Kaffeekonzerne wie Tchibo und internationale Rohstoffhändler müssen zur Einhaltung neuer EU-Vorgaben künftig Satellitentechnologie einsetzen, um ihre Lieferketten zu überwachen. Das bestätigten beteiligte Unternehmen im Zusammenhang mit der Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), berichtet das Portal Apollo News.
Die Verordnung verpflichtet Hersteller und Importeure, nachzuweisen, dass Kaffee nicht auf Flächen angebaut wurde, die nach 2020 gerodet wurden. Bei Verstössen drohen einschneidende Sanktionen, darunter Warenbeschlagnahmungen und Geldbussen von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes.

Neue EU-Vorgabe fordert: Kaffeekonzerne müssen künftig Satellitentechnologie einsetzen
Um diese Anforderungen zu erfüllen, haben mehrere Unternehmen – darunter der niederländische Konzern JDE Peet’s sowie Händler wie die Neumann Kaffee Gruppe – die Initiative «Coffee Canopy Partnership» gestartet. Diese nutzt Satellitendaten des Luftfahrtkonzerns Airbus sowie Modelle der künstlichen Intelligenz, um Kaffeeanbaugebiete weltweit zu kartieren und Veränderungen von Waldflächen zu überwachen.
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Das Projekt startet in Ostafrika, unter anderem in Äthiopien, Kenia und Uganda, und soll bis 2027 global ausgeweitet werden. Ziel ist eine durchgehende Rückverfolgbarkeit der Produktion. Die Plattform soll laut Unternehmen auch für Behörden und Landwirte zugänglich sein.
Branchenvertreter warnen jedoch vor erheblichen Folgen. So könnten Millionen Kleinbauern vom Markt ausgeschlossen werden, weil bestehende Kartierungen Anbauflächen fälschlicherweise als Wald ausweisen. Zudem ist unklar, wie hoch die Kosten für den Aufbau und Betrieb der Satellitenüberwachung ausfallen werden; erwartet werden jährliche Aufwendungen in Millionenhöhe.
Die EUDR betrifft neben Kaffee auch andere Rohstoffe wie Kakao, Palmöl oder Soja. Zusätzlich zum Entwaldungsnachweis verlangt die EU eine umfassende Dokumentation der Einhaltung von Umwelt-, Arbeits- und Steuerstandards in den Herkunftsländern.