{"id":103738,"date":"2026-04-29T19:09:10","date_gmt":"2026-04-29T19:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/103738\/"},"modified":"2026-04-29T19:09:10","modified_gmt":"2026-04-29T19:09:10","slug":"wm-finale-1954-die-wunde-von-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/103738\/","title":{"rendered":"WM-Finale 1954: Die Wunde von Bern"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/sport\/2026-04\/wm-finale-1954-wunder-von-bern\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<p>Seite 1Die Wunde von Bern<\/p>\n<p>                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/sport\/2026-04\/wm-finale-1954-wunder-von-bern\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2\u00bbAus. Aus. Aus. Aus. Das Spiel ist aus\u00ab<br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am 11. Juni beginnt die Fu\u00dfball-WM mit dem Er\u00f6ffnungsspiel Mexiko<br \/>\ngegen S\u00fcdafrika. Die Partie wird das 965. der WM-Geschichte sein. Nicht<br \/>\njedes dieser Spiele war denkw\u00fcrdig. Einige aber haben den Fu\u00dfball<br \/>\nver\u00e4ndert. F\u00fcr unsere neue Serie \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/serie\/in-acht-spielen-um-die-welt\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">In acht Spielen um die Welt<\/a>\u00ab haben wir<br \/>\n acht Partien herausgepickt, die f\u00fcr die lange, spannende, voltenreiche<br \/>\nReise stehen, die der Fu\u00dfball bis heute unternommen hat. Teil 2: das<br \/>\nWM-Finale 1954.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am Tag, nachdem das Unglaubliche im Regen von Bern Realit\u00e4t geworden war, fragte die Frankfurter Rundschau: \u00bbIst <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/sepp-herberger\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sepp Herberger<\/a> ein Gott?\u00ab Diese Frage dr\u00fcckte die Ungl\u00e4ubigkeit \u00fcber den Finalsieg des Au\u00dfenseiters aus, der an jenem nassk\u00fchlen 4. Juli 1954 in der Schweiz zu bestaunen war. Herberger musste einen Draht nach oben besitzen oder selbst von oben heruntergekommen sein, anders war dieses \u00bbWunder von Bern\u00ab nicht zu erkl\u00e4ren. Denn die Gegner aus Ungarn waren in den Jahren zuvor und erst recht bei dieser WM bestaunte Superk\u00fcnstler des Weltfu\u00dfballs, \u00fcberragend als Individuen und eine Siegmaschine als Kollektiv. Nun aber verloren sie 2:3, was daheim in Ungarn wiederum die \u00bbWunde von Bern\u00ab aufplatzen lie\u00df.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die deutschen Helden von Bern hielten sich an ihren H\u00e4nden, nebeneinanderstehend, als ihr Kapit\u00e4n Fritz Walter den Weltpokal entgegennehmen durfte. So sah Zusammenhalt in den 1950er-Jahren aus. Die Spieler, die neuen Weltmeister, blieben sp\u00e4ter ihren Klubs treu. Nach ihren Karrieren wurden sie Besitzer einer Lotto-Annahmestelle (Max Morlock), Wirt und Lokalpolitiker (Werner Liebrich), Lehrer (Horst Eckel), Autoh\u00e4ndler (<a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/helmut-rahn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Helmut Rahn<\/a>), Tankstellenbesitzer (Ottmar Walter) oder eine Legende mit Denkmalstatus (Ottmars Bruder Fritz Walter).\n<\/p>\n<p>        Ein Freigeist, der kaum zu stoppen war        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wie aber war dieser Sieg m\u00f6glich? Gegen den souver\u00e4nen Olympiasieger von 1952, eine eingespielte Mannschaft, die bis zum Tag von Bern in 34 Spielen und vier Jahren in Folge unbesiegt blieb? Jene <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/ungarn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ungarn<\/a>, die das DFB-Team in der Vorrunde mit 8:3 besiegt hatten. Die Elf, die das g\u00e4ngige WM-System dank einer Eingebung ihres Trainers Gust\u00e1v Sebes entscheidend modifiziert hatte.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0unsplash.com<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Das tut mir gut \u2013 Der ZEIT-Gesundheitsnewsletter<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Einmal die Woche sammeln wir f\u00fcr Sie im ZEIT-Gesundheitsnewsletter die spannendsten Texte zu allem, was guttut. Darunter Tipps aus Psychologie und Medizin, Sport und Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das \u00bbW\u00ab stand dabei grunds\u00e4tzlich f\u00fcr zwei vorgeschobene Au\u00dfenst\u00fcrmer, die neben einem Mittelst\u00fcrmer positioniert waren, w\u00e4hrend dahinter zwei Halbst\u00fcrmer aufliefen. Das \u00bbM\u00ab bildeten drei Abwehrspieler und zwei defensive Mittelfeldspieler. Im Grunde handelt es sich um ein 3-2-2-3-System. Sebes zog nun seinen Mittelst\u00fcrmer N\u00e1ndor Hidegkuti eine Position zur\u00fcck und setzte ihn als Spielgestalter und Pendler zwischen Abwehr und Angriff ein. Als Freigeist, der kaum zu stoppen war. Als Spieler, der sich seine Tore selbst vorlegte. Sebes schuf damit den entscheidenden Raum f\u00fcr den Rechtsau\u00dfen S\u00e1ndor Kosics, der mit elf Treffern der Torsch\u00fctzenk\u00f6nig des Turniers in der Schweiz wurde.