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Berlin – Jahrzehnte lang begeisterte er mit seinen Filmen die Welt und wurde gefeiert, dann setzte ihn Hollywood aufgrund von Belästigungsvorwürfen zahlreicher Männer vor die Tür. Klar, dass Kevin Spacey (66) zurück ins Rampenlicht will, immerhin wurde er in seinen bisherigen Verfahren von allen Anklagepunkten frei gesprochen. Doch wählt er den richtigen Weg dafür?
Er war einer der berühmtesten und erfolgreichsten Schauspieler der Welt. Bis Kevin Spacey die vermeintliche Vergangenheit einholte. Seit ihm ab 2017 von zahlreichen Männern sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde, brach die Karriere des zweifachen Oscar-Preisträgers quasi vollständig ein. Zwei Prozesse in New York und London entlasteten ihn zwar juristisch, ruinierten ihn aber finanziell. Und im Oktober 2026 droht ihm ein neuer Prozess in London.

Seine letzte große Rolle vor dem Absturz: Spacey als korrupter Politiker (und späterer US-Präsident) neben Robin Wright (59) in der Netflix-Serie „House of Cards“
Foto: imago images/Everett Collection
Spacey spielt Hauptrolle und führt Regie
Nun ist der einstige Multimillionär auf Geldgeber angewiesen, erst recht, wenn es um die Finanzierung seiner Filme geht. Seinen neuesten stellte er jetzt in Berlin vor: „Holiguards Saga: The Portal of Force“. Der Auftakt einer Sci-Fi-Trilogie. Spacey spielt die Hauptrolle und führt Regie. Die Handlung? Spielt in einer gespaltenen Zukunft, in der zwei rivalisierende Gruppen von Fabelwesen um die Menschheit kämpfen.

Gute Laune am Set in Mexiko: Spacey (2.v.r.) mit Produzentin Elvira Paterson und den Film-Mitarbeitern Alejandro Laviada (l.) und Oliver Kaderbhai
Foto: Elledgy Media Group
Im Film an Spaceys Seite: Dolph Lundgren (68). Der feierte einst große Hollywood-Erfolge, u.a. in Actionfilmen „Master of the Universe“ oder „Universal Soldier“ von Roland Emmerich (70). In der Vergangenheit fiel er aber auch durch Äußerungen über Wladimir Putin auf. Dieser sei laut Lundgren „ziemlich fähig“ und ein „Segen“ für Russland. „Mit einem schwachen Anführer wüsste niemand, wie sich alles für das Land entwickeln würde.“
Der Film hat noch kein Startdatum, sorgt jedoch schon für Aufregung. Produziert wurde der Streifen nämlich von Elvira Paterson (37). Die lebt seit einigen Jahren in Portugal, stammt aber eigentlich aus der Ukraine und hieß früher Gavrilova mit Nachnamen.

Elvira Paterson machte in Berlin Werbung für ihren Film „Holiguards Saga: The Portal of Force“. Ob oder wann der Film im Kino gezeigt wird, ist unklar. Auf eine BILD-Anfrage zu den Ermittlungen gegen sie in Portugal reagierte Paterson bislang nicht
Foto: BrauerPhotos / J.Harrell
Spaceys Produzent in USA wegen Betrugs angeklagt
Woher die Unternehmerin ihr Geld hat? Mit ihrer Elledgy Media Group produzierte sie neben Spaceys Film (Budget: 10 Millionen US-Dollar) weltweit Events, auf denen für Start-ups eines gewissen Vladimir Okhotnikov geworben wurde. Vladimir, auch bekannt als Lando, gilt offiziell als Drehbuchautor des Films und spielt ebenfalls mit. Eigentlich handelt er aber mit Krypto-Währungen – und ist in den USA wegen schweren Betrugs angeklagt.
Das US-Justizministerium wirft Okhotnikov und drei weiteren Personen vor, „an einem globalen Schneeballsystem beteiligt gewesen zu sein“, mit dem sie Tausende Anleger um insgesamt 340 Millionen US-Dollar betrogen haben sollen. Dem russischen Unternehmer droht eine Höchststrafe von 20 Jahren Haft. In Georgien gibt’s bereits ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2024 gegen ihn: 10 Jahre Haft wegen ähnlicher Vorwürfe. Okhotnikov floh in die Vereinigten Arabischen Emirate – und führt seine Geschäfte seither aus Dubai weiter. Kevin Spacey reiste extra dorthin, damit Okhotnikov auch für den Film drehen konnte.

Vladimir Okhotnikov ist ein russischer Krypto-Unternehmer. Die USA werfen ihm die Beteiligung an einem „weltweiten Schneeballsystem“ vor.
Foto: lado-film.com
Okhotnikov bestreitet sämtliche Vorwürfe, nun wird aber auch gegen Elvira Paterson, die Fim- und Eventproduzentin, ermittelt. Seit portugiesische Behörden ungewöhnliche Bewegungen auf Patersons Konten beobachteten, darunter eine Bar-Einzahlung von 312.000 US-Dollar, untersuchen sie den Verdacht der Geldwäsche. Die für den 20. Dezember in Lissabon geplante Weltpremiere von „Holiguards Saga“ wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Paterson abgesagt.
Jetzt fand sie ausgerechnet während der Berlinale, in der edlen Astor Film Lounge, statt. Voller Kinosaal, strahlendes Filmteam. Der glamouröse Rahmen täuscht. Mit dem renommierten Filmfestival hat Spaceys Film nichts zu tun. Die Produktionsfirma nutzte einfach den Berlinale-Zeitraum und mietete sich ein Kino, das gerade frei war.

Kevin Spacey im Gespräch mit BILD-Reporter Tobias Render am Montagabend im Berliner Nobelhotel Adlon
Foto: Agency People Image
Anschließend ging’s zum Dinner bei der „Cinema for Peace“-Gala im Adlon, dort traf Spacey auch auf BILD. Von den Dreharbeiten erzählte er begeistert, stellte auch seine Produzentin vor. Über die zwielichtigen Hintergründe verlor er kein Wort. Spacey will zurück auf die Weltbühne – der Preis dafür ist ihm offenbar egal.