{"id":117677,"date":"2026-05-10T07:05:09","date_gmt":"2026-05-10T07:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/117677\/"},"modified":"2026-05-10T07:05:09","modified_gmt":"2026-05-10T07:05:09","slug":"cann-l-lausanne-cannabis-pilotprojekt-mit-1-750-teilnehmern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/117677\/","title":{"rendered":"Cann-L Lausanne: Cannabis-Pilotprojekt mit 1.750 Teilnehmern"},"content":{"rendered":"<p>\u23f1 6 Min. Lesezeit\u00b71.003 W\u00f6rter<\/p>\n<p>In der Schweiz nennt man es n\u00fcchtern \u201ePilotversuch\u201c. Was in Lausanne unter dem Projektnamen Cann-L seit Dezember 2023 l\u00e4uft, hat aber l\u00e4ngst die Dimension eines vollwertigen Modellprojektes erreicht. Sucht Schweiz und die Stadtverwaltung haben Ende April einen ausf\u00fchrlichen Zwischenbericht vorgelegt, der konkrete Zahlen liefert. \u00dcber 1.750 Erwachsene aus dem Stadtgebiet sind inzwischen registriert, eine Erstkohorte von 670 Teilnehmenden hat ihren Konsum nach 18 Monaten um durchschnittlich 20 Prozent reduziert, und der lokale Schwarzmarkt soll um mindestens zwei Millionen Schweizer Franken Umsatz geschrumpft sein.<\/p>\n<p> Was Cann-L misst und wie<\/p>\n<p>Cann-L ist eines von sieben staatlich genehmigten Pilotprojekten zum nicht gewinnorientierten Cannabisverkauf in der Schweiz. W\u00e4hrend Z\u00fcrich mit Z\u00fcri Can das mediale Aush\u00e4ngeschild stellt und das Tessiner Vorhaben in Vernier eine kleinere Vergleichsgruppe abbildet, ist Cann-L in Lausanne mit aktuell knapp 1.750 erwachsenen Teilnehmenden nach Z\u00fcrich der zweitgr\u00f6\u00dfte Versuch des Landes. Tr\u00e4ger sind die Stadt Lausanne und die nationale Fachstelle Sucht Schweiz, die wissenschaftliche Auswertung \u00fcbernehmen das Institut f\u00fcr Nonprofit- und Public Management der Fachhochschule Nordwestschweiz und die Universit\u00e4t Lausanne im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Gesundheit.<\/p>\n<p>Die Teilnehmenden sind im Schnitt 36 Jahre alt, drei Viertel von ihnen sind m\u00e4nnlich. Sie k\u00f6nnen in einer eigens eingerichteten Verkaufsstelle Bl\u00fcten und alternative Konsumformen erwerben. Die Preise orientieren sich am Schwarzmarkt, der THC-Gehalt liegt bei durchschnittlich 12,5 Prozent und damit nach Angaben der Forschungsgruppe rund zwei Prozentpunkte unter dem, was im Lausanner Schwarzmarkt zirkuliert. Begleitend dokumentieren die Teilnehmenden ihren Konsum, beantworten regelm\u00e4\u00dfig Frageb\u00f6gen und k\u00f6nnen sich bei medizinischen oder psychischen Auff\u00e4lligkeiten an angegliederte Beratungsstellen wenden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ganjafarmer.de?utm_source=hanfm&amp;utm_medium=baner&amp;utm_campaign=code-hanf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener sponsored nofollow\" data-ad-id=\"75262\" data-ad-position=\"in-content\" data-ad-name=\"GanjaFarmer\" class=\"hanf-ad-link\" data-wpel-link=\"external\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/hanf-magazine-anim_baner-620x150-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:100%;max-width:1240px;height:auto;display:block;margin:0 auto;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-desktop\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/hanf-magazine-anim_baner-600x600-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:300px;height:250px;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-mobile\" loading=\"lazy\"\/><\/a>Konsum sinkt, Schwarzmarkt verliert<\/p>\n<p>Der Befund nach gut zwei Jahren ist deutlich. Die wissenschaftliche Auswertung der ersten Kohorte zeigt eine durchschnittliche Konsumreduktion von 20 