{"id":106059,"date":"2026-05-01T13:30:13","date_gmt":"2026-05-01T13:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/106059\/"},"modified":"2026-05-01T13:30:13","modified_gmt":"2026-05-01T13:30:13","slug":"ein-molekuel-zwei-effekte-neuer-wirkstoff-ansatz-gege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/106059\/","title":{"rendered":"Ein Molek\u00fcl, zwei Effekte: Neuer Wirkstoff-Ansatz gege \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p>\t\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" class=\"picture__image lazyload\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/timo_mueller_1_1_format_s.jpg\" alt=\"Prof. Timo M\u00fcller\" title=\"Prof. Timo M\u00fcller | \u00a9 Helmholtz Munich | Matthias Tunger Photodesign\" data-\/><\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tVergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p class=\"figure__caption-content\">\u00a9 Helmholtz Munich | Matthias Tunger Photodesign<\/p>\n<p>Ein Team um Stoffwechselforscher <a href=\"https:\/\/www.med.lmu.de\/de\/fakultaet\/wer-wir-sind\/personen\/kontaktseite\/timo-mueller-2ec31213.html\" class=\"is-external\" title=\"Link \u00f6ffnet in neuem Fenster\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Timo D. M\u00fcller<\/a>, LMU-Professor f\u00fcr Molekulare Pharmakologie des Energie- und Glukosestoffwechsels und Direktor des Instituts f\u00fcr Diabetes und Adipositas (IDO) bei Helmholtz Munich hat einen neuen Ansatz f\u00fcr die Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes entwickelt: Ein Hybrid-Molek\u00fcl nutzt die bekannten S\u00e4ttigungs- und Blutzuckersignale GLP-1\/GIP als \u201eT\u00fcr\u00f6ffner\u201c und schleust zus\u00e4tzlich einen Stoffwechsel-Modulator gezielt in die Zielzellen ein. In Laborexperimenten fra\u00dfen M\u00e4use danach weniger, nahmen st\u00e4rker ab und zeigten bessere Blutzuckerwerte als bei Vergleichsbehandlungen. Die pr\u00e4klinischen Ergebnisse ver\u00f6ffentlichen die Forschenden im Fachjournal Nature.<\/p>\n<p>Moderne Inkretin-Therapien \u2013 also Medikamente, die k\u00f6rpereigene S\u00e4ttigungs- und Blutzuckersignale (GLP-1\/GIP) nachahmen \u2013 haben die Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes stark verbessert. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte w\u00fcrden jedoch gern weitere Stoffwechsel-\u201eStellschrauben\u201c nutzen: Zum Beispiel Wirkstoffe, die Zellen empfindlicher f\u00fcr Insulin machen, damit Zucker leichter aus dem Blut in das Gewebe gelangt. Solche zus\u00e4tzlichen Therapeutika wirken jedoch oft nicht gezielt, sondern im ganzen K\u00f6rper \u2013 und erh\u00f6hen damit das Risiko f\u00fcr Nebenwirkungen. \u201eUnsere Leitfrage war: Wie l\u00e4sst sich die Inkretin-Wirkung verst\u00e4rken, ohne eine zweite, systemisch aktive Quelle f\u00fcr Nebenwirkungen zu schaffen?\u201c, sagt Studienleiter Timo D. M\u00fcller.<\/p>\n<p>Sein Team hat deshalb auf eine Art \u201eAdressetikett mit Fracht\u201c gesetzt: Die Forschenden haben einen bekannten Inkretin-Wirkteil chemisch mit einer zweiten Wirkkomponente gekoppelt \u2013 dem Wirkstoff Lanifibranor, einem sogenannten pan-PPAR-Agonisten. Der Inkretin-Teil dockt an GLP-1- oder GIP-Rezeptoren auf der Zelloberfl\u00e4che an und sorgt daf\u00fcr, dass das Hybridmolek\u00fcl in die Zelle aufgenommen wird. Im Inneren der Zelle bindet dann die zweite Komponente an PPAR \u2013 \u201eSchalter\u201c im Zellkern, die Gene f\u00fcr Fett- und Zuckerstoffwechsel mitsteuern. So soll die zus\u00e4tzliche Stoffwechselwirkung gezielt in GLP-1R\/GIPR-tragenden Zellen entstehen, statt im ganzen K\u00f6rper.<\/p>\n<p>\tGeringe Dosis durch \u201etrojanisches Pferd\u201c<\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\tGeballte Expertise f\u00fcr medizinischen Forschungstransfer\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t<a class=\"teaser-single__link is-internal\" href=\"https:\/\/www.lmu.de\/de\/newsroom\/newsuebersicht\/news\/geballte-expertise-fuer-medizinischen-forschungstransfer-8a218a53.