Hat der FC Aarau in Wil den Direktaufstieg verspielt? Fakt ist: Das 2:2 raubt dem Team von Brunello Iacopetta die Chance, aus eigener Kraft Rang 1 und somit die Rückkehr in die Super League ohne Barrage-Umweg zu schaffen. Ein Sieg im Direktduell am 11. Mai gegen Tabellenführer Vaduz reicht nicht mehr: Um die Saison nach 36 Spieltagen auf dem Thron abzuschliessen, ist Aarau in den verbleibenden vier Spielen auf einen zusätzlichen Punktverlust der Liechtensteiner angewiesen. Und muss seinerseits wohl alle Spiele gewinnen.
Von den rund 500 in die Ostschweiz gereisten Aarau-Fans gab es nach dem Schlusspfiff aufmunternde Worte mit auf den Heimweg, die Gesichter der Spieler waren beim Gang in die Kabine trotzdem getrübt. Logisch: Nicht nur das Resultat, auch die Leistung war nicht gut genug für die eigenen Ansprüche. Und das von Anfang an.
TelegrammFC Wil – FC Aarau 2:2 (2:1)
Lidl Arena. – 1’932 Zuschauer. – SR: Sanli. – Tore: 1. N’djoli 1:0. 20. Filet (Fazliu) 1:1. 45. N’djoli 2:1. 48. Obexer 2:2.
Wil: Muslija; Saho, Nwannah, Schmid, Schreiber; Jacovic (74. Kaiba), Ndau (87. Hajij); Staubli (84. Bunjaku), Dalipi, Breedijk (74. Rapp); N’djoli (74. Diarra).
Aarau: Hübel; Müller, Acquah, Thaler; Dickenmann, Zoukit, Derbaci (55. Frokaj), Obexer (71. Petit-Viretti); Fazliu (86. I. Aliu); Afriyie (55. Vladi), Filet (71. Koide).
Bemerkungen: Wil ohne Ato-Zandanga, Bohon Diet, Bytyqi und Selmonaj (alle verletzt), X. Aliu und Rutz (beide nicht im Aufgebot). Aarau ohne Chacon, Cissé, Schwegler, Senyurt, Vogt und Zalokar (alle nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 61. Ndau, 96. Dalipi (beide Foulspiel).
Horrorstart für den FC Aarau
Die Matchuhr lief erst 27 Sekunden, da lagen die Gäste schon in Rückstand. Beim ersten Angriff der Wiler verlor David Acquah im Zentrum das entscheidende Kopfballduell, worauf N’Djoli mühelos zum 1:0 abstauben konnte. Ein Horrorstart, den die Aarauer erst einmal abschütteln mussten. Zwar blitzte die spielerische Überlegenheit immer wieder auf, punkto Körpersprache, Offensivdrang und Chancenerarbeitung war das indes viel zu wenig.
Symptomatisch fiel der Ausgleich nach 20 Minuten nach einem Eckball: Elias Filet erwischte die Flanke von Valon Fazliu vor dem gegnerischen Goalie und markierte per Kopf sein bereits 17. Saisontor in der Liga.
Wer dachte, der Ausgleich löst beim Iacopetta-Team endlich die Fesseln, sah sich getäuscht. Die andauernde Aarauer Passivität war eine Einladung an die Wiler, sich ihrerseits vom Gegentor zu erholen und den Druck aufs Aarau-Tor vor der Pause zu erhöhen. Was sich abzeichnete, war in der 45. Minute Tatsache: Wieder stand Acquah nicht bei N’djoli, wieder traf der grossgewachsene Stürmer unbehelligt zum 2:1.
Wil ist nach der Pause näher am Sieg als der FC Aarau
Der biedere FCA-Auftritt in der ersten Halbzeit erinnerte ans Heimspiel am letzten Mittwoch gegen Lausanne-Ouchy. Damals gelang nach dem Seitenwechsel eine deutliche Leistungssteigerung, an deren Ende ein souveräner 3:0-Sieg stand. Als drei Tage später Linus Obexer in der 48. Minute nach einem Energieanfall das 2:2 erzielte, schienen sich die Ereignisse zu wiederholen. Aarau endlich wach, oder?
Denkste! Was danach folgte, war in allen Punkten zu wenig. Bezeichnend, dass Wil-Goalie Muslija erst in der Nachspielzeit wieder ernsthaft gefordert wurde. Sein Gegenüber Marvin Hübel musste in der 82. Minute sein ganzes Können auspacken, um mit einer spektakulären Flugparade das 2:3 zu verhindern und seinem Team immerhin den einen Punkt zu retten. Was dem FCA zu denken geben muss: Der achtplatzierte FC Wil war gemessen an der Gefährlichkeit in der zweiten Halbzeit näher am Sieg.
FC Aarau in der finalen Phase auf Schlingerkurs
Von den vergangenen vier Spielen hat der FC Aarau lediglich eines gewonnen. Den Nachweis, die Lehren aus der vergangenen Saison gezogen zu haben und im letzten Saisonviertel unter Druck das Leistungsmaximum abrufen zu können, sind Mannschaft und Trainer bislang schuldig geblieben. Es bleiben noch vier Spieltage, diesen Eindruck zu korrigieren.
Aber eben: Um das angestrebte Ziel Rang 1 noch zu erreichen, ist man ab sofort auf fremde Hilfe angewiesen. Vaduz-Sportchef Franz Burgmeier, der sich am Tag nach dem 3:1 seiner Liechtensteiner in Nyon das FCA-Spiel in Wil mit seinem Sohn auf der Tribüne anschaute, dürfte die neuste Entwicklung im Aufstiegsrennen wohlwollend zur Kenntnis genommen haben.