{"id":142629,"date":"2026-05-28T08:01:12","date_gmt":"2026-05-28T08:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/142629\/"},"modified":"2026-05-28T08:01:12","modified_gmt":"2026-05-28T08:01:12","slug":"hautkrebs-verraet-sich-ueber-waerme-tattoo-soll-ihn-frueher-erkennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/142629\/","title":{"rendered":"Hautkrebs verr\u00e4t sich \u00fcber W\u00e4rme \u2013 Tattoo soll ihn fr\u00fcher erkennen"},"content":{"rendered":"<p>Je fr\u00fcher \u00c4rzte ein Melanom entdecken, desto besser sind oft die Behandlungschancen. Das Problem: Besonders kleine und aggressive Tumoren bleiben h\u00e4ufig lange unbemerkt. Sie verursachen noch keine auff\u00e4lligen Ver\u00e4nderungen auf der Haut und entgehen deshalb selbst ge\u00fcbten Blicken. Forscher aus Kanada verfolgen nun einen ungew\u00f6hnlichen Ansatz. Ein intelligentes\u00a0Tattoo\u00a0soll\u00a0Hautkrebs\u00a0\u00fcber winzige W\u00e4rmever\u00e4nderungen erkennen, noch bevor sichtbare Anzeichen auftreten.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr entwickelten sie ein intelligentes Tattoo, das kleinste Temperaturunterschiede in der Haut misst. In Versuchen entdeckte das System Mikro-Melanome bereits wenige Tage nach ihrem Wachstum. Die Ergebnisse ver\u00f6ffentlichte das Forschungsteam in der Fachzeitschrift\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s44460-026-00078-4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Nature Sensors<\/a>. Beteiligt waren Wissenschaftler des Institut national de la recherche scientifique (INRS) und der <a href=\"https:\/\/nouvelles.umontreal.ca\/en\/article\/2026\/05\/22\/an-intelligent-tattoo-to-detect-skin-cancer-before-it-appears\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Universit\u00e4t Montreal<\/a>.<\/p>\n<p>Hautkrebs verr\u00e4t sich im Tattoo durch W\u00e4rme<\/p>\n<p>Der neue Ansatz nutzt eine Eigenschaft von <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/wie-krebszellen-den-rueckfall-vorbereiten-und-therapien-ueberlisten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Krebszellen<\/a>, die vielen Menschen nicht bekannt ist: Tumorzellen ben\u00f6tigen besonders viel Energie. Daf\u00fcr verbrauchen sie mehr Sauerstoff und N\u00e4hrstoffe als gesundes Gewebe. Dieser erh\u00f6hte Stoffwechsel erzeugt zus\u00e4tzliche W\u00e4rme. Mediziner kennen diesen Effekt seit Langem. F\u00fcr die Diagnostik spielte er bislang jedoch kaum eine Rolle. Die Temperaturunterschiede waren meist zu klein und zu ungenau messbar.<\/p>\n<p>Diese W\u00e4rme wollen die Forscher sichtbar machen. Das gelingt mit einem tempor\u00e4ren Tattoo aus winzigen Nanopartikeln. Sie gelangen mithilfe schmerzfreier Mikronadeln knapp unter die Haut. Dort verhalten sie sich wie ein dichtes Netz aus mikroskopisch kleinen Thermometern.<\/p>\n<p>Wird die Haut anschlie\u00dfend mit nahem Infrarotlicht beleuchtet, senden die Partikel sichtbares Licht aus. Die Dauer dieses Lichtsignals ver\u00e4ndert sich abh\u00e4ngig von der Temperatur. Daraus errechnet das System eine detaillierte W\u00e4rmekarte der Haut.<\/p>\n<p>Hautkrebs fiel bereits nach vier Tagen auf<\/p>\n<p>Das System erkannte Mikro-Melanome bereits vier Tage nach ihrem Wachstum. Solche Tumoren sind in diesem Stadium normalerweise viel zu klein, um bei einer Sichtkontrolle aufzufallen. Auch viele bildgebende Verfahren sto\u00dfen hier an ihre Grenzen.