Weniger Stau?BLT denkt Mobilität für Angestellte neu
Die Baselland Transport AG lanciert mit «Go! Business» eine Software, mit der Unternehmen ihren Mitarbeitenden flexibel gestaltbare Mobilitätslösungen anbieten können.
Mobilitätsbudget statt Parkplatzsuche: BLT will den Arbeitsweg neu denken.
Bild: Kenneth Nars
Der Arbeitsweg ist längst zum Faktor für einen attraktiven Arbeitsplatz geworden. Mit der zunehmend überlasteten Infrastruktur auf Strasse und Schiene und dem Rückgang an Parkplätzen gilt langes Pendeln für viele als Belastung. Mit der Software «Go! Business» will BLT die Mitarbeitendenmobilität reformieren. Was BLT-intern seit Anfang Jahr erfolgreich angelaufen ist, möchte CEO Frédéric Monard anderen Unternehmen schmackhaft machen. «Das Interesse an der Software ist gross – bei kleineren und grösseren Unternehmen», betonte der BLT-Chef am Rande des Smart Mobility Day gegenüber dieser Zeitung.
Die Idee hinter «Go! Business» tönt simpel: Die Unternehmen stellen den Mitarbeitenden ein Mobilitätsbudget zur Verfügung, das sie individuell für ihren Arbeitsweg einsetzen können. Welche Mobilitätsformen zur Verfügung stehen, entscheiden die Unternehmen selber. Bei der BLT gibt es die ganze Bandbreite: Generalabonnement, Halbtax, U-Abo, Pick-e-bike, Microlino-Fahrzeuge, Rabatte für Firmenparkplätze und sogar Beiträge für Reparaturen des eigenen Fahrrads. 600 Franken stellt die BLT ihren Mitarbeitenden pro Jahr zur Verfügung. Seit Einführung des Angebots habe die Anzahl Autos an den BLT-Standorten deutlich abgenommen, sagt Frédéric Monard. Das habe mit der Einführung von Parkgebühren zu tun, aber auch weil sich die Mitarbeitenden intensiver mit ihrer Mobilität und den zusätzlichen Möglichkeiten beschäftigt haben.
Mobilitätsbudgets statt Essensgutscheine
Die BLT hat die Software für «Go! Business» von einem Spinn-off der ETH Lausanne übernommen und in die eigene App «Basel Go!» integriert. Frédéric Monard ist überzeugt, dass sich damit auch bestehende Konzepte von Unternehmen für die Mitarbeitendenmobilität effektiv in die Praxis umsetzen lassen. «Wichtig dabei sind Fairness, Transparenz, Anreize und die Gleichbehandlung aller Mobilitätsformen», erklärt Monard. Der BLT-CEO glaubt, dass Budgets für die Mobilität als Lohnzusätze Gutscheine für das Mittagessen, das Fitnessstudio oder für Reka-Checks langfristig ablösen werden, da die Bedeutung eines bequemen Arbeitswegs zunehmen werde.
Wie wichtig der Arbeitsweg ist, zeigt sich am Beispiel der Straumann Group. Das Unternehmen zieht in wenigen Jahren vom Bahnhof Basel SBB nach Arlesheim um. Was in der Baselbieter Politik Jubelsprünge auslöste, sorgt bei den Angestellten für Sorgenfalten. Anstelle der direkten Anbindung an einen der grössten Bahnhöfe der Schweiz führt der Arbeitsweg künftig nach Arlesheim in der Agglomeration. Um die Verschlechterung des Arbeitswegs aufzufangen, arbeitet Straumann mit der BLT an einem Mobilitätskonzept. Unter anderem wird ausgewertet, wo die Mitarbeitenden wohnen und wie der ideale Arbeitsweg nach Arlesheim für sie aussehen könnte.
Für «Go! Business» investiert die BLT keine staatlichen Gelder, versichert Frédéric Monard. «Das ist ein marktwirtschaftliches Projekt. Wir möchten damit Geld verdienen.» Der BLT-CEO sieht Unternehmen als Schlüssel für die dringend notwendige Mobilitätswende. Dafür müssten auch die Mobilitätsanbieter über die eigenen Angebote hinaus denken.
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