{"id":120576,"date":"2026-05-12T11:33:09","date_gmt":"2026-05-12T11:33:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/120576\/"},"modified":"2026-05-12T11:33:09","modified_gmt":"2026-05-12T11:33:09","slug":"sitze-fallen-einer-nach-dem-anderen-im-test-durch-airlines-hersteller-und-behoerden-kaempfen-gegen-schleppende-zulassungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/120576\/","title":{"rendered":"Sitze \u00abfallen einer nach dem anderen im Test durch\u00bb: Airlines, Hersteller und Beh\u00f6rden k\u00e4mpfen gegen schleppende Zulassungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Boeing 787-9 selbst waren bereit zur Auslieferung, doch es fehlte etwas: die Zulassung f\u00fcr die Business-Class-Sitze in Lufthansas neuer Allegris-Kabine. So wurde nichts aus dem Plan, schon 2024 bis zu 15 Dreamliner mit der neuen Kabine einzuflotten. Denn die Zertifizierung der unterschiedlichen Sitze von Hersteller Collins Aerospace durch die amerikanische Beh\u00f6rde FAA zog sich immer weiter in die L\u00e4nge.<\/p>\n<p>Erster Aircraft Seat Certification Executive Summit in K\u00f6ln<\/p>\n<p>Die Branche und die Beh\u00f6rden arbeiten nun daran, dass solche F\u00e4lle k\u00fcnftig nicht mehr auftreten. So veranstalteten am 26. Februar 2026 die europ\u00e4ische Luftfahrtbeh\u00f6rde Easa und die FAA im Easa-Hauptquartier in K\u00f6ln erstmals ein Gipfeltreffen namens Aircraft Seat Certification Executive Summit. Vertreterinnen und Vertreter von Sitzherstellern und von Airlines waren anwesend, doch viel drang danach zun\u00e4chst nicht nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit aeroTELEGRAPH sagte Mark Hiller, Chef des Sitzherstellers Recaro, k\u00fcrzlich aber: \u00abEs ging um den Ramp-up, um Verz\u00f6gerungen, darum, was man tun kann, und um einen Ausblick.\u00bb Die Fluggesellschaften h\u00e4tten klargemacht, dass ihnen bei der Kabine Differenzierung wichtig sei und nicht Standardisierung. \u00abEs wurde klar, dass das Thema sich nicht von alleine l\u00f6st, dass wir nicht einfach abwarten k\u00f6nnen, sondern dass die Kapazit\u00e4t erh\u00f6ht werden muss\u00bb, so Hiller. Die Beh\u00f6rden w\u00fcrden nun ihre Kapazit\u00e4ten erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Easa: \u00abRegulatorische Harmonisierung vorantreiben\u00bb<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/tags\/easa\" id=\"9be48ed3-7f68-45d9-b7f0-0ea08ac698f7\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Easa<\/a> erkl\u00e4rt, sie habe im Rahmen des Gipfels angek\u00fcndigt, ihr Expertenteam bis zum Sommer 2026 personell aufzustocken. Zudem gehe \u00abes nicht lediglich um eine Kapazit\u00e4tserweiterung, sondern auch darum, die regulatorische Harmonisierung in diesem Bereich voranzutreiben, regulatorische Anforderungen pr\u00e4ziser zu definieren und die Zusammenarbeit durch spezifische Branchenforen zu intensivieren\u00bb, so ein Easa-Sprecher zu aeroTELEGRAPH. Ziel sei es, L\u00f6sungen zu finden, um Verz\u00f6gerungen zu minimieren &#8211; jedoch stets unter der Pr\u00e4misse, dass die Sicherheit \u00abder oberste Leitstern\u00bb sei.<\/p>\n<p>Die Bem\u00fchungen reichen schon ins vergangene Jahr zur\u00fcck, wie eine Sprecherin der Luftfahrtbeh\u00f6rde der USA erkl\u00e4rt: \u00abIm Dezember 2025 veranstaltete die FAA das erste Pr\u00e4senztreffen in Fort Worth, Texas, um die Perspektive der Industrie hinsichtlich jener Faktoren zu verstehen, die zu Verz\u00f6gerungen bei der Sitzzertifizierung f\u00fchren k\u00f6nnen.