{"id":151382,"date":"2026-06-03T08:52:11","date_gmt":"2026-06-03T08:52:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/151382\/"},"modified":"2026-06-03T08:52:11","modified_gmt":"2026-06-03T08:52:11","slug":"aus-der-geschichte-lernen-und-so-wenige-gebaeude-wie-moeglich-abreissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/151382\/","title":{"rendered":"\u00abAus der Geschichte lernen und so wenige Geb\u00e4ude wie m\u00f6glich abreissen\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Wie betrifft eine kompaktere Bauweise die Wohnfl\u00e4che pro Einwohner:in?\u00a0<br \/>Der Fl\u00e4chenbedarf pro Person ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen und betr\u00e4gt derzeit durchschnittlich rund 41\u202fQuadratmeter. Diese Wohnfl\u00e4che liesse sich in Blockrandbauten und niedrigen T\u00fcrmen ohne grosse Einbussen an Wohnqualit\u00e4t auf rund 30 Quadratmeter senken, zumal wenn gr\u00f6ssere Gemeinschaftsfl\u00e4chen oder flexibel nutzbare Innen- und Aussenr\u00e4ume verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p>Wie beurteilen Sie die Zukunft von Hochh\u00e4usern und Einfamilienh\u00e4usern in Z\u00fcrich?\u00a0<br \/>Eine Stadt lebt von der Vielfalt an Wohntypologien, dazu z\u00e4hlen auch Hochh\u00e4user und Einfamilienh\u00e4user. Wenn jedoch 100&#8217;000 zus\u00e4tzliche Menschen in die Stadt ziehen, ist das Einfamilienhaus st\u00e4dtebaulich nicht optimal. Neue Hochh\u00e4user w\u00e4ren vom Fassungsverm\u00f6gen her zwar in der Lage, diesen Zuwachs aufzunehmen \u2013 st\u00e4dtebaulich aber werfen sie Fragen auf.<\/p>\n<p>Welche?\u00a0<br \/>Wie gut sich Hochh\u00e4user in eine historisch gewachsene Stadt einf\u00fcgen, h\u00e4ngt stark von der jeweiligen Lage und Umgebung ab. Unsere historische Forschung hat gezeigt, dass es in Z\u00fcrich sowohl gelungene als auch weniger \u00fcberzeugende Beispiele gibt. Wie unsere Analysen belegen, kann Z\u00fcrich 100&#8217;000 zus\u00e4tzliche Personen sehr gut in Blockrandbauten und niedrigen T\u00fcrmen aufnehmen. Dieses Forschungsergebnis hat uns selbst \u00fcberrascht: Urspr\u00fcnglich dachten wir, dass die Stadt zwingend viele Hochh\u00e4user ben\u00f6tige.<\/p>\n<p>Der Bau eines Hochhauses w\u00e4re demnach situativ zu beurteilen?\u00a0<br \/>Ja, mit Fokus auf Lage, Umgebung und Nutzungsdurchmischung. Das entspricht der Tradition europ\u00e4ischer St\u00e4dte, dass Wachstum ohne Hochh\u00e4user m\u00f6glich ist, und dass je nach Ort und Situation verdichtet wird.\u00a0<\/p>\n<p>Gilt das auch f\u00fcr B\u00fcrohochh\u00e4user?\u00a0<br \/>Ja. Auch sie sind situativ zu beurteilen. Wir k\u00f6nnen von der Entwicklung von St\u00e4dten wie Br\u00fcssel, wo ich herkomme, viel lernen: Reine B\u00fcrohochhaudistrikte wirken abends und an Wochenenden wie ausgestorben. Solche urbanen Monokulturen werden heute hinterfragt, und es wird sehr viel investiert, um sie st\u00e4rker mit Wohnen, Arbeiten und Freizeit zu durchmischen und so zu beleben.\u00a0<\/p>\n<p>Wie sehen Sie die optimale Durchmischung von Wohnen und Arbeit in Z\u00fcrich?\u00a0<br \/>Wohnen und Arbeiten vermischen sich zunehmend \u2013 das ist eine tiefgreifende Transformation unserer St\u00e4dte. In Z\u00fcrich zeigt das Hunziker-Areal exemplarisch, wie sich beides verbinden l\u00e4sst. Die Schl\u00fcsselfrage lautet: Wie lassen sich Arbeit und Wohnen k\u00fcnftig so kombinieren, dass sie in der Stadt nahe beieinander oder sogar im selben Geb\u00e4ude Platz finden?