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Herberger hatte erkannt, dass Hidegkuti der wichtigste Mann im Offensivspiel der Ungarn war, und nicht der ber\u00fchmtere Ferenc Pusk\u00e1s, ein wuchtiger Au\u00dfenst\u00fcrmer mit Torgarantie, der aber nach dem 3:8 gegen die Deutschen und einem Foul von Werner Liebrich angeschlagen war. Im Viertel- und Halbfinale gegen Brasilien und Uruguay (jeweils 4:2) fehlte Pusk\u00e1s. Im Finale war er dabei, aber hatte sichtbar noch Schmerzen.\n<\/p>\n<p>        Mao Zedong wurde zum Fu\u00dfballstrategen        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Herberger lie\u00df in der Vorrunde zun\u00e4chst eine B-Elf gegen Ungarn spielen. Es ging ihm darum, Kr\u00e4fte f\u00fcr das Entscheidungsspiel gegen die T\u00fcrkei zu sparen, das Deutschland tats\u00e4chlich klar mit 7:2 gewann und so das Viertelfinale erreichte. Dort folgte ein 2:0 gegen Jugoslawien und anschlie\u00dfend ein 6:1 gegen \u00d6sterreich. Im Finale schlie\u00dflich lie\u00df Herberger Hidegkuti von seinen Mittelfeld-Abr\u00e4umern und -L\u00e4ufern Liebrich und Eckel bearbeiten und doppelt manndecken. Au\u00dferdem wandte er eine Taktik an, die er sich aus vielen Versatzst\u00fccken zusammenstellte.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Darauf wurde 2017 in einer Ausstellung im Deutschen Fu\u00dfballmuseum in Dortmund hingewiesen, die eine Analyse von Herbergers 1.500 Werke umfassenden B\u00fcchernachlass lieferte. Herberger schrieb einige seiner \u00bbHeureka\u00ab-Schlussfolgerungen nach der Lekt\u00fcre an den Rand des Gelesenen. Anleihen f\u00fcr das Spiel seiner Mannschaft fand er demnach vor allem beim Studium der Schriften des preu\u00dfischen Generalmajors und Milit\u00e4rethikers Carl von Clausewitz, insbesondere in dessen \u00bbStrategie aus dem Jahr 1804 mit Zus\u00e4tzen von 1808 und 1809\u00ab. Von Clausewitz entwickelte darin die Theorie des Partisanenkampfes nach dem Prinzip eines streng geordneten Chaos. Herberger konzipierte daraufhin ein Spielsystem, das Vorteile in \u00dcberraschungsmomenten suchte: sichere Abwehr, Spielkontrolle und dann Gegenangriffe setzen. Herberger notierte dazu: \u00bbDas Spiel aus der Abwehr. Dann kommen wir zum Gegenschlag.\u00ab\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Herberger studierte auch die drei Hauptschriften des chinesischen Diktators Mao Zedong, der wiederum Clausewitz\u2019 Thesen f\u00fcr seine Guerilla-Kriegsf\u00fchrung in der Phase des chinesischen Aufstands gegen das Kaiserreich adaptierte. Demnach solle eine Armee so lange in der Defensive verharren, bis der Gegner erm\u00fcdet sei, um daraufhin mit einem \u00fcberraschenden Wechsel von Verteidigung auf Angriff ein \u00dcbergewicht zu erlangen. Herberger notierte dazu: \u00bbWenn der Mao w\u00fcsste, dass ich ihn hier zum Fu\u00dfballstrategen umfunktioniert habe \u2026\u00ab. Auf den Fu\u00dfball \u00fcbertragen bedeutete das: taktischer R\u00fcckzug, den Gegner spielen lassen, selbst st\u00e4ndig rochieren und punktuell eigene Offensivaktionen setzen. Angewandt wurde dieses Prinzip von Herbergers Sch\u00fclern auch am 4. Juli 1954, dem Finaltag.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">62.000 Zuschauer sahen im Wankdorfstadion, dass die deutsche Mannschaft im Regen von <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/bern\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bern<\/a> bereits um 17.08 Uhr, acht Minuten nach dem Anpfiff, mit 0:2 hinten lag. Getroffen hatten Pusk\u00e1s und Zolt\u00e1n Czibor. Die anschlie\u00dfende ungarische Euphorie nutzten die Deutschen wiederum f\u00fcr ihre punktuellen Offensivvorst\u00f6\u00dfe im Sinne der Clauswitzschen Lehre. Und es ging auf: Tor durch Morlock (10.) und 2:2 durch Rahn (18.). Die Ungarn, die Angreifer, waren perplex.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Die Wunde von Bern Seite 2\u00bbAus. Aus. Aus. Aus. 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