{"id":153408,"date":"2026-06-04T14:39:14","date_gmt":"2026-06-04T14:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/153408\/"},"modified":"2026-06-04T14:39:14","modified_gmt":"2026-06-04T14:39:14","slug":"nach-adolescence-stephen-graham-brilliert-im-familien-horror-good-boy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/153408\/","title":{"rendered":"Nach &#171;Adolescence&#187;: Stephen Graham brilliert im Familien-Horror &#171;Good Boy&#187;"},"content":{"rendered":"<p>            <img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" width=\"696\" height=\"400\" data-no-lazy=\"\" class=\"entry-thumb\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Good-Boy-Stephen-Graham-696x400.jpg\" alt=\"Stephen Graham in Good Boy\" title=\"Good-Boy-Stephen-Graham\"\/>\u00a9 RPC Good Boy Limited &amp; Skopia Film, photograph by Thomas Wood, X Verleih<\/p>\n<p>Stephen Graham spielte im <a href=\"https:\/\/www.digitalfernsehen.de\/thema\/netflix\/\" class=\"av-highlight\" title=\"Mehr Aritkel zum Thema Netflix\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Netflix<\/a>-Hit \u201e<a href=\"https:\/\/www.digitalfernsehen.de\/?s=adolescence\" type=\"link\" id=\"https:\/\/www.digitalfernsehen.de\/?s=adolescence\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Adolescence<\/a>\u201c den \u00fcberforderten Vater. Im Psychothriller \u201eGood Boy\u201c verk\u00f6rpert er nun ein Familienoberhaupt mit einem dunklen Geheimnis. <\/p>\n<p>\u201eGood Boy \u2013 Wir wollen nur dein Bestes\u201c beginnt mit einem Absturz. In einer wilden, atemberaubenden Montage st\u00fcrzt sich der Teenager Tommy (Anson Boon) in eine Partynacht. Er kokst, s\u00e4uft, wichst, hat Sex, pinkelt an eine Haltestelle, liegt zugedr\u00f6hnt auf dem Asphalt. B\u00e4sse wummern durch den Kinosaal. Als er durch die Stra\u00dfen taumelt, n\u00e4hert sich ihm ruckartig die Kamera. Irgendjemand oder etwas hat ihn ereilt. Schnitt. Man sieht ein Einstellungsgespr\u00e4ch. <\/p>\n<p>Eine Migrantin namens Rina wird von dem Familienvater Chris angeheuert, gespielt von Stephen Graham mit einem wahrlich schrecklichen falschen Haarteil. Rina soll auf seinem abgelegenen Anwesen an geregelten Terminen als Haush\u00e4lterin zu arbeiten. Als sie in dem Gem\u00e4uer ankommt, durch die R\u00e4umlichkeiten gef\u00fchrt wird und Chris\u2018 benebelt wirkende Frau (Andrea Riseborough) und seinen Sohn (Kit Rakusen) kennenlernt, folgt schnell der Schock. Im Keller findet sie n\u00e4mlich den eingangs erw\u00e4hnten Tommy. Angekettet.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"999\" height=\"574\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Good-Boy-Tommy.jpg\" alt=\"Anson Boon als Tommy im Keller\" class=\"wp-image-1179323\"\/>\u00a9 RPC Good Boy Limited &amp; Skopia Film, photograph by Lukasz Bak, X Verleih<\/p>\n<p>Worum es in \u201eGood Boy\u201c eigentlich geht<\/p>\n<p>Der polnische Regisseur Jan Komasa (\u201eCorpus Christi\u201c) hat hier eine ziemlich spannende Konstellation inszeniert. Abgr\u00fcndig in ihrer Gewalt, pechschwarz in ihrem Humor und mit erstaunlicher Ruhe in den zwischenmenschlichen Szenen. Statt drastischer Eskalation setzt Komasas Inszenierung auf gesetztes Dialogkino und eine unterschwellig brodelnde Ausweglosigkeit, die immer beklemmender wirkt. Was \u201eGood Boy\u201c dabei anstellt, ist zun\u00e4chst einmal eine Parabel \u00fcber die Gewalt der Erziehung. Er zeigt einen bildungsb\u00fcrgerlichen Schein: gepflegtes, traditionsreiches Haus. Man h\u00fctet kostbare Shakespeare-Ausgaben als Erbst\u00fccke, h\u00f6rt klassische Musik, bereitet gemeinsam das Dinner vor.<\/p>\n<p>Unter der Fassade wird dann die Grausamkeit sichtbar, mit der die b\u00fcrgerliche Familie ihre Ordnung erzwingt. Jugendlicher Eigensinn soll ausgetrieben werden. Die Lust am Exzess, an der Verausgabung oder dem Hedonismus wird unter dem Deckmantel der Kultiviertheit mit drakonischen, r\u00fcckschrittlichen Ma\u00dfnahmen in Zaum gehalten. Als der Sohn der Familie heimlich raucht; Teenager eben; qu\u00e4lt ihn die Mutter mit k\u00f6rperlicher Folter. Und dort unten im Keller verfolgen die Eltern ihr ganzes eigenes Resozialisierungsprogramm. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"999\" height=\"574\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Good-Boy-Szenenbild.jpg\" alt=\"Stephen Graham Jones und der gefesselte Anson Boon auf dem Bett in Good Boy\" class=\"wp-image-1179321\"\/>\u00a9 RPC Good Boy Limited &amp; Skopia Film, photograph by Lukasz Bak, X Verleih<\/p>\n<p>Abgr\u00fcnde einer famili\u00e4ren Ordnung<\/p>\n<p>Tommy erscheint dabei als ultimatives Feindbild dieser Sitte und Ordnung. Er hat keine Lust auf Literatur, vernachl\u00e4ssigt seine Gesundheit und treibt sich selbst und andere an den Rand der Zerst\u00f6rung. Nun wird er \u00fcber einen Fernseher mit seinen Schandtaten filmisch konfrontiert und soll kitschige Besserungsratgeber konsumieren, um ein sozialvertr\u00e4gliches Subjekt zu werden, das dem gesellschaftlichen Fortschritt dient. So die Ideologie, die hier auf erbarmungslose Weise durchgesetzt werden soll.