{"id":157776,"date":"2026-06-07T19:05:15","date_gmt":"2026-06-07T19:05:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/157776\/"},"modified":"2026-06-07T19:05:15","modified_gmt":"2026-06-07T19:05:15","slug":"basel-1-250-regel-senatoren-kritisieren-krypto-beschraenkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/157776\/","title":{"rendered":"Basel 1.250\u00a0%-Regel: Senatoren kritisieren Krypto-Beschr\u00e4nkung"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/visual-11-18.png\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Sechs republikanische Senatoren, angef\u00fchrt von Cynthia Lummis und Bill Hagerty, haben am 6. Juni einen gemeinsamen Brief an die Federal Reserve, das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) und die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) geschickt. Sie argumentieren darin, dass die 1.250\u00a0% Risikogewichtung nach Basel f\u00fcr Spot-Bitcoin-Best\u00e4nde einem faktischen Verbot der Krypto-Exponierung von US-Banken gleichkommt. Der <a href=\"https:\/\/www.lummis.senate.gov\/press-releases\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brief auf der Website von Senatorin Lummis<\/a> ist der bislang direkteste legislative Vorsto\u00df f\u00fcr einen separaten Kapitalrahmen f\u00fcr digitale Verm\u00f6genswerte, der Spot-Bitcoin wie ein Rohstoffengagement behandelt und nicht wie unter der aktuellen Regel.<\/p>\n<p>Das zentrale Thema ist die mathematische Ausgestaltung: Eine Risikogewichtung von 1.250\u00a0% bedeutet, dass f\u00fcr jeden US-Dollar Spot-BTC 12,50\u00a0US-Dollar regulatorisches Eigenkapital vorgehalten werden m\u00fcssen. Kein gro\u00dfes US-Institut kann das bei nennenswerten Best\u00e4nden umsetzen \u2013 das ist der Grund, warum nahezu keine US-Bank Spot-Bitcoin in gr\u00f6\u00dferem Umfang h\u00e4lt. Im Folgenden wird erl\u00e4utert, was das Basel-Konzept konkret vorgibt, was die Senatoren als Alternative vorschlagen und wie sich das politisch im Kontext des GENIUS- und CLARITY-Acts einordnet.<\/p>\n<p>Was das Basel-Konzept tats\u00e4chlich vorschreibt<\/p>\n<p>Das Basel Committee on Banking Supervision hat Ende 2022 seinen Kapitalstandard f\u00fcr Krypto-Assets als <a href=\"https:\/\/www.bis.org\/bcbs\/publ\/d545.htm\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BCBS 405 auf der BIS-Website<\/a> finalisiert. Eine nachfolgende Klarstellung legte die formale Risikogewichtung f\u00fcr digitale Verm\u00f6genswerte von international t\u00e4tigen Banken fest. Die 1.250\u00a0% gelten f\u00fcr \u201eGruppe 2\u201c-Krypto-Assets, worunter Spot-Bitcoin und die meisten Nicht-Stablecoin-Kryptos fallen. Die Zahl wurde so gew\u00e4hlt, dass ein vollst\u00e4ndiger Kapitalabgleich besteht: Jeder Dollar Gruppe-2-Exposure muss durch Tier-1-Kapital gedeckt sein.<\/p>\n<p>Das Rahmenwerk wurde zu einer Zeit geschaffen, in der die Volatilit\u00e4t von Krypto als Hauptrisiko galt und es kaum historische Verlustdaten f\u00fcr eine differenziertere Kalibrierung gab. Die 1.250\u00a0% waren bewusst konservativ angesetzt und explizit als revisionsbed\u00fcrftig deklariert, sobald mehr Marktdaten vorliegen.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberarbeitung fand bisher nicht statt. Die Volatilit\u00e4t von Spot-Bitcoin ist 2024 und 2025 gesunken, da institutionelle Zufl\u00fcsse \u00fcber Spot-Bitcoin-ETFs f\u00fcr mehr Markttiefe sorgen. Die <a href=\"https:\/\/www.bis.org\/publ\/work_h2.htm\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Forschung der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich zum Krypto-Markt<\/a> best\u00e4tigt diese Entwicklung. Dennoch wurde die Kalibrierung f\u00fcr Gruppe 2 nicht angepasst.<\/p>\n<p>Die Senatoren argumentieren, dass der konservative Ansatz inzwischen strukturell \u00fcberholt ist und das Ausbleiben einer \u00dcberarbeitung einem de-facto-Verbot gleichkommt. Der mathematische Nachweis ist eindeutig \u2013 das politische Argument ist der Kern des Briefes.