{"id":113690,"date":"2026-05-07T05:24:09","date_gmt":"2026-05-07T05:24:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/113690\/"},"modified":"2026-05-07T05:24:09","modified_gmt":"2026-05-07T05:24:09","slug":"virusreste-koennen-krebs-und-demenz-ausloesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/113690\/","title":{"rendered":"Virusreste k\u00f6nnen Krebs und Demenz ausl\u00f6sen"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBMlw tspBMlx\">K\u00f6nnten Virusgene aus dem menschlichen Erbgut an der Entstehung von Krebs, Alzheimer und anderen schwerwiegenden Erkrankungen beteiligt sein? Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin. <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Viren kommen und gehen und mit ihnen mal mehr, mal weniger lebensgef\u00e4hrliche Erkrankungen. Ist die akute Infektion \u00fcberstanden, verschwinden in der Regel auch die Erreger wieder. Anders ist es bei Retroviren, etwa dem Aids-Erreger HIV. Sie befallen nicht nur, wie alle Viren, Zellen, sondern dringen bis tief in den Zellkern vor und schreiben ihre Virusgene dort ins Erbgut. <\/p>\n<p>Endogene Retroviren k\u00f6nnen die Ausbreitung von Tau-Aggregaten zwischen Zellen beeinflussen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/retrovirusnde26bild3.jpeg\"   alt=\"Ina Vorberg ist am DZNE-Forschungszentrum in Bonn auf einen interessanten Zusammenhang zwischen Demenz-Erkrankungen und endogenen Retroviren gesto\u00dfenFoto: DZNE\/Frommann\" width=\"80\" height=\"80\" loading=\"lazy\" class=\"tspAViz\"\/><\/p>\n<p class=\"tspCVp7\">Ina Vorberg leitet am Deutschen Zentrum f\u00fcr Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn die Forschungsgruppe Prionen und Zellbiologie<\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Das hei\u00dft, bei jeder Zellteilung wird auch ein St\u00fcck Virus-DNA kopiert und weitergegeben\u00a0\u2013 wenn Keimzellen infiziert sind, dann sogar an die nachfolgenden Generationen. Tats\u00e4chlich finden sich \u00fcberall im menschlichen Erbgut die Erbgutreste uralter Infektionen mit Retroviren: Sch\u00e4tzungen zufolge fast zehn Prozent. Zum Vergleich: Nur f\u00fcnf Prozent machen die Erbgutabschnitte aus, in denen die rund 20.000 Gene kodiert sind, die in Proteine \u00fcbersetzt werden und den Menschen zum Menschen machen. <\/p>\n<p> Schlummernde Virusgene <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Die meisten retroviralen Genreste schlummern dahin, bleiben harmlos und werden von Zellteilung zu Zellteilung und Generation zu Generation mitgeschleppt. Doch manche werden unter bestimmten Umst\u00e4nden wieder aktiv. Die \u201eendogene\u201c (von innen wirkende) Erbinformation wird abgelesen und es werden Virusproteine produziert. Im Fall von HIV entstehen komplette infekti\u00f6se Erreger, die den K\u00f6rper dann wieder neu infizieren. <\/p>\n<p>Viren im Erbgut bringen mehr Vorteile als Nachteile<\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Etwa zehn Prozent des menschlichen Erbguts bestehen aus Resten von Retroviren, eingesammelt \u00fcber Jahrmillionen. Doch warum wurde dieser Ballast, der sogar Krankheiten ausl\u00f6sen oder befeuern kann (siehe Text), im Verlauf der Evolution nicht abgeworfen? <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">\u201eWeil diese endogenen Retroviren fast immer harmlos sind und gleichzeitig als Spielball der Evolution Riesen-Vorteile bringen k\u00f6nnen\u201c, sagt Alex Greenwood vom Berliner Leibniz-Institut f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung.<\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Tats\u00e4chlich \u201espielt\u201c die Evolution mit dem zus\u00e4tzlichen Genmaterial, das die Viren mitbringen\u00a0\u2013 und nutzt sie. So braucht es etwa f\u00fcr die Entwicklung der Plazenta der S\u00e4ugetiere das Gen \u201ePeg10\u201c, das sehr wahrscheinlich von einem Retrovirus stammt. Schaltet man dieses Gen in tragenden M\u00e4usen aus, w\u00e4chst die Plazenta nicht mehr, die Embryonen sterben ab. <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Ebenfalls in der Placenta sorgen Syncytin-Gene daf\u00fcr, dass die Blutgef\u00e4\u00dfe der Mutter engen Kontakt mit denen des S\u00e4uglings aufnehmen. In Retroviren, von denen das Gen, dort \u201eenv\u201c genannt, urspr\u00fcnglich stammt, bildete es die Virush\u00fclle, die mit menschlichen Zellen fusionieren muss, um eine Infektion zu erm\u00f6glichen. <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Das Syncytin-1-Gen sprang vor rund 25 Millionen Jahren von einem Retrovirus \u00fcber ins menschliche Genom, sagt Greenwood, das Syncytin-2-Gen bereits vor 45 Millionen Jahren. <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Aber selbst wenn nur noch Bruchst\u00fccke dieser ehemaligen Virusproteine gebildet werden, weil die Virusgene \u00fcber die Jahrmillionen mutiert sind, st\u00f6ren sie den Zellstoffwechsel. Offenbar kann das zum Absterben von Nervenzellen beitragen und Demenzerkrankungen wie Alzheimer bef\u00f6rdern, wie aktuelle <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-023-40632-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Studien<\/a> <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/41352634\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">nahelegen<\/a>, und auch zur Entstehung und zum Wachstum von Tumoren f\u00fchren. <\/p>\n<p> Wie 20 Packungen Zigaretten am Tag <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">\u201eDas Koala-Retrovirus wirkt \u00e4hnlich wie 20 Packungen Zigaretten am Tag\u201c, sagt Alex Greenwood, der am Berliner Leibniz-Institut f\u00fcr Zoo- und Wildtierforschung (IZW) an Retroviren forsch, dem Tagesspiegel. So wie Kettenraucher ein stark erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Lungenkrebs und einige andere Tumore haben, sterben auch die Koalas in Australien trotz \u00fcberstandener Infektion mit einem dieser Erreger sp\u00e4ter sehr h\u00e4ufig am Blutkrebs (Leuk\u00e4mie). <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/retrovirusnde26bild1.jpeg\"   alt=\"Infizieren Retroviren die in Australien lebenden Koalas, k\u00f6nnen sie bestimmte Gene ver\u00e4ndern, die dann eine zentrale Rolle beim Entstehen von Krebs spielenFoto: Matheus Neumann\" aria-labelledby=\"caption-15565653\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAViz\"\/> Wenn Retroviren das Erbgut von Koalas befallen, l\u00f6sen sie oft Krebs bei den Tieren aus.  <\/p>\n<p class=\"tspAEgr\"> \u00a9 Matheus Neumann <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die krebsf\u00f6rdernde Wirkung von Retroviren ist, dass das virale Erbgut mitunter mitten in wichtigen Genen zur Regulation der Zellteilung oder des Zellwachstums landet. Dadurch werden diese Gene ver\u00e4ndert und mutieren zu \u201eOnkogenen\u201c, krebsverursachenden oder -f\u00f6rdernden Genen. Genau das haben Alex Greenwood und sein Team k\u00fcrzlich beobachtet, als sie vier Generationen von Koalas, insgesamt 46 Tiere, in Zoos untersuchten. Fast alle Tiere, bei denen die Retroviren in Onkogenen sa\u00dfen, starben entweder schnell an Leuk\u00e4mie oder hatten keinen Nachwuchs. <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer spielen Retroviren wohl eine Rolle, wenn auch ganz anders, wie Forschungen am Deutschen Zentrum f\u00fcr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn zeigen. Offenbar erleichtern die reaktivierten Virusreste die allm\u00e4hliche Ausbreitung der Alzheimererkrankung von Nervenzelle zu Nervenzelle\u00a0\u2013 bis so viele abgestorben sind, dass das Ged\u00e4chtnis versagt. <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Schon l\u00e4nger wissen Hirnforscher, dass bei Patienten mit Frontotemporaler Demenz und Amyotropher Lateralsklerose auffallend h\u00e4ufig die endogenen Retrovirusreste im Erbgut aktiviert sind. In Zellkulturen simulierte das Forschungsteam um Ina Vorberg vom DZNE diese Situation und beobachtete, dass die retroviralen Eiwei\u00dfst\u00fccke den Transport von ganz bestimmten Proteinen erleichtern, den Tau-Aggregaten. Sie werden mit der Entstehung von Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Denn diese Proteinklumpen lassen Nervenzellen nicht nur absterben, sondern k\u00f6nnen auch den Verklumpungsprozess in anderen Zellen ausl\u00f6sen\u00a0\u2013 vorausgesetzt, sie gelangen in die benachbarten Zellen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/scanning-electron-micrograph-of-hiv-particles-infecting-a-human-h9-t-cell-publicationxinxgerxsuixau..jpeg\"   alt=\"Scanning electron micrograph of HIV particles infecting a human H9 T cell. