{"id":136230,"date":"2026-05-23T14:33:08","date_gmt":"2026-05-23T14:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/136230\/"},"modified":"2026-05-23T14:33:08","modified_gmt":"2026-05-23T14:33:08","slug":"hoffnung-bei-depression-ketamin-lachgas-und-hirnstimulation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/136230\/","title":{"rendered":"Hoffnung bei Depression: Ketamin, Lachgas und Hirnstimulation"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Yiistocking-4576666c6cacdfa9.jpeg\"  width=\"6240\" height=\"3506\"  alt=\"Junge Frau mit einem wei\u00dfen, Stirn und Schl\u00e4fen umschlie\u00dfenden Ger\u00e4t. Im Hintergrund ein \u00dcberwachungsmonitor.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Transkraniale magnetische Stimulationstherapie gegen Depressionen oder Angstzust\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Yiistocking, <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/caucasian-girl-her-20s-30s-undergoes-2552612187\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">shutterstock<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">F\u00fcr Menschen mit therapieresistenter Depression gibt es bisher kaum Hilfen. Schnell wirkende Medikamente und Neuromodulation k\u00f6nnten das in Zukunft \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Weltweit leiden etwa 280 Millionen Menschen an Depressionen. Bei rund einem Drittel helfen herk\u00f6mmliche Antidepressiva nicht oder nicht ausreichend. Dieser Zustand wird als therapieresistente Depression bezeichnet und kann Jahrzehnte dauern.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Wissenschaftler testen nun neuartige Behandlungsans\u00e4tze, die schneller wirken und auch schwer kranken Patienten Linderung verschaffen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ketamin<\/p>\n<p>Ketamin ist als Narkosemittel und illegale Droge bekannt. Seit einigen Jahren wird es jedoch auch als Antidepressivum <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Durchbruch-in-der-Depressionsforschung-Ketamin-als-neuer-Hoffnungsschimmer-9833848.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erforscht<\/a>. Anders als klassische Medikamente, die auf Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin wirken und Wochen bis zum Wirkeintritt ben\u00f6tigen, kann Ketamin depressive Symptome innerhalb von Minuten lindern. Die Wirkung h\u00e4lt mehrere Tage an.<\/p>\n<p>Forscher der Yokohama City University in Japan haben nun den Mechanismus hinter dieser Wirkung genauer <a href=\"https:\/\/www.yokohama-cu.ac.jp\/english\/news\/20260306takahashi.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">untersucht<\/a>. Demnach unterdr\u00fcckt Ketamin gezielt die neuronale Aktivit\u00e4t in einer Habenula genannten Hirnregion, die bei Depressionen \u00fcberaktiv ist. Ketamin bewirkte jedoch keine gleichm\u00e4\u00dfigen Ver\u00e4nderungen im gesamten Gehirn.<\/p>\n<p>In einigen Bereichen der Gro\u00dfhirnrinde stieg die Dichte bestimmter Rezeptoren, die die Kommunikation zwischen Nervenzellen regeln. In anderen Regionen, die mit der Verarbeitung von Belohnungen verbunden sind, insbesondere der Habenula, sanken sie dagegen. Diese Verschiebungen korrelierten stark mit der Verbesserung depressiver Symptome.<\/p>\n<p>Die Forscher hoffen nun, dass die Bildgebung k\u00fcnftig dazu dienen k\u00f6nnte, um vorherzusagen, welche Patienten auf Ketamin ansprechen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Lachgas<\/p>\n<p>Auch Lachgas, medizinisch als Stickstoffdioxid bekannt, wird als schnell wirkendes Antidepressivum untersucht. Eine Meta-Analyse der University of Birmingham, <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/ebiom\/article\/PIIS2352-3964(25)00467-0\/fulltext\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlicht<\/a> in eBioMedicine, wertete sieben klinische Studien aus. Die Forscher untersuchten die Wirkung von klinisch verabreichtem Lachgas bei Erwachsenen mit schwerer und\/oder therapieresistenter Depression.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Die Analyse zeigte, dass schon eine einzelne Sitzung mit 50-prozentiger Lachgas-Inhalation innerhalb von 24 Stunden zu schnellen und bedeutsamen Verbesserungen der depressiven Symptome f\u00fchrte. Diese Verbesserungen hielten jedoch nicht l\u00e4nger als eine Woche an. Erst bei wiederholten Behandlungen \u00fcber mehrere Wochen zeigten sich l\u00e4nger anhaltende Effekte.<\/p>\n<p>Lachgas wirkt vermutlich \u00e4hnlich wie Ketamin auf Glutamat-Rezeptoren. Dies k\u00f6nnte auch die rasche Stimmungsaufhellung erkl\u00e4ren. Kiranpreet Gill, Doktorandin an der University of Birmingham und Erstautorin der Studie, sagte, Lachgas k\u00f6nnte Teil einer neuen Generation schnell wirkender Depressionsbehandlungen werden.