{"id":100079,"date":"2026-04-27T10:23:13","date_gmt":"2026-04-27T10:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/100079\/"},"modified":"2026-04-27T10:23:13","modified_gmt":"2026-04-27T10:23:13","slug":"laser-widerspricht-lehrbuch-wie-sich-licht-selbst-fokussiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/100079\/","title":{"rendered":"Laser widerspricht Lehrbuch? Wie sich Licht selbst fokussiert"},"content":{"rendered":"<p>MIT-Forschende zeigen: Laserlicht kann sich selbst b\u00fcndeln. Neue Methode liefert 3D-Bilder bis zu 25x schneller.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/MIT-Pencil-Beam-01-press-scaled-e1777282816724-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Diese schematische Darstellung zeigt den Entstehungsmechanismus des Stiftstrahls\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Unter den richtigen Bedingungen kann sich ein chaotisches Durcheinander aus Laserlicht spontan zu einem hochkonzentrierten \u201eStiftstrahl\u201c selbst organisieren. Diese schematische Darstellung zeigt den Entstehungsmechanismus des Stiftstrahls. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: <a href=\"https:\/\/www.eurekalert.org\/multimedia\/1127350\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">MIT<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/deed.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Creative Commons BY-ND 4.0<\/a><\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/aab4e733798d4af7ad996275e3372faf.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>In Multimode-Glasfasern zeigt sich normalerweise ein klares physikalisches Verhalten: Steigt die Leistung, wird der Lichtstrahl instabil. Die vielen m\u00f6glichen Ausbreitungswege (Moden) \u00fcberlagern sich, kleine Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten im Material verst\u00e4rken diesen Effekt. Das Ergebnis am Ende der Faser ist ein diffuses, schwer kontrollierbares Lichtmuster. Forschende des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben dieses Verhalten nun unter eng definierten Bedingungen umgekehrt. Statt weiter zu zerfallen, b\u00fcndelt sich das Licht bei extrem hoher Leistung pl\u00f6tzlich selbst.<\/p>\n<p>Das Team berichtet in der Fachzeitschrift Nature Methods von einem stark fokussierten \u201eStiftstrahl\u201c (Pencil Beam), der ohne zus\u00e4tzliche formgebende Optik entsteht. F\u00fcr die optische Bildgebung ist das interessant, weil sich damit die Aufnahmegeschwindigkeit und die Detailgenauigkeit gleichzeitig verbessern lassen.<\/p>\n<p>Ein Effekt am Limit des Materials<\/p>\n<p>Die Entdeckung war kein Ergebnis eines gezielten theoretischen Designs, sondern basierte auf einer Grenzbetrachtung im Labor. Die Forschenden erh\u00f6hten die Leistung in einer Multimode-Faser bewusst bis nahe an die thermische Belastungsgrenze des Glases. \u00dcblicherweise vermeiden Ingenieurinnen und Ingenieure genau diesen Bereich, um dauerhafte Sch\u00e4den an der Faser zu verhindern.<\/p>\n<p>In diesem kritischen Bereich trat jedoch ein unerwarteter Effekt auf: Der zuvor breit gestreute Strahl kollabierte zu einem schmalen, stabilen Lichtkanal. Sixian You, Assistenzprofessorin am MIT, beschreibt die Beobachtung so:<\/p>\n<p>\u201eIn der Fachwelt herrscht die allgemeine \u00dcberzeugung, dass das Licht unweigerlich chaotisch wird, wenn man die Leistung bei dieser Art von Laser erh\u00f6ht. Wir haben jedoch bewiesen, dass dies nicht der Fall ist.\u201c Der entscheidende Punkt dabei: Das System stabilisiert sich nicht trotz der Unordnung im Material, sondern durch sie \u2013 in Kombination mit sogenannten nichtlinearen Effekten.<\/p>\n<p>Wann sich Licht selbst organisiert<\/p>\n<p>Der Effekt l\u00e4sst sich nur reproduzieren, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erf\u00fcllt sind:<\/p>\n<p>Exakte Ausrichtung: Der Laser muss in einem Winkel von exakt null Grad, also pr\u00e4zise entlang der Faserachse, eingekoppelt werden. Das ist eine deutlich strengere Anforderung als im Standardbetrieb solcher Fasern.<br \/>\nHohe Intensit\u00e4t: Die Leistung muss so hoch sein, dass das Licht direkt mit dem Glas der Faser wechselwirkt.<\/p>\n<p>Honghao Cao, Erstautor der Studie, erkl\u00e4rt den Mechanismus: \u201eBei dieser kritischen Leistung kann die Nichtlinearit\u00e4t der inh\u00e4renten Unordnung entgegenwirken und ein Gleichgewicht schaffen, das den Eingangsstrahl in einen selbstorganisierten Stiftstrahl umwandelt.