namen.

An seinen über 200 Abenden im Stadtrat habe er sehr erfüllende Momente erlebt, zitierte Filipovic aus dem Rücktrittsschreiben Bergers. Zuletzt hätten sich aber die Momente gehäuft, in denen er sich gefragt habe, weshalb er die Ratsarbeit noch mache. Deshalb sei es jetzt Zeit für den Rücktritt.

Nicht nur die politischen Mehrheiten seien einseitiger geworden, auch die Debattenkultur habe sich verändert, so Berger. «Zu oft wird gesprochen, ohne dass wirklich zugehört wird. Zu schnell wird das Gegenüber in eine Schublade gesteckt.» Das stimme ihn nachdenklich, Demokratie lebe schliesslich vom Austausch.

Bei den kantonalen Wahlen vom März belegte Berger den ersten Ersatzplatz auf der Liste der FDP Stadt Bern. In den Stadtrat rutscht für ihn der Ökonom Raphael Karlen nach.