{"id":146238,"date":"2026-05-30T16:56:27","date_gmt":"2026-05-30T16:56:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/146238\/"},"modified":"2026-05-30T16:56:27","modified_gmt":"2026-05-30T16:56:27","slug":"was-die-neue-amazon-serie-off-campus-sehenswert-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/146238\/","title":{"rendered":"Was die neue Amazon-Serie Off Campus sehenswert macht"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Manchmal macht es sich der Algorithmus zu einfach. Es ist ja nicht so, dass man sich gleich begeistert auf und in alle Serien st\u00fcrzen m\u00f6chte, die etwas mit High School respektive Universit\u00e4t, Liebesdrama und <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/eishockey\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eishockey<\/a> zu tun haben, nur weil man \u201eMaxton Hall\u201c (absurd schlecht), \u201eThe Summer I turned pretty\u201c (zwiesp\u00e4ltig) und \u201eHeated Rivalry\u201c (hach\u2026!) gesehen hat.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mit der subtilen Psychologie von \u201eHR\u201c hat diese College-Romanze in der Tat leider so viel zu tun, wie Wimbledon mit dem Federballspiel im Park. Und trotzdem w\u00e4re es ein Fehler, \u201eOff Campus\u201c komplett zu ignorieren. Die Serie ist konventionell und kitschig und zeigt dennoch (oder gerade deswegen), was sich in den letzten Jahren im Serien-Genre ver\u00e4ndert hat. Zum Guten.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eigentlich ist \u201eOff Campus\u201c eine beinahe erm\u00fcdend klassische \u201eBoy meets Girl\u201c-Story, deren Plot schon so oft erz\u00e4hlt wurde, dass man sich zwischendurch fragt, ob man die Serie nicht vielleicht doch schon mal gesehen hat.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Hat man, in verschiedenen Variationen: Die sch\u00f6ne, kluge Hannah trifft auf Garrett, den sexy Kapit\u00e4n des Sportteams (in diesem Fall ist es halt Eishockey), der ist Frauenschwarm und auch ein bisschen Bad Boy. Sie hilft ihm als Nachhilfelehrerin, den Philosophie-Kurs an der Uni zu bestehen, er gibt sich im Gegenzug als ihr Freund aus, um den Typen, den sie eigentlich mag, eifers\u00fcchtig zu machen. Denn \u2013 so die Grundphilosophie m\u00e4nnlichen Paarungsverhaltens: M\u00e4nner wollen immer das, was sie nicht haben k\u00f6nnen \u2013 eine These, die an anderer Stelle eine gr\u00fcndliche Analyse wert w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Man muss keine Medienwissenschaftlerin sein, um die Plotentwicklung vorauszusehen, die unter anderem vorsieht, dass sich das Fake-Liebespaar schlie\u00dflich zu einem echten entwickelt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Spannender sind die Nebenstr\u00e4nge und \u201eBack-Stories\u201c, in denen \u00fcberraschend schonungslos gesellschaftliche Problemfelder verhandelt werden: h\u00e4usliche Gewalt, Vergewaltigung, famili\u00e4re Traumata, toxische M\u00e4nnlichkeit \u2013 alles Themen, die schon vor 20 Jahren erschreckend aktuell waren, in einer Teenie-Serie aber, wenn \u00fcberhaupt, nur am Rande aufgetaucht sind. Zwar wirkt das zum Teil arg konstruiert \u2013 Bonus-Punkte f\u00fcr den guten Willen kriegen die Drehbuchschreiberinnen und -schreiber aber allemal.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Neben der Hauptrolle der klugen, sch\u00f6nen, musikalisch begabten Hannah ist da noch ihre beste Freundin Allie, der ebenso sch\u00f6ne, kreative, etwas unvern\u00fcnftige, aber gleichzeitig irre romantisch veranlagte Sidekick. Sie liebt Sex, ist immer wieder halb (oder auch ganz nackt) zu sehen, sehnt sich aber eigentlich nach einer festen Beziehung. Das ist so konventionell, dass es nervt, zumal die pers\u00f6nlichen Entwicklungen der beiden Figuren in eine Art Alibi-Handlung gepresst werden und eher Mittel zum Zweck sind \u2013 der in beiden F\u00e4llen letztlich darin besteht, sich den perfekten Mann zu angeln. Immerhin agieren beide Frauen darin selbstbestimmt statt nur reaktiv, warten nicht, bis sie \u201eerw\u00e4hlt\u201c werden. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Um richtigen Fortschritt zu entdecken, muss man auch hier einen Blick auf die Funktion der Nebenrollen werfen: Ganz den Regeln der Romanze folgend, hat Hannah eine Widersacherin, Kendall, die mit Garrett eine Aff\u00e4re hatte und seine sich entwickelnde Zuneigung zu Hannah verst\u00e4ndlicherweise nicht mit Begeisterung verfolgt. Statt aber die Schuld bei der \u201eNeuen\u201c zu suchen, stellt sie Garrett zur Rede und wirft ihm vor, mit ihren Gef\u00fchlen r\u00fccksichtslos umgegangen zu sein. Hannah ist Konkurrenz, aber keine Gegnerin.