<\/p>\n<p>Zu den Nebenwirkungen von Lachgas z\u00e4hlten \u00dcbelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Diese Beschwerden waren jedoch kurzlebig und verschwanden ohne medizinische Behandlung. H\u00f6here Dosen bei 50 Prozent Konzentration f\u00fchrten dagegen h\u00e4ufiger zu Nebenwirkungen. Langzeitstudien zur Sicherheit fehlen bislang.<\/p>\n<p>Vagusnerv-Stimulation<\/p>\n<p>F\u00fcr Patienten mit schwerer, chronischer Depression k\u00f6nnte die Vagusnerv-Stimulation eine Option sein. Diese Therapie verwendet ein chirurgisch implantiertes Ger\u00e4t, das unter der Haut im Brustbereich platziert wird. Das Ger\u00e4t sendet kontrollierte elektrische Signale an den linken Vagusnerv, einen wichtigen Kommunikationsweg zwischen Gehirn und inneren Organen.<\/p>\n<p>Die 500 Teilnehmer an der entsprechenden klinischen Studie Washington University School of Medicine hatten im Durchschnitt seit 29 Jahren mit Depressionen gelebt und diverse Behandlungen ohne Erfolg ausprobiert. Etwa drei Viertel der Teilnehmer waren so schwer erkrankt, dass sie nicht arbeiten konnten.<\/p>\n<p>In der Versuchsgruppe, die Behandlung erhielt, zeigten nach einem Jahr rund zwei Drittel der Teilnehmer eine bedeutende Verbesserung in mindestens einem der gemessenen Bereiche Depression, Lebensqualit\u00e4t und Alltagsfunktion. Von diesen konnten wiederum \u00fcber 80 Prozent ihre Verbesserungen zwei Jahre lang aufrechterhalten oder sogar steigern.<\/p>\n<p>Und selbst ein Drittel der Teilnehmer, die nach dem ersten Jahr keine Verbesserung zeigten, berichteten am Ende des zweiten Jahres von Vorteilen. Dies deutet darauf hin, dass die Therapie bei manchen Menschen l\u00e4nger braucht, um zu wirken. Die R\u00fcckfallraten blieben durchweg niedrig, <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/ijnp\/article\/29\/1\/pyaf080\/8423597\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">berichten<\/a> die Forscher im International Journal of Neuropsychopharmacology.<\/p>\n<p>Fortschritte auch bei der Magnetstimulation<\/p>\n<p>Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist eine bereits etablierte Behandlung f\u00fcr therapieresistente Depression. Sie nutzt magnetische Impulse, um gezielt Hirnareale zu aktivieren, die mit der Stimmung verbunden sind. Doch normalerweise m\u00fcssen Patienten sechs bis acht Wochen lang jeden Werktag eine Klinik aufsuchen.<\/p>\n<p>Forscher der University of California testeten nun, ob TMS auch innerhalb eines deutlich k\u00fcrzeren Zeitplans durchgef\u00fchrt werden kann. Ihr Ansatz umfasste f\u00fcnf Sitzungen pro Tag an f\u00fcnf aufeinanderfolgenden Tagen, bekannt als &#171;5&#215;5&#187;-Protokoll. Die Ergebnisse wurden im Journal of Affective Disorders <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0165032726001965\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlicht<\/a>.<\/p>\n<p>An der Studie nahmen 175 Patienten mit therapieresistenter Depression teil. Unabh\u00e4ngig davon, ob sie das Standardprotoll \u00fcber sechs Wochen oder das beschleunigte Format durchliefen, erlebten die Patienten signifikante Verbesserungen ihrer depressiven Symptome. Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Behandlungspl\u00e4nen.<\/p>\n<p>Verz\u00f6gerte Wirkung m\u00f6glich<\/p>\n<p>Eine bemerkenswerte Beobachtung betraf allerdings die Patienten im beschleunigten Format, die unmittelbar nach Abschluss der Behandlung kaum Fortschritte zeigten. Als die Forscher jedoch zwei bis vier Wochen sp\u00e4ter nachpr\u00fcften, zeigten diese Personen eine erhebliche Verbesserung. Dies legt im Umkehrschluss nahe, dass die Bewertung der beschleunigten TMS direkt am Ende der f\u00fcnf Tage nicht das vollst\u00e4ndige Bild zeigt.<\/p>\n<p>\u00dcber die Depression hinaus untersuchen Wissenschaftler der UCLA \u00fcbrigens auch, ob TMS bei anderen Erkrankungen wie Zwangsst\u00f6rungen und chronische Schmerzen helfen k\u00f6nnte. Mit der Ausweitung der Forschung k\u00f6nnte TMS eine wachsende Rolle in der n\u00e4chsten Generation hirnbasierter Behandlungen f\u00fcr psychische Gesundheit spielen.<\/p>\n<p>Leiden Sie an Depressionen oder jemand, den Sie kennen? Die Telefonseelsorge bietet rund um die Uhr kostenfrei und anonym Unterst\u00fctzung unter der Telefonnummer 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Weitere Informationen und Hilfsangebote sind online unter <a href=\"https:\/\/www.telefonseelsorge.de\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">telefonseelsorge.de<\/a> und bei der <a href=\"https:\/\/www.deutsche-depressionshilfe.de\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Deutschen Depressionshilfe<\/a> verf\u00fcgbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Transkraniale magnetische Stimulationstherapie gegen Depressionen oder Angstzust\u00e4nde. 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