{"id":105695,"date":"2026-05-01T07:43:08","date_gmt":"2026-05-01T07:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/105695\/"},"modified":"2026-05-01T07:43:08","modified_gmt":"2026-05-01T07:43:08","slug":"georg-baselitz-zum-tod-des-malers-bildhauers-und-grafikers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/105695\/","title":{"rendered":"Georg Baselitz Zum Tod des Malers, Bildhauers und Grafikers"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Georg Baselitz machte immer wieder mit Skandalen und Skand\u00e4lchen von sich reden und beherrschte meisterhaft die Selbstinszenierung. Das machte ihn bekannt, dann international ber\u00fchmt, \u00fcberdeckte aber oft, was er den Menschen mit seinen Gem\u00e4lden, Skulpturen und grafischen Bl\u00e4ttern vermitteln wollte. Wie <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/gerhard-richter\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gerhard Richter<\/a>, G\u00fcnther Uecker, Gotthard Graubner und Gerhard Hoehme war er aus der DDR in den Westen \u00fcbergesiedelt mit dem Willen, Kunst zu erschaffen, die keinen politischen Vorgaben gehorcht. Mehr noch als andere kostete er die Freiheit aus und testete ihre Grenzen. Er behauptete, \u201eFrauen k\u00f6nnen nicht malen\u201c, und machte sich Anfang der 60er-Jahre mit teilweise obsz\u00f6nen Darstellungen einen Namen. Das Gem\u00e4lde \u201eDie gro\u00dfe Nacht im Eimer\u201c , Besitz des K\u00f6lner Museums Ludwig, zeigt einen Jungen beim Masturbieren und wurde 1963 wegen \u201eObsz\u00f6nit\u00e4t\u201c beschlagnahmt. Sp\u00e4ter hat er seine \u201ezermanschten\u201c Farbt\u00f6ne aus der Fr\u00fchphase als \u201ePubert\u00e4tsschlamm\u201c beschrieben.<\/p>\n<p>Bilder, um 180 Grad gedreht      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">1969 schickte Baselitz sein erstes auf dem Kopf stehendes Bild ins Rennen um die Verwirrung des Kunstpublikums: \u201eDer Wald auf dem Kopf\u201c. Er hatte, wie sp\u00e4ter auch in anderen Bildern, das Motiv um 180 Grad gedreht, um dem Publikum eine gegenst\u00e4ndliche Deutung zu erschweren. Die St\u00e4mme, die aus dem Himmel zum Boden streben, sollten wie abstrakte Kunst wirken.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Angeblich legte Baselitz die Komposition solcher Bilder bereits als Kopfstand an und brachte sie aus der 180-Grad-Drehung heraus auf die Leinwand. Diese Technik war ein Alleinstellungsmerkmal von Baselitz und trug ihm nicht nur Kopfsch\u00fctteln vieler Betrachter, sondern auch internationale Bewunderung ein. \u00dcbergro\u00dfe Leinw\u00e4nde f\u00fchrten dazu, dass der K\u00fcnstler sie auf den Boden legte und dar\u00fcber schritt, was manchen Fu\u00dfabdruck hinterlie\u00df.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bereits 1965 hatte Baselitz \u201eHeldenbilder\u201c gemalt. Die Gem\u00e4lde dieser Werkgruppe zeigen in grober Malweise und kr\u00e4ftigen Farben eine monumentale, verletzte und teilweise entbl\u00f6\u00dfte Figur in karger Landschaft \u2013 eine Auseinandersetzung mit m\u00e4nnlichem Heldentum 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Die zerlumpten Typen sprechen den irrsinnigen Idealen des \u201eDritten Reichs\u201c und der DDR Hohn. <\/p>\n<p>In einer Reihe mit Joseph Beuys und Gerhard Richter      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Heute befinden sich Bilder, Skulpturen und grafische Bl\u00e4tter von Baselitz in angesehenen Museen des In- und Auslands, besonders eindrucksvoll im Bonner Kunstmuseum neben Werken von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/joseph-beuys\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joseph Beuys<\/a>, Gerhard Richter, Sigmar Polke, <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/andreas-gursky\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andreas Gursky<\/a> und Katharina Grosse. Dort h\u00e4ngt auch ein zentrales Werk des K\u00fcnstlers, \u201eDie Hand \u2013 Die Hand Gottes\u201c von 1964\/65. Das Bild, in das von links ein Arm mit einer offenbar verletzten Hand auf orangefarbenem Grund ragt, veranschaulicht K\u00f6rperlichkeit, Verletzlichkeit und g\u00f6ttliche Sch\u00f6pfungskraft und reiht sich ein in die kunsthistorische Serie gro\u00dfer Handdarstellungen: von D\u00fcrers betenden H\u00e4nden bis zu Michelangelos \u201eDie Erschaffung Adams\u201c mit Gottes Finger in einer ausgestreckten Geste, w\u00e4hrend Adams Finger leicht gebeugt ist. H\u00e4nde k\u00f6nnen in der Kunst vieles bedeuten: eine Metapher f\u00fcr den K\u00fcnstler als Sch\u00f6pfer, aber auch das traumatisierte Individuum der Nachkriegszeit oder die segnende Hand im Christentum. In jedem Fall bedeuten H\u00e4nde einen Kontakt zur Welt. In Baselitz&#8216; Schaffen z\u00e4hlt die Hand zu jenen Werken, die er von 2005 an in Remix-Arbeiten variierte.<\/p>\n<p>Er lebte zuletzt in Salzburg      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wenn man von den spektakul\u00e4ren Auftritten des K\u00fcnstlers absieht, war Georg Baselitz, der eigentlich Hans-Georg Kern hie\u00df und aus dem s\u00e4chsischen Deutschbaselitz stammte, ein Maler, der tief aus seinem Inneren sch\u00f6pfte, aus seiner Kriegskindheit in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ostdeutschland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ostdeutschland<\/a>, seiner Jugend in der DDR und dem Friedens- und Freiheitsdrang, der daraus resultierte und ihn Anschluss an die westliche Moderne finden lie\u00df. Nach seiner Flucht aus der DDR setzte er sich im Westteil Berlins mit den Theorien von Wassily Kandinsky, Ernst Wilhelm Nay und Kasimir Malewitsch auseinander. 1975 erwarb er Schloss Derneburg in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/niedersachsen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niedersachsen<\/a>, lebte und arbeitete dort bis 2006. Dann zog er zun\u00e4chst an den Ammersee, von 2013 an war er in Salzburg zuhause. Dort erhielt er zusammen mit seiner Ehefrau die \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrgerschaft. 2015 geriet er noch einmal in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit, als er aus Protest gegen die vorgesehene Versch\u00e4rfung des deutschen Kulturgutschutzgesetzes seine Leihgaben aus deutschen Museen zur\u00fcckzog. Demzufolge hatten Museumssammlungen in ihrer Gesamtheit unter Ausfuhrschutz gestellt werden sollen. Dazu kam es dann aber doch nicht. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Georg Baselitz hat mit seiner Arbeit nicht nur die Kunstszene des 20. und 21. Jahrhunderts bereichert, sondern auch sich und seine Familie. Gro\u00dfformatige Gem\u00e4lde erzielen auf Auktionen Preise von mehr als zwei Millionen Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Georg Baselitz machte immer wieder mit Skandalen und Skand\u00e4lchen von sich reden und beherrschte meisterhaft die Selbstinszenierung. 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