<\/p>\n<p>Spielt dabei Homeoffice eine Rolle?\u00a0<br \/>Ja. Homeoffice ist ein Ausdruck f\u00fcr die verschobenen Grenzen zwischen Wohn- und Arbeitsr\u00e4umen. Deshalb brauchen wir in Z\u00fcrich mehr Geb\u00e4ude, die beide Funktionen integrieren \u2013 etwa mit Arbeitsr\u00e4umen, die in demselben Geb\u00e4ude wie die Wohnungen sind, oder mit teilbaren B\u00fcrofl\u00e4chen in der \u00dcberbauung. Ein Beispiel ist in Z\u00fcrich die Wohn- und Gewerbesiedlung Kalkbreite. Auch daf\u00fcr eignen sich Blockrandbauten und niedrige T\u00fcrme gut. Neubauten sind nicht in jedem Fall n\u00f6tig. Bestehende Geb\u00e4ude lassen sich umnutzen und aufdatieren \u2013 auch \u00e4ltere Hochh\u00e4user. Das Erweitern und Anpassen des Bestands sind uns ein grosses Anliegen.<\/p>\n<p>Was ist die Alternative zu einseitig genutzten Stadtteilen?\u00a0<br \/>Die Zehn- oder F\u00fcnfzehn-Minuten-Nachbarschaften: Wohnen, Arbeiten und der t\u00e4gliche Bedarf befinden sich da in Gehdistanz. Die Stadt wird sich noch st\u00e4rker polyzentrisch entwickeln, also mehrere Nebenzentren ausbilden. Diese k\u00f6nnen wie F\u00fcnfzehn-Minuten-Nachbarschaften funktionieren. Kinder etwa h\u00e4tten dann Spielpl\u00e4tze, Sportanlagen und Gr\u00fcnr\u00e4ume in der N\u00e4he.<\/p>\n<p>Welche Rolle spielen Schulen f\u00fcr die Stadtentwicklung?\u00a0<br \/>Schulen hatten in Z\u00fcrich stets eine Bedeutung, die \u00fcber reine Bildungsst\u00e4tten hinausgeht. Mit ihren Pausenpl\u00e4tzen, Sportanlagen und Infrastrukturen wirken sie als kleine Zentren der Nachbarschaft \u2013 als Treffpunkte, die sich abends und an Wochenenden f\u00fcr Quartieranl\u00e4sse, Sport und Kultur nutzen lassen, f\u00fcr Kinder wie f\u00fcr Familien und \u00e4ltere Menschen. Diese zentrumsbildende Rolle der Schule ist im internationalen Vergleich nicht selbstverst\u00e4ndlich und wird mit der polyzentrischen Entwicklung noch wichtiger \u2013 generell empfehlen wir f\u00fcr \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, verschiedene und zeitlich gestaffelte Nutzungen einzuplanen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie betrifft eine kompaktere Bauweise die Wohnfl\u00e4che pro Einwohner:in?\u00a0Der Fl\u00e4chenbedarf pro Person ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":151383,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[25],"tags":[611,7987,248,15214,10316,4472,4274,43,45,104],"class_list":["post-151382","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-zuerich","tag-architektur","tag-d-arch","tag-homehero","tag-kooperationen","tag-landschaftsarchitektur","tag-mobilitaet","tag-nachhaltigkeit","tag-news","tag-schweiz","tag-zuerich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116685323132880830","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/151382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=151382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/151382\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/151383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=151382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=151382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=151382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}