\u00bb Es h\u00e4tten Vertreter der Sitzhersteller sowie anderer Regulierungsbeh\u00f6rden teilgenommen. \u00abDie Gruppe identifizierte mehrere Problemfelder, die f\u00fcr Verz\u00f6gerungen verantwortlich sind, und arbeitet nun daran, deren Ursachen sowie m\u00f6gliche L\u00f6sungsans\u00e4tze zu ermitteln.\u00bb<\/p>\n<p>Unreife Sitzentw\u00fcrfe fallen reihenweise bei den Tests durch<\/p>\n<p>Die Easa hat 2025 zudem die Arbeitsgruppe Easa Seat Task Force ins Leben gerufen. Bei der Easa Certification Conference in K\u00f6ln am 11. M\u00e4rz 2026 gaben die Easa- Abteilungsleiter Nabil Ben Mami und Francesco Maria Caridei ein Update dazu. \u00abF\u00fcr uns gibt es nicht einen Tag, an dem wir nicht mit Problemen mit Sitzen zu tun haben\u00bb, sagte Mami zum Einstieg.<\/p>\n<p>Mami zufolge boomt der Sitzmarkt, Airlines w\u00fcrden l\u00e4nger auf Flugzeuge warten und daher h\u00e4ufiger ihre Kabinen neu konfigurieren, besonders in der Business Class. \u00abDamit einher geht eine hohe Nachfrage an uns, diese Sitze zu zertifizieren\u00bb, so der Easa-Abteilungsleiter. Dabei w\u00fcrden die Zeitpl\u00e4ne knapper. Viele Sitze w\u00fcrden pr\u00e4sentiert, die sich quasi noch in der Entwicklung bef\u00e4nden, und \u00abdie fallen einer nach dem anderen im Test durch\u00bb, so Mami.<\/p>\n<p>Sitz-Task-Force der Easa hat rund 30 Ma\u00dfnahmen entwickelt<\/p>\n<p>So hat die Sitz-Task-Force insgesamt rund 30 Ma\u00dfnahmen entwickelt, damit sich die Lage bessert. Unter anderem wird sie zwei zus\u00e4tzliche Flugversuchsingenieure (im Jargon: Flight Test Engineers) einstellen und ein internes Sitz-Zertifizierungstraining entwickeln. Auch will die Beh\u00f6rde \u00fcber Workshops mehr mit Fluggesellschaften selber in Kontakt treten.<\/p>\n<p>Was die Vorschriften angeht, wird die Easa bis sp\u00e4testens zum vierten Quartal 2026 einen Fahrplan erarbeiten. Kurz- und mittelfristig geht es unter anderem darum, das vorhandene Regelwerk besser und flexibler zu nutzen. Langfristig sind auch gr\u00f6\u00dfere Schritte in der Diskussion, wie Mamis und Carideis Pr\u00e4sentation zeigte &#8211; etwa eine Reduzierung der n\u00f6tigen Tests f\u00fcr die Zertifizierung oder die Nutzung von Simulationen als Nachweismethode.<\/p>\n<p>Wobei die Sitzhersteller nun gefragt sind<\/p>\n<p>Zudem formulierte die Easa auch die Erwartungen an die Industrie. So erwartet die Beh\u00f6rde von den Herstellern unter anderem eine \u00abh\u00f6here Designreife vor der Beantragung der Zertifizierung\u00bb. Zudem sind die Verantwortlichen aufgefordert, fr\u00fchzeitig mit der Planung zu beginnen und auch ausreichend Zeit f\u00fcr m\u00f6gliche Wiederholungen von Tests einzuplanen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ermutigt die europ\u00e4ische Beh\u00f6rde die Unternehmen, mehr das umfassende System DOA (Design Organisation Approval) zu nutzen und weniger das AP-DOA (Alternative Procedures to Design Organisation Approval), um mehr Eigenverantwortung zu \u00fcbernehmen und die Easa zu entlasten. Weiterhin r\u00e4t die Beh\u00f6rde zu einer engen Koordination mit den Herstellern der Bordunterhaltungssysteme, damit beim Tausch von Bildschirmen nicht viele Tests des gesamtes Sitze erneut durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Fundierte Recherchen, Einordnung und Unabh\u00e4ngigkeit: Unsere Fachredaktion kennt die Luftfahrt aus Interviews, Daten und Recherchen vor Ort. F\u00fcr den Preis eines Kaffees im Monat unterst\u00fctzen Sie diese Arbeit und lesen aeroTELEGRAPH ohne Werbung. 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