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kendall ist \u00fcbrigens Teil einer Gruppe von sehr freundlichen Studentinnen, die sich selbst als \u201ePuck Bunnies\u201c bezeichnen (wir verzichten an dieser Stelle darauf, das Wortspiel zu \u00fcbersetzen). Diese Groupies \u2013 auch das ein klassisches, wiederkehrendes Motiv in Teenie-Kom\u00f6dien \u2013 w\u00e4ren vor 20 Jahren noch als Gruppe h\u00fcbscher, aber missg\u00fcnstiger und vermutlich ziemlich einfach gestrickter Nervens\u00e4gen inszeniert worden, schon allein, um den hartn\u00e4ckigen Mythos zu zementieren, unter Frauen k\u00f6nne keine Solidarit\u00e4t herrschen \u2013 erst recht nicht, wenn es um einen Mann geht.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ganz offensichtlich herrschte beim Casting eine Art bitteres Gerechtigkeitsstreben, denn auch die Jungs sind ausnahmslos sch\u00f6n \u2013 und vor allem stark. Alle wesentlichen Rollen spielen M\u00e4nnern mit Oberk\u00f6rpern, so stahlhart, dass die Goldkettchen klirren, wenn sie auf den Brustmuskel treffen. Auch wird sich klischeem\u00e4\u00dfig gepr\u00fcgelt, das Testosteron durchtr\u00e4nkt die Sportklamotten, animalisches Gebr\u00fcll in der Umkleidekabine tr\u00e4gt zum Sieg.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Unterschied zum althergebrachten Serienrezept besteht darin, dass dieses Konzept von M\u00e4nnlichkeit hinterfragt wird. In einer eindrucksvollen Szene konfrontiert Hannah Garrett, nachdem dieser einen Gegner auf dem Eis brutal verpr\u00fcgelt hat \u2013 angeblich, um Hannah zu besch\u00fctzen. \u201eIch habe dich nicht darum gebeten\u201c, schreit die ihm entgegen. \u201eEs macht mir Angst, dass du alles f\u00fcr mich riskieren w\u00fcrdest, obwohl ich dir sage, dass ich das nicht will!\u201c Was Garrett schlie\u00dflich dazu bringt, sich seinen eigenen D\u00e4monen zu stellen \u2013 und sich anderen Menschen emotional zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und wer zu recht entt\u00e4uscht ist, dass sich bei \u201eOff Campus\u201c die k\u00f6rperlichen Zeichen m\u00e4nnlicher Z\u00e4rtlichkeit wieder nur auf rabiates Schulterklopfen und ein anerkennend gemurmeltes \u201eDude!\u201c beschr\u00e4nken, kann sich immerhin mit dem Promo-Material tr\u00f6sten: Wo immer der m\u00e4nnliche \u201eOff Campus\u201c-Cast \u00f6ffentlich auftaucht, wird auff\u00e4llig offensiv gekuschelt \u2013 auch so etwas, dass sie sich bei den \u201eHR\u201c-Darstellern Hudson Williams und Connor Storrie abgeschaut haben.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Besonders divers geht es nicht zu bei \u201eOff Campus\u201c, fast alle sind ziemlich wei\u00df, und Queerness spielt auch nur eine untergeordnete Rolle. Das kann man \u00e4rgerlich finden, tats\u00e4chlich hat gerade die Beil\u00e4ufigkeit etwas Wohltuendes, weil Homosexualit\u00e4t in Filmen oder Serien immer noch viel zu selten vorkommt, ohne dramatisiert zu werden. \u201eOff Campus\u201c vermittelt in dieser Hinsicht eine selbstverst\u00e4ndliche \u201eLove is Love\u201c-Mentalit\u00e4t, von der man nur hoffen kann, dass sie die Realit\u00e4t der Gen Z einigerma\u00dfen akkurat abbildet.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zumindest einige der Folgen sind mit dem Warnzusatz \u201eab 18\u201c und dem Hinweis auf sexuelle Inhalte, Gewalt, Fl\u00fcche und Drogen versehen. Zwar vergn\u00fcgen sich die College-Kids bei \u201eOff Campus\u201c mit unterschiedlichen Leuten in unterschiedlichen Betten, doch bis auf Br\u00fcste ist dabei wenig zu sehen. Abseits vom Sex kommen auch Penisse vor, allerdings ohne die zugeh\u00f6rigen Oberk\u00f6rper. Das ist trotzdem eine Neuerung: W\u00e4hrend von Schauspielerinnen gewisserma\u00dfen erwartet wird, ihren Br\u00fcsten im Zweifelsfall die Welt zu zeigen (und umgekehrt), ist die Welt inzwischen offenbar immerhin f\u00fcr anonyme Penisse auf der Leinwand bereit.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Trotzdem waren es kaum die vorteilhaft ausgeleuchteten klassischen Sexszenen, die die Sittenw\u00e4rter auf den Plan gerufen haben, sondern wohl ausgerechnet eine Szene, die v\u00f6llig ohne Zurschaustellung von prim\u00e4ren oder sekund\u00e4ren Geschlechtsteilen auskommt: Darin sitzen sich Hannah und Garrett gegen\u00fcber, sehen sich an \u2013 und ber\u00fchren nur den eigenen K\u00f6rper. Was sie f\u00fchlen, spielt sich ausschlie\u00dflich in ihren Gesichtern ab. Sch\u00f6ner wurde Sex im Film selten gezeigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Manchmal macht es sich der Algorithmus zu einfach. 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