{"id":125842,"date":"2026-05-16T09:20:10","date_gmt":"2026-05-16T09:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/125842\/"},"modified":"2026-05-16T09:20:10","modified_gmt":"2026-05-16T09:20:10","slug":"66-millionen-alter-dinosaurier-knochen-enthaelt-kollagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/125842\/","title":{"rendered":"66 Millionen alter Dinosaurier-Knochen enth\u00e4lt Kollagen"},"content":{"rendered":"<p>Ein 66 Millionen Jahre alter Knochen aus South Dakota zeigt unter dem Mikroskop feine Muster, die eher an frisches Gewebe erinnern als an fossilen Stein. Zwischen Mineralien fanden Forscher Spuren eines Stoffes, der normalerweise in Haut, Sehnen und Knochen vorkommt: Kollagen. Bislang galt: In Dino-Knochen kann nach Millionen Jahren kein Kollagen mehr \u00fcbrig sein.<\/p>\n<p>Der untersuchte Knochen geh\u00f6rte zu einem Edmontosaurus, einem pflanzenfressenden Entenschnabel-Dinosaurier. Das etwa 20 Kilogramm schwere Fossil stammt aus der ber\u00fchmten Hell-Creek-Formation in den USA. Dort fanden Forscher bereits zahlreiche Fossilien aus der sp\u00e4ten <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/aeltester-megaraptor-entdeckt-unerwartete-raubtier-hierarchie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Kreidezeit<\/a>, darunter auch Tyrannosaurus rex.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/pubs.acs.org\/doi\/10.1021\/acs.analchem.4c03115\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Untersuchung<\/a> erschien im Fachjournal Analytical Chemistry. Beteiligt waren unter anderem die <a href=\"https:\/\/news.liverpool.ac.uk\/2025\/01\/31\/discovery-of-collagen-in-fossil-bone-could-unlock-new-insights-into-dinosaurs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">University of Liverpool<\/a> und die UCLA. Mehrere unabh\u00e4ngige Analyseverfahren lieferten dabei Hinweise auf erhaltene Proteinreste im Fossil.<\/p>\n<p>Unter polarisiertem Licht wirken Teile des Knochens ungew\u00f6hnlich lebendig<\/p>\n<p>Schon die ersten Mikroskopaufnahmen fielen den Forschern auf. Einige Bereiche des Fossils reagierten unter polarisiertem Licht \u00e4hnlich wie modernes Knochengewebe. Bestimmte Zonen \u00e4nderten ihre Farbe, wenn die Probe gedreht wurde. Solche optischen Muster entstehen normalerweise dort, wo Kollagenfasern die feinen Mineralstrukturen im Knochen zusammenhalten.<\/p>\n<p>Zum Vergleich untersuchte das Team moderne Truthahnknochen. Die Forscher erhitzten die Knochen k\u00fcnstlich, damit das Kollagen teilweise zerf\u00e4llt. Danach entstanden unter dem Mikroskop sehr \u00e4hnliche Muster wie im Dinosaurierfossil.<\/p>\n<p>\u201eDiese Forschung zeigt zweifelsfrei, dass in einigen Fossilien offenbar noch organische Biomolek\u00fcle wie Kollagen vorhanden sind.\u201c, sagt <a href=\"https:\/\/www.liverpool.ac.uk\/people\/stephen-taylor\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Steve Taylor<\/a> von der University of Liverpool.<\/p>\n<p>Die Mikroskopbilder allein reichten den Forschern jedoch nicht. Deshalb analysierten sie den Knochen zus\u00e4tzlich mit hochaufl\u00f6sender Massenspektrometrie. Mit dieser Methode lassen sich selbst winzige chemische Spuren nachweisen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"538\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/smartup-news.de-66-millionen-alter-dinosaurier-knochen-enthaelt-kollagen-fund-stellt-alte-fossil-the.jpeg\" alt=\"Im Edmontosaurus-Fossil fanden Forscher Kollagen-Fragmente und Spuren der Aminos\u00e4ure Hydroxyprolin. \u00a9 University of Liverpool\" class=\"wp-image-57724\"  \/>\u00a9 University of Liverpool Im Edmontosaurus-Fossil fanden Forscher Kollagen-Fragmente und Spuren der Aminos\u00e4ure Hydroxyprolin. \u00a9 University of Liverpool<\/p>\n<p>Dinosaurier-Kollagen taucht in mehreren Tests auf<\/p>\n<p>Die Forscher suchten unter anderem nach Hydroxyprolin. Diese Aminos\u00e4ure kommt in Knochen vor allem in Kollagen vor und gilt deshalb als wichtiger Hinweis auf das Protein. In den Proben aus dem Edmontosaurus-Fossil fanden sie tats\u00e4chlich messbare Mengen.<\/p>\n<p>Je nach Probe lagen die Werte zwischen 6,7 und 41,7 Nanomol pro Gramm Knochen. F\u00fcr ein Fossil aus der Kreidezeit ist das auff\u00e4llig. Zudem stie\u00dfen die Forscher auf mehrere Kollagen-Fragmente, die bereits aus fr\u00fcheren Analysen anderer Dinosaurierfossilien bekannt waren.<\/p>\n<p>Besonders auff\u00e4llig waren \u00c4hnlichkeiten mit fr\u00fcher untersuchten Proben von Tyrannosaurus rex sowie mit einem anderen Entenschnabel-Dinosaurier namens Brachylophosaurus. Insgesamt entdeckte das Team mindestens 41 Fragmente von Kollagen-Proteinen.<\/p>\n<p>Die Eiwei\u00dfreste wirkten stark zerfallen und chemisch ver\u00e4ndert. Aus Sicht der Forscher spricht das gegen moderne Verunreinigungen. Frische Proteine w\u00fcrden wesentlich vollst\u00e4ndiger aussehen.