<\/p>\n<p>\u201eUnser Ziel ist es, ein minimalinvasives Werkzeug zu entwickeln, das sehr kleine, aber dennoch aggressive Melanome erkennt\u201c, sagt Studienleiter <a href=\"https:\/\/inrs.ca\/en\/research\/professors\/jinyang-liang\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Jinyang Liang<\/a>, Professor f\u00fcr ultraschnelle Bildgebung und Biophotonik am INRS.<\/p>\n<p>Er erg\u00e4nzt: \u201eAufgrund ihrer geringen Gr\u00f6\u00dfe werden diese Melanome bei der klinischen Sichtpr\u00fcfung h\u00e4ufig \u00fcbersehen. Wir wollen sie erkennen, damit so fr\u00fch wie m\u00f6glich eingegriffen werden kann.\u201c F\u00fcr die <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/frueherkennung-per-bluttest-krebs-drei-jahre-vorher-nachweisbar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Fr\u00fcherkennung<\/a> k\u00f6nnte dieser Vorsprung entscheidend sein. Besonders beim schwarzen Hautkrebs spielt die Zeit eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Die Technik misst Temperatur extrem genau<\/p>\n<p>Das System tr\u00e4gt den Namen SMEAR-ULM. Hinter der Abk\u00fcrzung steckt eine Kombination aus Mikronadeln, speziellen Nanopartikeln und einer ultraschnellen optischen Kamera. Die technischen Daten fallen beeindruckend aus:<\/p>\n<p>Temperaturunterschiede von nur 0,1 Grad Celsius werden erfasst.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung liegt im Submillimeterbereich.<\/p>\n<p>Die Messung erfolgt in Echtzeit mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde.<\/p>\n<p>Dadurch lassen sich selbst kleinste Temperaturver\u00e4nderungen sichtbar machen. Herk\u00f6mmliche W\u00e4rmebildkameras erreichen diese Genauigkeit oft nicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"525\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/smartup-news.de-hautkrebs-verraet-sich-ueber-waerme-intelligentes-tattoo-soll-tumoren-frueher-erkenn.jpeg\" alt=\"Ein Tattoo aus Mikronadeln und Nanopartikeln soll Hautkrebs fr\u00fcher erkennen. Die Technik ist noch pr\u00e4klinisch.\" class=\"wp-image-58811\" style=\"width:700px;height:auto\"  \/>\u00a9 Jinyang Liang Im Labor von Jinyang Liang am INRS sitzt das SMEAR-ULM-System auf einem Roboterarm. Der mobile Wagen soll eine pr\u00e4zise und automatische Positionierung erm\u00f6glichen. \u00a9 Jinyang Liang<\/p>\n<p>Warum bisherige Verfahren h\u00e4ufig sp\u00e4ter reagieren<\/p>\n<p>W\u00e4rmebildtechnik kommt in der Medizin bereits seit Jahren zum Einsatz. F\u00fcr die Hautkrebs-Fr\u00fcherkennung spielte sie bisher allerdings kaum eine Rolle. Der Grund liegt in der begrenzten Genauigkeit. Laut den Forschern erkennen klassische thermische Verfahren Tumoren meist erst ab einer Gr\u00f6\u00dfe von mehr als f\u00fcnf Millimetern. Solche Ver\u00e4nderungen sind oft bereits mit blo\u00dfem Auge sichtbar.<\/p>\n<p>Die neue Technik soll deutlich fr\u00fcher reagieren. Statt nur grobe Temperaturunterschiede zu erfassen, erstellt sie eine hochaufl\u00f6sende W\u00e4rmekarte direkt an der betroffenen Hautstelle.<\/p>\n<p>\u201eWir erfassen alle notwendigen Informationen f\u00fcr eine sofortige Temperaturkarte mit nur einer Aufnahme\u201c, sagt Erstautor <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/citations?user=4nxm52AAAAAJ&amp;hl=en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Yingming Lai<\/a>, Postdoktorand am INRS. Dadurch eigne sich das Verfahren auch f\u00fcr die kontinuierliche Beobachtung kleiner Melanome unter realistischen biologischen Bedingungen. Nach Ansicht der Forscher wird die Hauttemperatur damit erstmals zu einem pr\u00e4zise messbaren biologischen Marker f\u00fcr fr\u00fche Melanome.