{"id":15391,"date":"2026-02-22T09:46:07","date_gmt":"2026-02-22T09:46:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/15391\/"},"modified":"2026-02-22T09:46:07","modified_gmt":"2026-02-22T09:46:07","slug":"antoni-gaudi-unbekannte-meisterwerke-abseits-der-touristenstroeme-entdecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/15391\/","title":{"rendered":"Antoni Gaud\u00ed: Unbekannte Meisterwerke abseits der Touristenstr\u00f6me entdecken"},"content":{"rendered":"<p>2026 j\u00e4hrt sich der Todestag des ber\u00fchmten Vertreters des katalanischen Jugendstils zum 100. Mal, und rund um Sagrada Fam\u00edlia, Casa Batll\u00f3 oder Parc G\u00fcell ist besonders viel los. Wir stellen drei weniger bekannte und lohnenswerte Gaud\u00ed-Alternativen vor.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wer sich im Parc G\u00fcell mit dem Gaud\u00ed-Drachen fotografieren will, muss Schlange stehen \u2013 und in Kauf nehmen, dass sich im Hintergrund des Motivs weitere Urlauber dr\u00e4ngen. Die Salamander-Skulptur ist nun mal das beliebteste Motiv des bekanntesten Parks in <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/barcelona-staedtereise\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/barcelona-staedtereise\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Barcelona<\/a>, den Antoni Gaud\u00ed eigentlich als Gartenanlage konzipiert hatte. Der Rummel ist so gro\u00df, dass die Anwohner eigene Besuchszeiten haben. <\/p>\n<p>Nicht weniger \u00fcberlaufen sind weitere ber\u00fchmte Werke des vision\u00e4ren Vertreters des Modernisme, wie der katalanische Jugendstil hei\u00dft: Menschentrauben bilden sich vor der vertr\u00e4umten Fassade der Casa Batll\u00f3 und den verschlungenen Balkonbr\u00fcstungen von La Pedrera am Passeig de Gr\u00e0cia.<\/p>\n<p>Und im Oktober 2025 wurde am Christusturm der Sagrada Fam\u00edlia das untere Element des Turmkreuzes montiert, was dem Turm seither eine H\u00f6he von knapp 163 Metern beschert \u2013 damit \u00fcberragt das noch nicht fertiggestellte Bauwerk das Ulmer M\u00fcnster um mehr als einen Meter und ist der h\u00f6chste Kirchturm weltweit. Ein Rekord, der f\u00fcr Gaud\u00eds monumentale Basilika einen weiteren Besucher-Hype bedeutet.  <\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hat der f\u00fcr seine organischen Formen bekannte Architekt, der vor rund 100 Jahren, im Juni 1926, von einer Stra\u00dfenbahn \u00fcberfahren wurde und starb, noch weitere Werke hinterlassen, die weniger im Rampenlicht stehen.<\/p>\n<p>Die lohnen im Jubil\u00e4umsjahr unbedingt einen Besuch, denn hier l\u00e4sst sich das gefeierte Genie ebenso gut bewundern wie an seinen popul\u00e4rsten Bauten: Gaud\u00ed begriff <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/architektur\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/architektur\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Architektur<\/a> als lebendigen Organismus, verband Handwerk mit damaligem Hightech und lie\u00df seine tiefe Mystik und Symbolik bei jedem seiner Bauten bis ins kleinste Detail wirken.  <\/p>\n<p>Casa Vicens: das erste Haus von Gaud\u00ed  <\/p>\n<p>Mit der Casa Vicens setzte Gaud\u00ed seine Ideen erstmals f\u00fcr ein Wohnhaus um. Darin steht man im Speisesaal \u2013 und gleichzeitig drau\u00dfen im Garten. Das zumindest suggeriert die Gestaltung: Motive von Kirschzweigen in der Stuckdecke, Putz in Form von Efeu an den W\u00e4nden, stilisierte Studentenblumen auf den Keramikfliesen. <\/p>\n<p>Die ab 1883 erbaute Casa Vicens steht im Viertel Gr\u00e0cia, damals ein Vorort von Barcelona. Gaud\u00ed lie\u00df sich f\u00fcr das Sommerhaus von der Natur inspirieren, die er auf dem Grundst\u00fcck vorfand. Die an den Speisesaal grenzende Veranda mit Holzjalousien und einem Brunnen l\u00e4sst zus\u00e4tzlich die Grenzen zwischen Innen und Au\u00dfen verschwimmen. Mit dem vorz\u00fcglichen deutschen Audioguide (Kopfh\u00f6rer nicht vergessen!) geht es von Raum zu Raum, jeder offenbart weitere Natursch\u00e4tze. <\/p>\n<p>Im Raucherzimmer sind die spektakul\u00e4ren Pappmach\u00e9-Gew\u00f6lbe \u2013 ein damals innovatives Baumaterial \u2013 Palmbl\u00e4ttern und Datteln nachempfunden. Im Stockwerk dar\u00fcber simuliert eine Deckenmalerei den Blick in den Himmel, umrahmt von Kletterpflanzen und V\u00f6geln. Und die Dachterrasse ist ein begehbarer Erlebnisraum mit Schornsteinen als dekorativen Elementen \u2013 schon dieses Fr\u00fchwerk ist durch und durch Gaud\u00ed.  <\/p>\n<p>Infos: T\u00e4glich ge\u00f6ffnet von 9.30\u201318 Uhr, Ticket ab 19 Euro (inkl. Audioguide, ohne  Online-Reservierung f\u00fcnf Euro teurer), Kinder bis elf Jahre gratis, casavicens.org<\/p>\n<p>Torre Bellesguard: Hommage ans Mittelalter <\/p>\n<p>Auf engen Treppen geht es bis ganz nach oben auf die Dachterrasse des Turms. Hier gilt es, Drachen zu entschl\u00fcsseln. Denn w\u00e4hrend Gaud\u00ed das Fabeltier in anderen Werken wie der Casa Batll\u00f3 sehr plakativ darstellte, ist es in diesem Landschloss im Norden von Barcelona subtil in der Architektur versteckt. <\/p>\n<p>Gut, dass beim Besuch mit Audioguide auch ein echter Guide dabei ist, der beim Suchen behilflich ist. Nebenbei gibt es ein Panorama, das vom Distrikt Sarri\u00e0-Sant Gervasi am Fu\u00df des Tibidabo bis zum Meer reicht.  <\/p>\n<p>Die Torre Bellesguard, ein ab 1900 im Auftrag der Witwe des Gaud\u00ed-Bewunderers Jaume Figueras entstandenes Landhaus, ist eine ganz eigene Interpretation der Gotik an historischem Ort. Hier stand im Mittelalter die Burg von K\u00f6nig Martin I. von Arag\u00f3n, deren \u00dcberreste heute in den Garten integriert sind.  <\/p>\n<p>Von Weitem wirkt dieses Gaud\u00ed-Werk wie eine strenge, dunkle Burg. Die geschwungenen Linien, f\u00fcr die der Architekt ber\u00fchmt ist, gibt es hier so gut wie nicht. Beim N\u00e4herkommen zeigt sich aber: Die reliefartige Fassade aus Schieferbruchstein zeigt gr\u00fcne oder beige Nuancen, dazwischen Mosaike und symboltr\u00e4chtige Inschriften.<\/p>\n<p>Das Genie steckt hier also in jedem Detail \u2013 von Mosaikb\u00e4nken aus Keramik \u00fcber farbenfrohe Fenster bis hin zum vierarmigen Kreuz in 33 Meter H\u00f6he. Ein solches wird, in einer monumentalen Version, im Jubil\u00e4umsjahr 2026 auch die Sagrada Fam\u00edlia kr\u00f6nen.  <\/p>\n<p>Infos: Ge\u00f6ffnet Dienstag bis Sonntag von 10\u201315 Uhr, Eintritt zw\u00f6lf Euro (inkl. Audioguide), bellesguardgaudi.com <\/p>\n<p>Krypta der Col\u00f2nia G\u00fcell: Modell f\u00fcr Sagrada Fam\u00edlia <\/p>\n<p>Hier steht man in einer echten Gaud\u00ed-Kirche \u2013 und trotzdem ist weit und breit kein weiterer Besucher zu sehen. Die Krypta der Col\u00f2nia G\u00fcell ist wenig bekannt und zudem eine Fahrt mit dem Nahverkehrszug vom Zentrum entfernt (ab Pla\u00e7a d\u2019Espanya bis Haltestelle Col\u00f2nia G\u00fcell), das macht sie zu einem echten Geheimtipp. <\/p>\n<p>Was fr\u00fcher eine Arbeitersiedlung am Werk des Textilunternehmers Eusebi G\u00fcell war, ist heute ein bewohntes Freilichtmuseum. Beim Streifzug durch die Col\u00f2nia G\u00fcell informiert der Audioguide \u00fcber die fr\u00fchere Nutzung der Geb\u00e4ude, die G\u00fcell ab 1890 errichten lie\u00df. Sie erz\u00e4hlen die Vorgeschichte, bevor man Station 13 erreicht: besagte bei Gaud\u00ed in Auftrag gegebene Kirche.  <\/p>\n<p>Von au\u00dfen wirkt sie rustikal und mit der Umgebung verwachsen. Doch dann: farbenfrohe Mosaiken, Weihwasserbecken aus riesigen Muschelschalen in kunstvoll geschmiedeten Eisenfassungen \u2013 man kommt sich vor wie in einer mystischen Zauberh\u00f6hle. Glasfenster in Form von Bl\u00fctenbl\u00e4ttern lassen buntes Licht in den ansonsten dunklen Raum.  <\/p>\n<p>Massive Basalts\u00e4ulen, schr\u00e4ge St\u00fctzen, flache B\u00f6gen: Bei der dynamisch wirkenden Konstruktion kamen statische Experimente wie das H\u00e4ngemodell zum Einsatz. Die Kirche erwies sich als Labor f\u00fcr die Sagrada Fam\u00edlia, hier wandte Gaud\u00ed seine Innovationen zum ersten Mal einheitlich an. Man m\u00f6chte fast froh sein, dass wegen Geldmangels nur das untere Stockwerk vollendet wurde und der Krypta der Rummel um Gaud\u00eds sp\u00e4tere Werke erspart bleibt.   <\/p>\n<p>Infos: Ge\u00f6ffnet Montag bis Freitag von 10\u201317 Uhr, Samstag und Sonntag von 10\u201315 Uhr, Eintritt zehn Euro (inkl. Audioguide), gaudicoloniaguell.org <\/p>\n<p>Der Autor ist Spanien-Spezialist. Gerade ist von ihm der Reisef\u00fchrer \u201eBarcelona mal anders\u201c erschienen, Michael M\u00fcller Verlag, 240 Seiten, 15 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"2026 j\u00e4hrt sich der Todestag des ber\u00fchmten Vertreters des katalanischen Jugendstils zum 100. 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