{"id":14233,"date":"2026-02-21T10:54:09","date_gmt":"2026-02-21T10:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/14233\/"},"modified":"2026-02-21T10:54:09","modified_gmt":"2026-02-21T10:54:09","slug":"clarity-act-krypto-industrie-verliert-zinskrieg-gegen-die-bankenlobby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/14233\/","title":{"rendered":"CLARITY Act: Krypto-Industrie verliert Zinskrieg gegen die Bankenlobby"},"content":{"rendered":"<p>Das US-Repr\u00e4sentantenhaus verabschiedete den Digital Asset Market Clarity Act im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen. Das Gesetz sollte regulatorische Klarheit f\u00fcr den gesamten Krypto-Markt schaffen. Doch im Senat stockt der CLARITY Act seither &#8211; denn er hat einen Grundsatzkonflikt ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Im Zentrum steht die Frage, ob Stablecoin-Anbieter ihren Kunden Renditen zahlen d\u00fcrfen oder ob dieses Gesch\u00e4ft den Banken vorbehalten bleibt. Das Senate Banking Committee verschob seine geplante Markup-Sitzung am 14. Januar 2026 auf unbestimmte Zeit. Die Bankenlobby fordert \u00fcber Section 404 des Gesetzes ein vollst\u00e4ndiges Verbot von Stablecoin-Renditen. Die Krypto-Industrie wehrt sich. Um den Konflikt zu l\u00f6sen, lud das Weisse Haus <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/fokus\/legal-compliance\/white-house-vermittelt-im-clarity-act-zinsstreit-ohne-ergebnis\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">beide Seiten zu Verhandlungen ein<\/a>. Drei Meetings innerhalb von 17 Tagen brachten allerdings kein Abkommen &#8211; und f\u00fcr die Krypto-Industrie zeichnet sich eine Niederlage ab.<\/p>\n<p>Drei Meetings, wachsender Druck<\/p>\n<p>Am 2. Februar trafen sich Vertreter von Coinbase, Circle, Ripple und Crypto.com erstmals im Weissen Haus. Die Krypto-Seite pr\u00e4sentierte ihre Position: Renditen auf Stablecoins seien ein zentraler Konsumentennutzen und kein Ersatz f\u00fcr Bankeinlagen. Acht Tage sp\u00e4ter folgte ein zweites Meeting, diesmal auch mit dem Bank Policy Institute und der American Bankers Association am Tisch. Die Bankenvertreter legten ein &#171;Principles Document&#187; vor und forderten darin ein vollst\u00e4ndiges Verbot von Stablecoin-Renditen. Ein Kompromiss kam nicht zustande.<\/p>\n<p>Das dritte Meeting am 19. Februar verlief anders. Der Teilnehmerkreis war kleiner: Coinbase, Ripple und a16z auf Krypto-Seite, die Banken nur noch \u00fcber Handelsverb\u00e4nde vertreten. Patrick Witt, Executive Director des President&#8217;s Council for Advisors for Digital Assets, \u00fcbernahm die F\u00fchrung. Anders als bei den ersten beiden Treffen liess das Weisse Haus diesmal weder Krypto-Firmen noch Bankenvertreter die Diskussion steuern. Witt legte einen eigenen Gesetzesentwurf vor, der zum zentralen Verhandlungsgegenstand wurde.<\/p>\n<p>Passive Renditen vom Tisch, harte Strafen geplant<\/p>\n<p>Das Ergebnis f\u00e4llt klar zugunsten der Banken aus. Renditen auf ruhende Stablecoin-Guthaben &#8211; also genau das, was Plattformen wie Coinbase ihren Kunden bieten &#8211; sollen verboten werden. Die Debatte beschr\u00e4nkt sich demnach nur noch auf Belohnungen, die an bestimmte Aktivit\u00e4ten gekoppelt sind. F\u00fcr Stablecoin-Halter, die einfach Guthaben halten und daf\u00fcr Zinsen erwarten, \u00e4ndert sich somit alles.