<\/p>\n<p>Ein Mausmodell mit N\u00e4he zum Menschen<\/p>\n<p>Noch ist die Technologie kein Verfahren f\u00fcr Arztpraxen oder Hautkliniken. Die Untersuchungen liefen bislang an M\u00e4usen. Dieser Punkt ist wichtig f\u00fcr die Einordnung der Ergebnisse. Gleichzeitig verweisen die Wissenschaftler darauf, dass das verwendete Tiermodell genetische Ver\u00e4nderungen aufweist, die auch bei menschlichen Melanomen vorkommen.<\/p>\n<p>\u201eObwohl diese Untersuchung an M\u00e4usen durchgef\u00fchrt wurde, bildet dieses Tiermodell die genetischen Ver\u00e4nderungen menschlicher Melanome nach und k\u00f6nnte daher Patienten zugutekommen\u201c, sagt <a href=\"https:\/\/www.iric.ca\/en\/research\/principal-investigators\/sylvain-meloche\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Sylvain Meloche <\/a>vom Institut f\u00fcr Immunologie und Krebsforschung der Universit\u00e4t Montreal.<\/p>\n<p>Die Forscher sehen noch einen weiteren m\u00f6glichen Vorteil. Das Verfahren k\u00f6nnte k\u00fcnftig helfen, unn\u00f6tige Biopsien zu vermeiden. Verd\u00e4chtige Hautstellen lie\u00dfen sich schneller und ohne Gewebeentnahme beurteilen.<\/p>\n<p>Das intelligente Tattoo k\u00f6nnte weitere Krankheitszeichen messen<\/p>\n<p>Die Entwickler sehen langfristig weitere Einsatzm\u00f6glichkeiten. Das System erfasst nicht nur Temperaturver\u00e4nderungen. K\u00fcnftig k\u00f6nnten \u00e4hnliche <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/tattoos-loesen-entzuendungen-aus-und-veraendern-das-immunsystem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Tattoos<\/a> auch andere biologische Werte messen:<\/p>\n<p>den pH-Wert im Gewebe<\/p>\n<p>bestimmte Ionenkonzentrationen<\/p>\n<p>weitere krankheitsrelevante Ver\u00e4nderungen<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnte sich die Technologie zu einer vielseitigen Plattform f\u00fcr medizinische Diagnostik entwickeln. Der erste Einsatzbereich bleibt jedoch die m\u00f6glichst fr\u00fche Erkennung von Hautkrebs.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Ein intelligentes\u00a0Tattoo zur Hautkrebs-Fr\u00fcherkennung\u00a0erkannte in Versuchen Mikro-Melanome bereits vier Tage nach ihrem Wachstum und machte kleinste W\u00e4rmever\u00e4nderungen sichtbar.<\/p>\n<p>Krebszellen erzeugen durch ihren hohen Energieverbrauch zus\u00e4tzliche W\u00e4rme. Nanopartikel und Mikronadeln erfassen diese Signale und erstellen eine hochaufl\u00f6sende W\u00e4rmekarte der Haut.<\/p>\n<p>Die Technik wurde bislang nur an M\u00e4usen getestet, k\u00f6nnte Hautkrebs k\u00fcnftig jedoch deutlich fr\u00fcher erkennen als heutige Verfahren und sp\u00e4ter auch weitere biologische Ver\u00e4nderungen im Gewebe messen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens:\u00a0W\u00e4hrend ein intelligentes\u00a0Tattoo\u00a0verd\u00e4chtige W\u00e4rmever\u00e4nderungen sichtbar machen und\u00a0Hautkrebs\u00a0fr\u00fcher erkennen soll, verfolgt eine andere Entwicklung einen ganz anderen Ansatz. Ein neues Eisen-Nanomaterial beseitigte im Mausmodell Brustkrebs vollst\u00e4ndig, ohne gesundes Gewebe erkennbar zu sch\u00e4digen. Mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/eisen-nanomaterial-zerstoert-krebs-und-schont-gesundes-gewebe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/foto-mit-flachem-fokus-einer-person-die-den-rechten-arm-tatowiert-zeT_i6av9rU\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Unsplash<\/a><\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Je fr\u00fcher \u00c4rzte ein Melanom entdecken, desto besser sind oft die Behandlungschancen. 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