23. April 2026
Marcel Kunzmann

Künstlerische Darstellung von GPS-Satelliten: Das OCX-Programm wird eingestellt
(Bild: Elliptic Studio/Shutterstock.com)
16 Jahre, 6,27 Milliarden Dollar – und am Ende nichts. Das Pentagon hat das GPS-Modernisierungsprogramm OCX gestoppt. Wie geht es jetzt weiter für das System?
Das US-Kriegsministerium hat am 17. April 2026 das Programm für das sogenannte «Next-Generation Operational Control System» (OCX) für das GPS-Satellitennetz offiziell eingestellt.
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Die Entscheidung traf Michael Duffey, der zuständige Beschaffungsverantwortliche des Pentagon, auf Empfehlung des amtierenden Beschaffungsverantwortlichen der Teilstreitkraft. Die US Space Force gab die Entscheidung am 21. April öffentlich bekannt.
Das OCX-Programm war seit 2010 in Entwicklung. Damals vergab das Pentagon den Auftrag an den Rüstungskonzern Raytheon – heute RTX Corporation – mit einem geplanten Abschluss im Jahr 2016 und einem veranschlagten Budget von 3,7 Milliarden US-Dollar.
Tatsächlich kostete das Programm bis Januar 2026 rund 6,27 Milliarden Dollar. Die Prognosen für eine vollständige Fertigstellung lagen zuletzt bei fast 8 Milliarden – annähernd so viel wie eine gesamte Flotte von rund 30 neuen GPS-Satelliten. Das Programm war zehn Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan.
Systemprobleme erwiesen sich als nicht lösbar
OCX sollte das bestehende Bodensteuerungssystem für die GPS-Satellitenkonstellation ersetzen und insbesondere die neueren GPS-III-Satelliten steuern, die seit 2018 ins All gebracht werden.
Diese Satelliten sind störungsresistenter und präziser als ihre Vorgänger, verfügen unter anderem über sogenannte «M-Code»-Signale – militärisch verschlüsselte Übertragungen, die schwerer zu stören oder zu manipulieren sind. Ohne OCX konnte die Space Force diese verbesserten Fähigkeiten der neun bereits im Orbit befindlichen GPS-III-Satelliten nie vollständig nutzen.
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Im Juli 2025 hatte die US-Space Force das System nach mehrjährigen Werkstests vertragsgemäß von Raytheon übernommen und mit umfangreichen Integrationstests begonnen. Dabei sollten verbleibende Mängel aus den Werkstests behoben und die Funktionsfähigkeit im Verbund mit den übrigen GPS-Systemen – Satelliten, Bodenstationen und Nutzergeräten – sichergestellt werden. Die Tests offenbarten jedoch weitreichende Probleme.
«Leider traten während der Integrationstests von OCX mit dem breiteren GPS-System umfangreiche Systemprobleme auf», erklärte Colonel Stephen Hobbs, Kommandeur von Mission Delta 31, der Einheit der Space Force, die die GPS-Konstellation betreibt. «
Trotz wiederholter gemeinsamer Bemühungen des gesamten Regierungs- und Auftragnehmerteams erwiesen sich die Herausforderungen bei der Inbetriebnahme des Systems in einem operativ relevanten Zeitrahmen als unüberwindbar. Wir entdeckten Probleme in einem breiten Spektrum von Fähigkeitsbereichen, die aktuelle militärische und zivile GPS-Fähigkeiten gefährdet hätten», so Hobbs.
Ein RTX-Sprecher erklärte dazu: «Raytheon hat das System 2025 übergeben und unterstützte die US Space Force weiterhin bei den Aktivitäten nach der Übergabe. Wir bleiben unseren Kunden verpflichtet und werden eng mit der Regierung an den nächsten Schritten arbeiten.»
Altes System wird weiter ausgebaut
Statt weiter in OCX zu investieren, will die Space Force das bestehende Bodensteuerungssystem, den sogenannten «Architecture Evolution Plan» (AEP), weiter modernisieren. In den vergangenen zehn Jahren hatte die Space Force AEP bereits schrittweise verbessert – unter anderem, um erste Fähigkeiten der GPS-III-Satelliten nutzbar zu machen, die ursprünglich OCX erfordert hätten.
Lockheed Martin, der Hersteller der GPS-III- und der geplanten GPS-IIIF-Satelliten, hatte zudem mit seinem «GPS III COps»-Programm weitere Upgrades in die bestehende Architektur integriert, um den Nutzern Zugang zu den verschlüsselten M-Code-Signalen zu ermöglichen.
«Letztlich haben wir die verbleibenden Arbeiten an OCX analysiert und mit den aktuellen Fähigkeiten des bestehenden GPS-Steuerungssystems verglichen. Die Analyse ergab, dass weitere Investitionen in OCX nicht mehr die beste Lösung zum Schutz und zur Weiterentwicklung der GPS-Fähigkeiten sind. Stattdessen werden wir das bestehende Steuerungssystem weiter verbessern», sagte Hobbs.
Anfang April hatte die Space Force Lockheed Martin bereits einen Vertrag über 105 Millionen US-Dollar für Upgrades am AEP erteilt, um die Inbetriebnahme der kommenden GPS-IIIF-Satelliten zu unterstützen.
Der erste von 22 geplanten GPS-IIIF-Satelliten soll im kommenden Jahr ausgeliefert werden. Beobachter werten den Lockheed-Auftrag als Hinweis darauf, dass das Unternehmen bei der künftigen Entwicklung des Bodensteuerungssystems die Nase vorn hat.
Politischer Druck auf Rüstungskonzerne wächst
Die Einstellung des OCX-Programms geht mit steigendem Druck des US-Kriegsministeriums auf Rüstungsunternehmen einher, um Kosten- und Zeitpläne einzuhalten – es sei an dieser Stelle nur an das F-35-Programm erinnert.
US-Präsident Donald Trump hatte RTX im Januar in einem Beitrag auf Truth Social namentlich erwähnt und die Leistung des Konzerns bei wichtigen Rüstungsprogrammen kritisiert.
Tom Ainsworth, amtierender Beschaffungsverantwortlicher der Teilstreitkraft, betonte: «Es ist wichtig, dass wir Beschaffungsprozesse überarbeiten und aktualisieren, um eine schnelle, schrittweise Bereitstellung von Fähigkeiten gegenüber komplexen ‚Alles-oder-nichts‘-Systemlieferungen zu priorisieren. Das Kriegsministerium hat klar gemacht, dass wir Kampffähigkeiten schneller liefern müssen.»
Das OCX-Programm war bereits 2016 fast eingestellt worden, nachdem Kosten- und Zeitplanziele deutlich überschritten worden waren. Damals entschied das Pentagon nach einer Neustrukturierung des Programms, weiterzumachen. Der Rechnungshof der USA, das Government Accountability Office, machte seinerzeit «schlechte Beschaffungsentscheidungen» und eine «anhaltend hohe Fehlerrate bei der Softwareentwicklung» für die Probleme verantwortlich. Wie sich nun zeigt, reichten die damaligen Korrekturen nicht aus.
Offen bleibt, wie es mit dem Teilprogramm OCX 3F weitergeht, für das RTX noch unter Vertrag steht. Berichte des obersten Waffenprüfers des Pentagon hatten bereits Bedenken geäußert, dass Verzögerungen bei OCX auf das Folgeprogramm durchschlagen könnten.