<\/p>\n<p>Der Entwurf geht jedoch noch weiter. SEC, Treasury und CFTC sollen Durchsetzungsbefugnisse erhalten, um das Verbot von Renditen auf ruhende Guthaben zu \u00fcberwachen. Verst\u00f6sse sollen mit Geldstrafen von 500&#8217;000 USD pro Vergehen und pro Tag geahndet werden. Die Krypto-Industrie steht damit vor einer neuen regulatorischen Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Teilnehmer beider Seiten beschrieben das Treffen \u00f6ffentlich als &#171;produktiv&#187; und &#171;konstruktiv&#187;. Hinter verschlossenen T\u00fcren sieht die Lage anders aus. Die Krypto-Industrie hat ihre zentrale Forderung &#8211; Renditen auf idle Balances &#8211; faktisch verloren.<\/p>\n<p>&#171;Es f\u00fchlte sich f\u00fcr mich zutiefst unfair an, dass eine Industrie hereinkommen und regulatorische Vereinnahmung betreiben kann, um ihre Konkurrenz zu verbieten.&#187; &#8211; Brian Armstrong, CEO, Coinbase<\/p>\n<p>Wettbewerbsschutz statt Einlagensicherheit<\/p>\n<p>Die Bankenlobby begr\u00fcndet ihre Forderungen offiziell mit dem Risiko einer &#171;Deposit Flight&#187;. Laut einer Branchenanalyse k\u00f6nnten 6.6 Billionen USD an Einlagen zu Stablecoins abfliessen. Allein bei Kommunalbanken prognostizieren Sch\u00e4tzungen Abfl\u00fcsse von 1.3 Billionen USD. Die lokale Kreditvergabe k\u00f6nnte daher um 850 Milliarden USD sinken.<\/p>\n<p>Teilnehmer des dritten Meetings zeichnen allerdings ein anderes Bild. Ein Vertreter der Krypto-Seite <a href=\"https:\/\/x.com\/EleanorTerrett\/status\/2024644096569332040\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">erkl\u00e4rte<\/a> gegen\u00fcber der unabh\u00e4ngigen Journalistin Eleanor Terrett, die Bedenken der Banken st\u00fcnden st\u00e4rker mit Wettbewerbsdruck in Zusammenhang als mit tats\u00e4chlicher Einlagenflucht. Der Renditeunterschied macht diese Motivation offensichtlich. Traditionelle Sparkonten bei grossen US-Banken bieten derzeit 0.1 bis 0.5 Prozent Zinsen. Stablecoin-Plattformen zahlen hingegen 3 bis 5 Prozent. F\u00fcr Kunden, die mehrere Tausend Dollar halten, macht ein Faktor zehn bei der Verzinsung klassische Sparkonten schlicht unattraktiv. Statt ihr Angebot zu verbessern, w\u00e4hlen die Banken entsprechend den politischen Weg und lassen die Konkurrenz verbieten.<\/p>\n<p>Deadline Ende Februar, Ausgang offen<\/p>\n<p>Nach dem dritten Meeting sollen die Banken-Handelsverb\u00e4nde ihre Mitglieder \u00fcber die Ergebnisse informieren und ausloten, ob ein Kompromiss bei aktivit\u00e4tsgebundenen Belohnungen m\u00f6glich ist. Die Deadline Ende Februar gilt laut Teilnehmern als realistisch. Senator Bernie Moreno erwartet eine Verabschiedung des CLARITY Act &#171;hoffentlich bis April&#187;. Ripple-CEO Brad Garlinghouse sieht eine 80-prozentige Chance auf Verabschiedung bis Ende April 2026.<\/p>\n<p>Die Ausgangslage hat sich jedoch grundlegend verschoben. Die Krypto-Industrie verhandelt nicht mehr \u00fcber die Frage, ob passive Renditen erlaubt werden. Sie verhandelt nur noch \u00fcber den Umfang der Restbelohnungen, die ihr die Bankenlobby zugesteht. F\u00fcr eine Branche, die angetreten ist, das Finanzsystem zu demokratisieren, ist das ein bitteres Ergebnis. Die Banken haben erreicht, was sie wollten &#8211; nicht durch bessere Produkte, sondern durch politischen Einfluss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das US-Repr\u00e4sentantenhaus verabschiedete den Digital Asset Market Clarity Act im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen. 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