Prozent. Wer l\u00e4nger im Programm ist, konsumiert tendenziell weniger, nicht mehr, was der Bef\u00fcrchtung vieler Kritikerinnen und Kritiker widerspricht, ein legaler Zugang f\u00fchre automatisch zu Mehrkonsum. Cann-L deckt mittlerweile rund 20 Prozent des in Lausanne gesch\u00e4tzten Gesamtkonsums ab, der Schwarzmarkt verliert in derselben Gr\u00f6\u00dfenordnung Umsatz. Die offiziell bezifferten zwei Millionen Franken sind dabei nur die untere Sch\u00e4tzgrenze, die ausschlie\u00dflich auf den \u00fcber die Verkaufsstelle dokumentierten Mengen basiert.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist auch ein Effekt, den das Projekt nicht prim\u00e4r ansteuern wollte. Etwa hundert Teilnehmende haben \u00fcber die Beratungsstrukturen erstmals oder nach langer Pause \u00e4rztlichen Kontakt aufgenommen, sei es wegen psychischer Belastungen, Schlafst\u00f6rungen oder Konsumfragen. Die niedrige Schwelle eines regul\u00e4ren Verkaufsprozesses \u00f6ffnet damit eine T\u00fcr zum Versorgungssystem, die in der reinen Strafverfolgungs-Logik versperrt bleibt. \u00c4hnliche Beobachtungen sind aus den deutschen <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/news\/schweizer-cannabis-pilot-macht-es-vor-legaler-markt-verdraengt-schwarzmarkt\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pilotprojekten \u00fcber die letzten Monate<\/a> ebenfalls dokumentiert.<\/p>\n<p>Mehrwertsteuer und Pr\u00e4ventionsfonds<\/p>\n<p>Cann-L ist als nichtgewinnorientiertes Projekt aufgestellt, betriebswirtschaftlich aber transparent. Im Jahr 2025 flossen mehr als 60.000 Franken Mehrwertsteuer in die Bundeskasse. Zus\u00e4tzlich generierte das Projekt rund 300.000 Franken, die in lokale Pr\u00e4vention und Begleitforschung reinvestiert werden. Diese Zahlen sind politisch bedeutsam, weil sie das vielleicht wichtigste Schweizer Argument gegen den Schwarzmarkt unterf\u00fcttern. Geld, das vorher in den illegalen Strukturen versickerte, finanziert nun Aufkl\u00e4rung, \u00e4rztliche Sprechstunden und Materialanalysen.<\/p>\n<p>Die Lausanner Stadtregierung argumentiert offen damit, dass Cann-L kein Pilotversuch im engeren Sinne mehr sei, sondern faktisch ein staatlich zugelassener Markt mit Forschungsbegleitung. Die <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/news\/zueri-can-bis-2028-zuerich-verlaengert-cannabis-pilotprojekt-mit-800-000-franken\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verl\u00e4ngerung des Z\u00fcrcher Schwesterprojekts bis 2028<\/a>, die Mitte April beschlossen wurde, deutet darauf hin, dass die Schweizer Politik genau diese Logik teilt. Ein Schweizer Cannabisgesetz auf Bundesebene gilt bisher als unwahrscheinlich vor dem Ende der nationalen Pilotphase 2027 oder 2028. Die Befundlage aus Lausanne d\u00fcrfte das parlamentarische Tempo aber sp\u00fcrbar erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Was die deutsche Debatte daraus mitnehmen kann<\/p>\n<p>F\u00fcr die deutsche Diskussion um Anbauvereinigungen, Modellprojekte und die geplante Reform des Medizinal-Cannabisgesetzes ist Cann-L mehr als nur ein Schweizer Lokalexperiment. Die Lausanner Daten zeigen, dass eine kontrollierte Verkaufsstelle mit niedrigerem THC-Gehalt, beratender Begleitung und transparenter Buchf\u00fchrung den Schwarzmarkt substanziell verdr\u00e4ngen kann, ohne den Konsum zu erh\u00f6hen. W\u00e4hrend in Deutschland die Modellprojekte nach dem Konsumcannabisgesetz weiterhin auf konkrete Genehmigungen warten und der Bundesrat \u00fcber Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Telemedizin diskutiert, liefert die Schweiz einen empirisch belastbaren Vergleichswert.