{"id":113215,"date":"2026-05-06T17:57:24","date_gmt":"2026-05-06T17:57:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/113215\/"},"modified":"2026-05-06T17:57:24","modified_gmt":"2026-05-06T17:57:24","slug":"27-tatooine-planeten-auf-einen-streich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/113215\/","title":{"rendered":"27 \u201eTatooine\u201c-Planeten auf einen Streich"},"content":{"rendered":"\n<p>Um zwei Sonnen kreisende Exoplaneten bisher eine Rarit\u00e4t. Doch jetzt haben Astronomen mithilfe einer neuen Methode gleich 27 solcher Planetenkandidaten um Doppelsterne aufgesp\u00fcrt \u2013 das ist \u00fcberraschend viel. Entdeckt wurden diese zirkumbin\u00e4ren Exoplaneten durch subtile Verschiebungen in den Orbits ihrer Zentralsterne. Ausgehend von diesen Funden vermutet das Team, dass es in der Milchstra\u00dfe noch viele unentdeckte Planeten dieser Art geben k\u00f6nnte \u2013 reale Vorbilder f\u00fcr den fiktiven Star-Wars-Planet Tatooine.<\/p>\n<p>Beim fiktiven Star-Wars-Planeten Tatooine stehen nicht nur zwei Sonnen am Himmel, seine Umlaufbahn f\u00fchrt den Planeten um beide Zentralsterne herum. Doch ob es solche <a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/astronomie-physik\/sonnenaufgang-mal-zwei\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zirkumbin\u00e4ren Exoplaneten<\/a> auch in Wirklichkeit gibt, war lange strittig. Denn Astronomen vermuteten, dass sich wegen der Schwerkraftturbulenzen der beiden sich umkreisenden Sternenpartner keine stabilen Planeten in ihrem Umfeld bilden k\u00f6nnen. Erst 2011 wurde mit Kepler-16b ein erster zirkumbin\u00e4rer Exoplanet entdeckt. Seither sind noch 17 weitere hinzugekommen \u2013 bei mehr als 6000 bekannten Exoplaneten ist das nicht viel.<\/p>\n<p> (Video: University of New South Wales)Warum die Suche schwierig ist<\/p>\n<p>Doch ob Astronomen einen Exoplaneten finden, h\u00e4ngt stark von der Fahndungsmethode ab. Fast alle bisher bekannten \u201eTatooine\u201c-Planeten wurden mithilfe der Transitmethode aufgesp\u00fcrt \u2013 der Planet verriet sich, weil er direkt vor seinen Sternen vorbeizog und dabei ihr Licht ein wenig abdimmte. \u201eDurch ihre charakteristischen Transitsignaturen sind dies sehr verl\u00e4ssliche Nachweise\u201c, erkl\u00e4ren Margo Thornton von der University of New South Wales in Australien und ihre Kollegen.<\/p>\n<p>Das Problem: Die Transitmethode funktioniert nur dann, wenn die Orbits von Planet und Sternen auf einer Ebene und in unserer Sichtlinie liegen. Zieht der Exoplanet dagegen nicht direkt vor den Sternen vorbei, bleibt er unsichtbar. \u201eDadurch bleibt eine potenziell gro\u00dfe Population von zirkumbin\u00e4ren Planeten in weiten oder nicht coplanaren Orbits unentdeckt\u201c, erkl\u00e4ren die Astronomen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/5\/25-05-06-tatooineplanet2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-344735 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-344735\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/25-05-06-tatooineplanet2-300x253.jpg\" alt=\"Eklipsen-Timing\" width=\"300\" height=\"253\"  \/><\/a>So verr\u00e4t die apsidiale Pr\u00e4zession die Pr\u00e4senz eines zirkumbin\u00e4ren Planeten. Die prim\u00e4re Eklipse der beiden Sterne von TIC 286310830 verz\u00f6gert sich im Laufe der Zeit immer mehr, die sekund\u00e4re Eklipse tritt hingegen immer fr\u00fcher auf. \u00a9 Thornton et al.\/ MNRAS, <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">CC-by 4.0<\/a>Wie die neue Fahndungsmethode funktioniert<\/p>\n<p>Deshalb haben Thronton und ihr Team nun mithilfe einer anderen Methode nach zirkumbin\u00e4ren Exoplaneten gesucht: der sogenannte apsidialen Pr\u00e4zession, auch Apsidendrehung genannt. Sie entsteht, wenn sich die Achse einer elliptischen Umlaufbahn eines Himmelsk\u00f6rpers um einen anderen im Laufe der Zeit allm\u00e4hlich verschiebt. Dies geschieht meist durch die Schwerkrafteinwirkung eines dritten Himmelsk\u00f6rpers. Im Falle der zirkumbin\u00e4ren Planeten beeinflusst dessen Pr\u00e4senz die Bahnen der beiden Zentralsterne umeinander.