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n\t\t\tWeiterlesen<br \/>\n\t\t<\/a><br \/>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lmu.de\/de\/newsroom\/newsuebersicht\/news\/geballte-expertise-fuer-medizinischen-forschungstransfer-8a218a53.html\" class=\"teaser-single__a11y-clickarea\" aria-hidden=\"true\" tabindex=\"-1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>Funktionell vereint das Hybridmolek\u00fcl f\u00fcnf Wirkziele in einem: Es aktiviert zwei Rezeptoren an der Zelloberfl\u00e4che (GLP-1R und GIPR) und steuert zus\u00e4tzlich drei PPAR-Schalter im Zellinneren. M\u00fcller beschreibt das Prinzip als \u201etrojanisches Pferd\u201c: Der Inkretin-Teil \u00f6ffnet die T\u00fcr, die \u201eFracht\u201c wirkt erst in der Zielzelle. \u201eEin wesentlicher Vorteil ist dabei die Menge\u201c, sagt M\u00fcller: \u201eWeil die zweite Komponente nicht separat und systemisch gegeben wird, sondern mit dem Inkretin-Teil \u201amitreist\u2018, kann sie in einer um Gr\u00f6\u00dfenordnungen niedrigeren Dosis eingesetzt werden.\u201c So gewinnt das Medikament Wirkung, ohne durch breite Verteilung im ganzen K\u00f6rper Nebenwirkungen zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>In Laborm\u00e4usen mit ern\u00e4hrungsbedingter Adipositas zeigte der Ansatz Wirkung: Die Tiere fra\u00dfen weniger und nahmen mehr ab als unter einem GLP-1\/GIP-Koagonisten ohne Fracht. In den gezeigten Vergleichsuntersuchungen war der Effekt teilweise sogar st\u00e4rker als unter einem reinen GLP-1-Wirkstoff. Damit legt die Studie nahe, dass die Kopplung nicht nur \u201emehr vom Gleichen\u201c ist, sondern die Inkretin-Wirkung zumindest in M\u00e4usen messbar verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>\tWeitere K\u00f6rperwerte verbessern sich<\/p>\n<p>Nicht nur das Gewicht ver\u00e4nderte sich: In den Experimenten verbesserten sich auch Blutzuckerwerte und es gab Hinweise auf eine bessere Insulinwirkung im K\u00f6rper: Insulin konnte Zucker besser aus dem Blut in die Gewebe \u201eeinschleusen\u201c, und die Leber gab weniger Zucker ins Blut ab. Zugleich berichten die Forschenden, dass typische Magen-Darm-Nebenwirkungen in ihrer Auswertung vergleichbar mit bestehenden Inkretin-Therapien waren \u2013 und dass sie in den untersuchten Parametern keine Hinweise auf zwei bef\u00fcrchtete Probleme der gekoppelten Wirkkomponente fanden, n\u00e4mlich Fl\u00fcssigkeitseinlagerungen und An\u00e4mie.<\/p>\n<p>\u00dcber den Zuckerstoffwechsel hinaus lieferten die Daten aus M\u00e4usen Hinweise auf zus\u00e4tzliche, m\u00f6glicherweise g\u00fcnstige Effekte an Herz und Leber. Wichtig ist festzuhalten, dass es sich um eine pr\u00e4klinische Studie handelt: Ob sich die Ergebnisse auf den Menschen \u00fcbertragen lassen, ist noch offen \u2013 auch weil sich der GIP-Rezeptor zwischen Maus und Mensch unterscheidet. \u201eWir sehen hier ein Prinzip mit gro\u00dfer Wirkung im Tiermodell \u2013 jetzt geht es darum, den Ansatz f\u00fcr den Menschen zu optimieren und Richtung Klinik zu bringen\u201c, sagt Timo M\u00fcller. F\u00fcr die entsprechende Weiterentwicklung seien starke Industriepartner n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Liskiewicz et al.: <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10427-5\" class=\"is-external\" title=\"Link \u00f6ffnet in neuem Fenster\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">GLP-1R:GIPR:PPAR\u03b1\/\u03b3\/\u03b4 quintuple agonism corrects obesity and diabetes in mice<\/a>. Nature 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vergr\u00f6\u00dfern \u00a9 Helmholtz Munich | Matthias Tunger Photodesign Ein Team um Stoffwechselforscher Timo D. 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