{"id":101334,"date":"2026-04-28T08:31:09","date_gmt":"2026-04-28T08:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/101334\/"},"modified":"2026-04-28T08:31:09","modified_gmt":"2026-04-28T08:31:09","slug":"die-pest-in-basel-warum-es-jugendliche-am-haertesten-traf-basel-region","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/101334\/","title":{"rendered":"Die Pest in Basel: Warum es Jugendliche am h\u00e4rtesten traf &#8211; Basel &#038; Region"},"content":{"rendered":"<p> Das Durchschnittsalter der Grabgruppe betrug gerade einmal 17,7 Jahre, wie die Universit\u00e4t <a href=\"https:\/\/www.verlagshaus-jaumann.de\/thema\/Basel\" title=\"Basel\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Basel<\/a> dieser Tage mitteilte. \u201eDie Datierung dieser Gr\u00e4ber bietet eine seltene Gelegenheit, die Auswirkungen der Pest auf reale Menschen in einer fr\u00fchneuzeitlichen Stadt wissenschaftlich zu untersuchen\u201c, betont die Arch\u00e4oanthropologin Laura Rindlisbacher. Als Teil ihrer Dissertation werteten sie und ihre Kollegen insgesamt 154 Bestattungen aus dem Friedhof des Almosens in Basel aus. <\/p>\n<p>Nach der Reformation war das Barf\u00fc\u00dfer-Kloster im 16. Jahrhundert in eine Anstalt f\u00fcr Bed\u00fcrftige und Randst\u00e4ndige umgewandelt worden. Der ehemalige Kreuzgarten wurde als Bestattungsplatz benutzt. Teilweise lagen die Toten so dicht \u00fcber- und nebeneinander, dass die Arch\u00e4ologen bereits w\u00e4hrend der Ausgrabung katastrophale Seuchenereignisse vermuteten.<\/p>\n<p>Lebensgeschichten im Knochen gespeichert <\/p>\n<p>Die 154 Individuen wurden in den vergangenen Jahren am Fachbereich Integrative Pr\u00e4historische und Naturwissenschaftliche Arch\u00e4ologie der Universit\u00e4t Basel untersucht, wie es weiter hei\u00dft. Der Arch\u00e4ogenetiker Ben Krause-Kyora von der Universit\u00e4t Kiel konnte bei f\u00fcnf Bestattungen den Pesterreger Yersinia pestis nachweisen. Radiokarbondatierungen der ETH-Z\u00fcrich lie\u00dfen die Bestattungsgruppen unterschiedlichen Pestwellen zuordnen, die im 17. Jahrhundert \u00fcber Basel hinwegfegten und Tausende das Leben kostete. <\/p>\n<p>Die Altersbestimmungen legen nahe, dass Jugendliche am schwersten betroffen waren. Das Durchschnittsalter in der Grabgruppe der letzten Pestwelle betrug 17,7 Jahre. Der Schwerpunkt der Studie von Rindlisbacher lag auf Beobachtungen von Anzeichen k\u00f6rperlicher Arbeit sowie auf dem Gesundheitszustand der Toten. Knochen und Z\u00e4hne dienten ihr als Schl\u00fcssel zu den Lebensgeschichten der Verstorbenen, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p>Mangelern\u00e4hrung und chronische Krankheiten <\/p>\n<p> Minuzi\u00f6s untersuchte sie Verformungen, die durch Mangelern\u00e4hrung, chronische oder schwere Krankheiten, aber auch durch hohe Arbeitsbelastungen am Skelett entstehen. Dass in einem Almosenfriedhof \u00fcberwiegend Arme und Hilfsbed\u00fcrftige bestattet sind, erkl\u00e4rt die hohe Arbeitsbelastung, die Rindlisbacher bei vielen nachweisen konnte. Oft musste schon in der Kindheit hart gearbeitet werden.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.eb492a8b-50c5-402c-9873-f1770ac56ecf.original1024.media.jpeg\"\/>     Im Basler Stadtcasino wurden die Wissenschaftler f\u00fcndig.    Foto: Michael Werndorff    Ungleichheit herrschte bis in den Tod <\/p>\n<p>Aus historischen Quellen sei jedoch zudem bekannt, erkl\u00e4rt Rindlisbacher, dass man w\u00e4hrend der letzten Pestwelle Ma\u00dfnahmen verordnet hatte wie das Verbot, den Markt zu besuchen und \u00e4hnliches. <\/p>\n<p>\u201ePersonen ohne soziales Netzwerk oder aus der Unterschicht konnten sich diese Ma\u00dfnahmen schlichtweg nicht leisten\u201c, gibt Rindlisbacher zu bedenken. Sie wohnten in beengten, heute unvorstellbar schlechten hygienischen Verh\u00e4ltnissen, mussten arbeiten und sich versorgen. Somit traf die Pest jene, die eh schon als Kinder hohen k\u00f6rperlichen Belastungen ausgesetzt waren, am h\u00e4rtesten, wie Rindlisbachers Auswertungen belegen.<\/p>\n<p>Den Autoren gelingt es, f\u00fcr die fr\u00fche Neuzeit aufzuzeigen, wie soziale Herkunft, Ehrvorstellungen und Ansehen sich auf den Verlauf einer Krankheit auswirken \u2013 Einflussfaktoren, die bis heute die Gesundheit und medizinische Versorgung mitbestimmen. Die Bestattungen aus den Stadtcasino-Grabungen erm\u00f6glichten es so, das Schicksal von Bev\u00f6lkerungsgruppen sichtbar zu machen, die in der Geschichtsschreibung sonst kaum zur Sprache kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Durchschnittsalter der Grabgruppe betrug gerade einmal 17,7 Jahre, wie die Universit\u00e4t Basel dieser Tage mitteilte. \u201eDie Datierung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":101335,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[26868,116,3422,10706,3421,45,26869],"class_list":{"0":"post-101334","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-basel","8":"tag-archaeologe","9":"tag-basel","10":"tag-basel-region","11":"tag-pest","12":"tag-region-loerrach","13":"tag-schweiz","14":"tag-stadtcasino"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116481397232164725","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101334","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=101334"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101334\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/101335"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=101334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=101334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=101334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}