<\/p>\n<p>In Beobachtungsdaten zeigt sich dieser Effekt an leichten zeitlichen Verschiebungen der stellaren Eklipsen im Doppelsternsystem \u2013 den Ver\u00e4nderungen der Lichtkurve, die beim Vorbeiziehen eines Sterns vor dem anderen entstehen. \u201eBisher war diese Technik schwer anzuwenden, weil pr\u00e4zise, kontinuierliche Messungen des Eklipsen-Timings \u00fcber ausreichen lange Zeitr\u00e4ume hinweg kaum verf\u00fcgbar waren\u201c, erkl\u00e4ren Thronton und ihr Team.<\/p>\n<p>Mit dem NASA-Weltraumteleskop TESS hat sich dies jedoch ge\u00e4ndert. Seit 21018 hat das Teleskop zehntausende Doppelsternsysteme \u00fcber Jahre hinweg immer wieder ins Visier genommen und hochgenaue Transitdaten aufgezeichnet. F\u00fcr ihre Fahndung haben die Astronomen die TESS-Transitdaten f\u00fcr 1590 Doppelsterne analysiert und nach Indizien f\u00fcr eine apsidiale Pr\u00e4zession gesucht.<\/p>\n<p>27 Planetenkandidaten \u2013 vom Sub-Neptun bis zum Super-Jupiter<\/p>\n<p>Mit Erfolg: \u201eIch h\u00e4tte nie erwartet, dass wir schon mit dieser Pilotstudie 27 Planetenkandidaten finden w\u00fcrden\u201c, sagt Co-Autor Benjamin Montet von der University of New South Wales. Die 27 neu entdeckten zirkumbin\u00e4ren Kandidaten liegen zwischen 650 und 18.000 Lichtjahren von der Erde entfernt. \u201eSie sind \u00fcber den ganzen Nord- und S\u00fcdhimmel verteilt. \u201eEgal wohin man schaut und zu welcher Jahreszeit ist eigentlich immer eines dieser Doppelsternsysteme am Himmel sichtbar \u2013 wenn auch nur mit Teleskopen.\u201c<\/p>\n<p>Noch m\u00fcssen zwar zus\u00e4tzliche Beobachtungen best\u00e4tigen, dass es sich bei den 27 zirkumbin\u00e4ren Objekten tats\u00e4chlich um Planeten handelt. Ihre Massen sprechen jedoch daf\u00fcr, wie die Astronomen erkl\u00e4ren. Ihren Analysen zufolge sind einige Planetenkandidaten etwa so schwer wie der Neptun, andere haben die zehnfache Masse des Jupiter. \u00c4hnlich vielf\u00e4ltig ist der Abstand dieser Exoplaneten zu ihren Zentralsternen: \u201eUnser engstes System hat eine Umlaufzeit von 4,28 Tagen, das l\u00e4ngste ben\u00f6tigt gut 129 Tage f\u00fcr eine Umkreisung seiner Zentralsterne\u201c, berichten die Astronomen. Diese Systeme sind demnach weit variabler als bei den 18 bisher bekannten zirkumbin\u00e4ren Exoplaneten.<\/p>\n<p>\u201eEine ganze Population bisher verborgener Planeten\u201c<\/p>\n<p>Nach Ansicht der Astronomen demonstrieren diese Funde das gro\u00dfe Potenzial der neuen Methode f\u00fcr die Exoplaneten-Fahndung. \u201eIch war \u00fcberrascht, wie gut diese Methode selbst sehr kleine Signale in den TESS-Daten identifizieren konnte\u201c, sagt Thornton. \u201eDas spricht daf\u00fcr, dass wir damit in Zukunft sogar Exoplaneten von der Gr\u00f6\u00dfe der Erde aufsp\u00fcren k\u00f6nnten. Dort drau\u00dfen k\u00f6nnte es noch viele reale Tatooine-Planeten geben.\u201c<\/p>\n<p>Der Nachweis von 27 zirkumbin\u00e4ren Planetenkandidaten bei 1590 untersuchten Doppelsternsystemen entspricht einem Anteil solcher Systeme von zwei Prozent \u2013 schon dies ist weit mehr als bisherige Funde vermuten lie\u00dfen. \u201eUnsere Methode k\u00f6nnte helfen, eine ganze Population bisher verborgener Planeten aufzusp\u00fcren\u201c, sagt Montet. Die Astronomen planen bereits ihre Fahndungsmethode f\u00fcr weitere Doppelstern-Daten des TESS-Teleskops einzusetzen. Parallel dazu wollen sie mithilfe von Modellsimulationen untersuchen, wie sich die jetzt entdeckten zirkumbin\u00e4ren Planetenkandidaten gebildet haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u201eIndem wir mehr \u00fcber die Vielfalt der Planeten erfahren, lernen wir auch mehr dar\u00fcber, wie Planeten entstehen und sich entwickeln, besonders in der komplexen Umgebung von zwei Sternen\u201c, sagt Thronton. \u201eDies ist auch ein erster Schritt, um zu verstehen, ob es dort drau\u00dfen noch anderes Leben gibt \u2013 ob wir im Universum allein sind oder nicht.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: Margo Thornton University of New South Wales, Kensington, Australien) et al., Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 2026; <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/mnras\/article\/548\/3\/stag515\/8524019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1093\/mnras\/stag515<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Um zwei Sonnen kreisende Exoplaneten bisher eine Rarit\u00e4t. 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