<\/p>\n<p>Alte Vorstellung von Fossilien ger\u00e4t ins Wanken<\/p>\n<p>\u00dcber Jahrzehnte dominierte in der Pal\u00e4ontologie die Annahme, dass Fossilien vollst\u00e4ndig mineralisiert sind. Organische Molek\u00fcle wie Proteine galten als zu instabil, um Zeitr\u00e4ume von zig Millionen Jahren zu \u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Die neue Studie widerspricht dieser Vorstellung zumindest teilweise. Offenbar k\u00f6nnen unter bestimmten Bedingungen kleine Reste biologischer Molek\u00fcle deutlich l\u00e4nger erhalten bleiben. \u201eUnsere Ergebnisse haben weitreichende Folgen\u201c, sagt Taylor. \u201eSie widerlegen die Hypothese, dass organische Stoffe in Fossilien zwangsl\u00e4ufig auf Verunreinigungen zur\u00fcckgehen.\u201c<\/p>\n<p>Warum Kollagen f\u00fcr die Forschung so interessant ist<\/p>\n<p>Kollagen geh\u00f6rt zu den h\u00e4ufigsten Proteinen bei Wirbeltieren. Knochen enthalten besonders viel davon. Deshalb eignet sich der Stoff gut, um nach biologischen Resten in Fossilien zu suchen.<\/p>\n<p>Die Untersuchung k\u00f6nnte Folgen f\u00fcr viele alte Dinosaurierfunde haben. In Museen und Sammlungen lagern seit Jahrzehnten d\u00fcnne Gesteinsschnitte von Fossilien, die unter polarisiertem Licht erneut untersucht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Studie nennt mehrere m\u00f6gliche Folgen:<\/p>\n<p>Alte Fossilien k\u00f6nnten erneut auf erhaltene Biomolek\u00fcle gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Dinosaurierarten lie\u00dfen sich genauer vergleichen.<\/p>\n<p>Forscher k\u00f6nnten besser verstehen, wie Eiwei\u00dfe \u00fcber Millionen Jahre erhalten bleiben.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere Funde von Proteinresten in Dinosaurierknochen bekommen neue Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Neue Dino-Spuren st\u00fctzen umstrittene T.-rex-Funde<\/p>\n<p>Bereits fr\u00fchere Untersuchungen hatten angebliche Proteinreste in Fossilien von <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/er-kam-aus-asien-was-forscher-ueber-t-rex-herausfanden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Tyrannosaurus rex<\/a> beschrieben. Diese Ergebnisse wurden damals heftig diskutiert. Kritiker hielten Verunreinigungen im Labor f\u00fcr wahrscheinlicher als echte Dinosaurier-Proteine.<\/p>\n<p>Noch bleiben viele Fragen offen. Die Forscher wissen bislang nicht, warum manche Fossilien Biomolek\u00fcle bewahren und andere nicht. Klar scheint jedoch: Manche Dinosaurierknochen enthalten offenbar mehr als nur versteinerte Mineralien. Zwischen den Kristallen k\u00f6nnten noch winzige Reste urspr\u00fcnglichen Gewebes verborgen liegen \u2013 selbst nach rund 70 Millionen Jahren.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Forscher der University of Liverpool und der UCLA fanden in einem 66 Millionen Jahre alten Edmontosaurus-Knochen aus der Hell-Creek-Formation Hinweise auf Kollagen.<\/p>\n<p>Mehrere Tests st\u00fctzen den Befund: Unter polarisiertem Licht wirkten Teile des Fossils wie kollagenhaltiges Knochengewebe, zudem fanden die Forscher Hydroxyprolin und mindestens 41 Kollagen-Fragmente.<\/p>\n<p>Der Fund stellt die alte Annahme infrage, dass in Dinosaurierknochen keine urspr\u00fcnglichen Proteine erhalten bleiben k\u00f6nnen, und st\u00fctzt fr\u00fchere umstrittene T.-rex-Funde.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Nicht die gro\u00dfen K\u00e4mpfe machten viele Raubdinosaurier satt, sondern der schutzlose Nachwuchs riesiger Pflanzenfresser. Warum Baby-Dinosaurier die Nahrungskette der Urzeit st\u00fctzten, mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/kein-gigantenkampf-beute-der-raeuber-waren-baby-dinosaurier\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 University of Liverpool<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein 66 Millionen Jahre alter Knochen aus South Dakota zeigt unter dem Mikroskop feine Muster, die eher an&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":125843,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[17],"tags":[46,27979,25599,67,66,21087,31763,25600,31764,25602,3201,45,26664,44],"class_list":["post-125842","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-ch","tag-dinosaurier","tag-fossil","tag-gesundheit","tag-health","tag-knochen","tag-kollagen","tag-kreidezeit","tag-massenspektrometrie","tag-palaeontologie","tag-protein","tag-schweiz","tag-smart-up-news","tag-switzerland"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116583511551005688","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=125842"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125842\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/125843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=125842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=125842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=125842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}