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: NationalxInstitutesxofxHealth\/StocktrekxImages NIH700084H&#10;&#10;Scanning Electron micrograph of HIV particles infecting a Human  T Cell PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright NationalxInstitutesxofxHealth StocktrekxImages NIH700084H  \" aria-labelledby=\"caption-15566640\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAViz\"\/> Retroviren (hier HIV, gelb koloriert) infizieren nicht nur die Zelle (blaugr\u00fcn koloriert), sondern schleusen ihr Erbgut bis in den Zellkern und f\u00fcgen es ins menschliche Genom ein.  <\/p>\n<p class=\"tspAEgr\"> \u00a9 imago\/StockTrek Images\/imago stock&amp;people <\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Das machen die reaktivierten retroviralen Gene m\u00f6glich, denn sie halfen einst den Retroviren die Membran menschlicher Zellen zu \u00fcberwinden. Selbst wenn sich mit den Virusgenresten im menschlichen Erbgut kein komplettes Virus mehr produzieren l\u00e4sst, reichen die Bruchst\u00fccke offenbar noch immer aus, um die Zellmembran durchl\u00e4ssiger zu machen\u00a0\u2013 l\u00f6chrig genug f\u00fcr Tau- und vermutlich auch andere sch\u00e4dliche Proteinaggregate. <\/p>\n<p>Mehr zum Thema:<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/hobbys-schlagen-genetische-veranlagung-mit-dieser-strategie-lasst-sich-alzheimer-verhindern-15517029.html?icid=topic-list_15555319___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" 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Krankheitsverl\u00e4ufe von \u00fcber 62.000 Menschen deuten auf Zusammenhang hin <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">\u201eUnsere Experimente zeigen, dass endogene Retroviren die Ausbreitung von Tau-Aggregaten zwischen Zellen beeinflussen k\u00f6nnen\u201c, sagt Vorberg. \u201eEndogene Retroviren w\u00e4ren damit zwar nicht Ausl\u00f6ser von Neurodegeneration, k\u00f6nnten den Krankheitsprozess jedoch befeuern, wenn dieser bereits in Gang gekommen ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspBMlw\">Vorberg hofft nun, das Wissen um den Einfluss der endogenen Retroviren nutzen zu k\u00f6nnen, um das Fortschreiten einer Demenzkrankheit zu bremsen. \u201eDer Einsatz von Anti-Retrovirus-Medikamenten wird bereits erprobt\u201c, sagt Vorberg. So lassen sich solche Virusproteine zum Beispiel mit spezifischen Antik\u00f6rpern unsch\u00e4dlich machen. Auch die Hemmung wichtiger Retrovirus-Proteine k\u00f6nnte die Ausbreitung der Verklumpungskaskade im Gehirn stoppen oder verlangsamen helfen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00f6nnten Virusgene aus dem menschlichen Erbgut an der Entstehung von Krebs, Alzheimer und anderen schwerwiegenden Erkrankungen beteiligt sein?&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":113691,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[18552,46,1601,67,66,45,44,1402,3785,596],"class_list":{"0":"post-113690","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-aids","9":"tag-ch","10":"tag-gene","11":"tag-gesundheit","12":"tag-health","13":"tag-schweiz","14":"tag-switzerland","15":"tag-tiere","16":"tag-virus","17":"tag-zoo"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116531622731720802","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=113690"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113690\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/113691"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=113690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=113690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}