<\/p>\n<p>Insofern ist \u201eGood Boy\u201c auf der Plot-Ebene nat\u00fcrlich erst einmal ein Psychothriller und Horrorfilm \u00fcber eine Entf\u00fchrung. Es ist aber auch ein Film \u00fcber die Fantasie der b\u00fcrgerlichen Familie als Allheilmittel und Keimzelle eines rigiden Systems, das zum Schaurigen verfremdet und verzerrt wird. Gerade Stephen Graham legt dabei eine beachtliche schauspielerische Leistung hin, die ihre sanfte, v\u00e4terliche F\u00fcrsorge mit furchteinfl\u00f6\u00dfender Erbarmungslosigkeit paart. Gewalt und liebevolle Gesten wechseln sich verst\u00f6rend ab.<\/p>\n<p>Die metaphorischen und wortw\u00f6rtlichen Fesseln des jungen Gefangenen werden derweil immer l\u00e4nger. Mit mathematischer Pr\u00e4zision wird vermessen und berechnet, wie viel Handlungsspielraum man ihm erlaubt. Und das sind zum Teil Momente voll konzentrierter Anspannung, wenn Tommy dann doch einmal versucht, aus diesem System mit seinem Schienen und Ketten auszubrechen! Dazu sind viele Bilder von albtraumhafter Sch\u00f6nheit. Gerade wenn die Kamera in die Totalen geht und die Dimensionen des Hauses bedrohlich erscheinen l\u00e4sst. Oder wenn sie Panoramen er\u00f6ffnet, in denen die gespannte Kette den Raum vermisst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"999\" height=\"574\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Good-Boy.jpg\" alt=\"Die Familie vor dem Fernseher in GOOD BOY\" class=\"wp-image-1179322\"\/>\u00a9 RPC Good Boy Limited &amp; Skopia Film, photograph by Lukasz Bak, X Verleih<\/p>\n<p>Die Probleme von \u201eGood Boy\u201c<\/p>\n<p>Schade ist nur, dass \u201eGood Boy\u201c dann doch einen recht langen Atem f\u00fcr eine eher d\u00fcrftige Schlusspointe ben\u00f6tigt. Viele F\u00e4den verheddern sich ein wenig in diesem Kammerspiel. Das liegt vor allem daran, dass die eigentlich angenehm abstrahiert gedachte Parabel und Anordnung wiederholt mit dem psychologischen Erz\u00e4hlen auf Konfrontationskurs ger\u00e4t. Konkret bedeutet das etwa, dass der Film seiner Opferfigur ambivalente Charakterz\u00fcge verleihen will, die es dem Publikum umso mehr erleichtern, die Qualen nicht allzu sehr an sich heranzulassen oder aber sie sogar zu bef\u00fcrworten. Oder ist das sogar der Geniestreich, dass man sich zwischenzeitlich dabei ertappt, dem Jungen diese Tortur und Umerziehung an den Hals zu w\u00fcnschen? <\/p>\n<p>Die Eltern werden derweil vor dem Hintergrund einer Verlusterfahrung positioniert. Selbige suggeriert ebenfalls eine Erkl\u00e4rbarkeit des Schreckens, die das Allgemeine zu stark auf etwas Konkretes und den Versuch einer Kompensation herunterbricht. Dazu verliert der Film gerade die neue Bedienstete im Haus, eigentlich die spannendste Figur, zu h\u00e4ufig aus den Augen, die in ihrer Abh\u00e4ngigkeit mit ihrem Gewissen und ihrer eigenen Anpassung zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n<p>Immerhin: \u201eGood Boy\u201c versieht dann sein Ende mit so fauligen, vergifteten Gef\u00fchlen, dass einem die Sentimentalit\u00e4t und der Zynismus des Gezeigten unweigerlich im Halse stecken bleiben. Stoff zum Diskutieren bietet der Film zur Gen\u00fcge an. Was ist also schlussendlich gruseliger? Das Gefangensein oder das Leben in Freiheit, was immer sie hei\u00dfen soll?<\/p>\n<p>\u201eGood Boy \u2013 Wir wollen nur dein Bestes\u201c l\u00e4uft ab dem 4. Juni 2026 im <a href=\"https:\/\/www.x-verleih.de\/\" type=\"link\" id=\"https:\/\/www.x-verleih.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">X-Verleih<\/a> in den deutschen Kinos. Die Deutschlandpremiere fand auf den Fantasy Filmfest Nights statt. <\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\u201eGood Boy \u2013 Wir wollen nur dein Bestes | Trailer 2 | Ab 04. Juni 2026 nur im Kino\u201c von YouTube anzeigen\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a9 RPC Good Boy Limited &amp; Skopia Film, photograph by Thomas Wood, X Verleih Stephen Graham spielte im&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":153409,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[19],"tags":[2464,46,71,68,36827,1505,72,12273,70,45,36828,44,75,69],"class_list":["post-153408","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kino","tag-adolescence","tag-ch","tag-cinema","tag-entertainment","tag-good-boy","tag-horror","tag-kino","tag-kinostarts","tag-movie","tag-schweiz","tag-stephen-graham","tag-switzerland","tag-thriller","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116692350081078407","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=153408"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153408\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/153409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=153408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=153408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}