\u201c<\/p>\n<p>Physikalisch bedeutet das, dass sich die Streuung und eine selbstfokussierende Wirkung des Materials gegenseitig kompensieren. Das System kippt in einen stabilen Zustand, bei dem der Strahl schmal bleibt, statt in die Breite zu gehen.<\/p>\n<p>Was den Strahl von klassischen Lasern unterscheidet<\/p>\n<p>Der so erzeugte Strahl zeigt Eigenschaften, die f\u00fcr technische Anwendungen unmittelbar relevant sind. Er bietet eine starke B\u00fcndelung \u00fcber l\u00e4ngere Strecken und weist kaum \u201eNebenkeulen\u201c auf \u2013 das sind st\u00f6rende Lichth\u00f6fe, die bei anderen Verfahren oft das Bild verzerren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend konventionelle Ans\u00e4tze solche Strahlprofile meist nur durch komplexe externe Linsensysteme oder eine aufwendige digitale Nachbearbeitung erreichen, entsteht die Form hier passiv direkt im Fasersystem. Das vereinfacht den optischen Aufbau erheblich.<\/p>\n<p>Testfall: Medikamententransport im Gehirn<\/p>\n<p>Um den praktischen Nutzen zu pr\u00fcfen, setzte das Team den Strahl in einem biologischen Modell der menschlichen Blut-Hirn-Schranke ein. Diese Zellschicht sch\u00fctzt das Gehirn, erschwert aber gleichzeitig die Entwicklung von Medikamenten, da viele Wirkstoffe die Barriere nicht passieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die pharmazeutische Forschung ist es wichtig, in Echtzeit zu verfolgen:<\/p>\n<p>Wann ein Wirkstoff die Schranke erreicht.<br \/>\nWelche Zelltypen ihn aufnehmen.<br \/>\nMit welcher Geschwindigkeit dieser Prozess abl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Bisherige optische Verfahren liefern hier oft nur zweidimensionale Schnitte. Um ein 3D-Bild zu erhalten, m\u00fcssen viele Aufnahmen zeitaufwendig kombiniert werden. Mit dem selbstorganisierten Strahl gelang dem Team eine 3D-Bildgebung, die etwa 25-mal schneller lief als bei aktuellen Standardverfahren \u2013 bei vergleichbarer Bildsch\u00e4rfe.<\/p>\n<p>Ein Durchbruch f\u00fcr markierungsfreie Bildgebung<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Unterschied zu etablierten Methoden ist der Verzicht auf fluoreszierende Marker. Oft m\u00fcssen Proben chemisch markiert werden, um unter dem Mikroskop sichtbar zu werden. Die neue Methode kommt ohne diese Eingriffe aus. Roger Kamm, Professor am MIT, ordnet das ein:<\/p>\n<p>\u201eDass diese neue Methode keine fluoreszierende Markierung der Zellen erfordert, ist ein Durchbruch. Zum ersten Mal k\u00f6nnen wir nun den zeitabh\u00e4ngigen Eintritt von Medikamenten in das Gehirn visualisieren.\u201c<\/p>\n<p>Zudem l\u00f6st der Strahl ein klassisches Problem der Mikroskopie: Den Zielkonflikt zwischen Aufl\u00f6sung und Sch\u00e4rfentiefe. Normalerweise verliert man Details, wenn man tiefer in ein Gewebe blickt. Der \u201eBleistiftstrahl\u201c bleibt jedoch \u00fcber eine gr\u00f6\u00dfere Strecke fokussiert und erlaubt somit eine hohe Detailgenauigkeit bei gleichzeitig gro\u00dfer Eindringtiefe.<\/p>\n<p>Ausblick: Vom Labor in die Anwendung<\/p>\n<p>Die Forschenden sehen das Potenzial nicht allein in der Neurologie. Der Ansatz l\u00e4sst sich auf verschiedene k\u00fcnstliche Gewebemodelle und biotechnologische Testsysteme \u00fcbertragen. Sarah Spitz aus dem Forschungsteam betont:<\/p>\n<p>\u201eWichtig ist jedoch, dass dieser Ansatz nicht auf die Blut-Hirn-Schranke beschr\u00e4nkt ist, sondern die zeitaufgel\u00f6ste Verfolgung verschiedener Verbindungen und molekularer Ziele in k\u00fcnstlichen Gewebemodellen erm\u00f6glicht.\u201c<\/p>\n<p>Trotz der Ergebnisse bleiben technische H\u00fcrden. Der Betrieb an der Materialgrenze der Glasfaser ist anspruchsvoll und erfordert eine pr\u00e4zise Kontrolle. In weiteren Schritten will das Team die physikalischen Mechanismen noch genauer untersuchen und die Technologie f\u00fcr eine kommerzielle Nutzung vorbereiten. Ziel ist es, die hochaufl\u00f6sende 3D-Bildgebung f\u00fcr Labore einfacher und schneller zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/news.mit.edu\/2026\/self-organizing-pencil-beam-laser-could-help-scientists-design-brain-targeted-therapies-0427\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier geht es zur Originalmeldung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"MIT-Forschende zeigen: Laserlicht kann sich selbst b\u00fcndeln. Neue Methode liefert 3D-Bilder bis zu 25x schneller. 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