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Zwischenbericht ist f\u00fcr Anfang 2027 angek\u00fcndigt. Bis dahin wird sich zeigen, ob die 20-Prozent-Reduktion stabil bleibt, ob die Beratungsdaten weiter steigen und ob sich die Kosten der staatlichen Begleitung tragen lassen. Sollte Cann-L dauerhaft solche Zahlen produzieren, d\u00fcrfte der politische Druck auf die Berner Bundesversammlung wachsen, das Pilotmodell in eine regul\u00e4re gesetzliche Grundlage zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p>\ud83c\udf3f Fragen zu diesem Thema? Schreib einfach los \u2014 ich helfe dir!<\/p>\n<p>  Senden<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr den Chat! \ud83d\ude0a Abonniere unseren Newsletter f\u00fcr mehr:<\/p>\n<p> <a href=\"#hanf-newsletter-cta\" class=\"hanf-buddy-btn\" onclick=\"document.getElementById('hanf-newsletter-cta')?.scrollIntoView({behavior:'smooth'})\">Zum Newsletter<\/a>H\u00e4ufige FragenWas ist das Pilotprojekt Cann-L?<\/p>\n<p>Cann-L ist ein staatlich genehmigtes Cannabis-Pilotprojekt in der Schweizer Stadt Lausanne. Es wurde im Dezember 2023 er\u00f6ffnet und erm\u00f6glicht erwachsenen Teilnehmenden den nicht gewinnorientierten Erwerb von Cannabisprodukten in einer dedizierten Verkaufsstelle. Tr\u00e4ger sind die Stadt Lausanne und Sucht Schweiz, die wissenschaftliche Auswertung erfolgt durch die Fachhochschule Nordwestschweiz und die Universit\u00e4t Lausanne.<\/p>\n<p>Wie viele Menschen nehmen an Cann-L teil?<\/p>\n<p>Mit Stand Ende April 2026 sind \u00fcber 1.750 erwachsene Personen aus Lausanne registriert. Das Durchschnittsalter liegt bei 36 Jahren, rund 75 Prozent der Teilnehmenden sind m\u00e4nnlich. Damit ist Cann-L nach Z\u00fcri Can das zweitgr\u00f6\u00dfte der sieben laufenden Schweizer Pilotprojekte.<\/p>\n<p>Welche Wirkung hat Cann-L auf den Cannabiskonsum?<\/p>\n<p>Eine Auswertung der ersten Kohorte von 670 Personen, die mindestens 18 Monate dabei sind, zeigt eine durchschnittliche Konsumreduktion von 20 Prozent. Der THC-Gehalt der \u00fcber Cann-L vertriebenen Bl\u00fcten liegt bei rund 12,5 Prozent und damit unter dem Niveau des lokalen Schwarzmarktes von etwa 14,5 Prozent.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr den Schwarzmarkt in Lausanne?<\/p>\n<p>Cann-L deckt rund 20 Prozent des gesch\u00e4tzten Cannabis-Konsums in Lausanne ab. Der lokale Schwarzmarkt verliert nach den dokumentierten Verkaufszahlen mindestens zwei Millionen Franken Umsatz. Die offizielle Sch\u00e4tzung gilt als unterer Wert, weil ausschlie\u00dflich nachweisbare Mengen erfasst werden.<\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat Cann-L f\u00fcr die Schweizer Cannabispolitik?<\/p>\n<p>Die Daten aus Lausanne st\u00fctzen die Argumentation f\u00fcr eine bundesweite Regulierung des Cannabismarktes. Bereits Mitte April hat Z\u00fcrich sein Pilotprojekt Z\u00fcri Can bis 2028 verl\u00e4ngert. Sollten Cann-L und die anderen sechs Pilotprojekte stabile Reduktionen, gesundheitliche Verbesserungen und steuerliche Beitr\u00e4ge nachweisen, w\u00e4chst der politische Druck, das Modell in eine regul\u00e4re gesetzliche Grundlage zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 5px;font-size:18px;font-weight:700;color:#1a4b22;\">Branchen-Update<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 12px;font-size:13px;color:#666;\">News, Analysen und Reportagen \u2014 mehrmals im Monat direkt in dein Postfach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u23f1 6 Min. Lesezeit\u00b71.003 W\u00f6rter In der Schweiz nennt man es n\u00fcchtern \u201ePilotversuch\u201c. 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