<\/p>\n<p>Warum 12,50\u00a0$ Kapital pro 1\u00a0$ Bitcoin faktisch prohibitiv sind<\/p>\n<p>Die praktische Wirkung der 1.250\u00a0%-Risikogewichtung wird im Vergleich zu anderen Bilanzpositionen deutlich: US-Staatsanleihen bei einer Gro\u00dfbank haben 0\u00a0% Risikogewichtung, Wohnungsbaukredite 50\u00a0%, Unternehmenskredite 100\u00a0%, spekulative Immobilieninvestments bis zu 150\u00a0%.<\/p>\n<p>Spot-Bitcoin mit 1.250\u00a0% liegt damit strukturell weit \u00fcber allen sonstigen Kapitalanforderungen. F\u00fcr eine Gro\u00dfbank mit 12\u00a0% Tier-1-Kapitalquote w\u00fcrde ein Bestand von nur 0,5\u00a0% Spot-Bitcoin schon rund 6\u00a0% des gesamten Tier-1-Kapitals binden. Kein Treasurer kann diese Kapitalbindung f\u00fcr einen so kleinen Bilanzanteil rechtfertigen. Das erkl\u00e4rt, weshalb US-Banken faktisch keine erw\u00e4hnenswerten Spot-Bitcoin-Best\u00e4nde halten, obwohl das Spot-ETF-Segment institutionell stark w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Das faktische Verbot ergibt sich also aus dem \u00f6konomischen Effekt: Die Regel untersagt US-Banken Spot-Bitcoin nicht explizit, macht das Halten aber wirtschaftlich untragbar. Die Senatoren fordern, dass die Aufsichtsbeh\u00f6rden diesen Unterschied anerkennen und einen separaten Kapitalrahmen schaffen.<\/p>\n<p>Was schlagen die Senatoren konkret vor?<\/p>\n<p>Der Lummis-Hagerty-Brief schl\u00e4gt vor, Spot-Bitcoin-Best\u00e4nde k\u00fcnftig nach einer modifizierten Rohstoff-Logik zu behandeln, nicht als \u201eGruppe 2\u201c-Krypto-Asset. Begr\u00fcndet wird dies mit der SEC\/CFTC-Regel von M\u00e4rz 2026, die Bitcoin und 15 weitere Token als digitale Rohstoffe klassifiziert hat. Aus Sicht der Senatoren sollte dies auch f\u00fcr die aufsichtsrechtliche Kapitalbehandlung gelten.<\/p>\n<p>Das vorgeschlagene Rohstoff-Rahmenwerk w\u00fcrde das Risikogewicht f\u00fcr Spot-Bitcoin auf 100\u2013150\u00a0% festsetzen \u2013 analog zu physischen Rohstoffen wie Gold, \u00d6l oder Agrar-Futures auf Bankbilanzen. Damit w\u00e4re weiterhin eine solide Kapitalunterlegung n\u00f6tig, aber Banken k\u00f6nnten Spot-Bitcoin in realistischem Rahmen halten, ohne die Tier-1-Quote unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig zu belasten.<\/p>\n<p>Der Brief richtet sich explizit an Fed, OCC und FDIC, weil diese drei Beh\u00f6rden das Basel-Regelwerk in den USA umsetzen und nationale Anpassungen beschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Es geht nicht darum, Basel komplett zu verlassen, sondern digitale Rohstoffe national differenziert zu behandeln \u2013 wie es in den USA auch in anderen Bereichen g\u00e4ngige Praxis ist.<\/p>\n<p>Im weiteren Kontext steht dies im Zusammenhang mit dem Stablecoins-Leitfaden von Phemex, in dem die Kapital- und Reservevorgaben des GENIUS-Acts als Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr krypto-spezifische Regeln auf Bundesebene beschrieben werden.<\/p>\n<p>Politischer und zeitlicher Kontext zu GENIUS und CLARITY<\/p>\n<p>Der Brief vom 6. Juni f\u00e4llt in eine Phase intensiver Gesetzgebungsverfahren rund um Krypto: Der GENIUS Act wurde Ende Mai partei\u00fcbergreifend vom Senat verabschiedet und wird aktuell mit dem Repr\u00e4sentantenhaus abgestimmt. Der CLARITY Act steht im Juli zur Abstimmung. Das Basel-Kapitalthema wird somit gezielt parallel zu den parlamentarischen Initiativen platziert.<\/p>\n<p>Politisch verfolgen die Senatoren das Ziel, die Aufseher zu einer administrativen \u00dcberpr\u00fcfung der Gruppe-2-Kalibrierung zu bewegen, ohne auf neue Gesetze warten zu m\u00fcssen. Fed, OCC und FDIC k\u00f6nnen jederzeit ein Konsultationsverfahren f\u00fcr einen eigenen Krypto-Kapitalrahmen starten \u2013 und die Koordination durch sechs Krypto-affine Senatoren erh\u00f6ht den Handlungsdruck.<\/p>\n<p>In der Praxis ist jedoch nicht mit schnellen \u00c4nderungen zu rechnen: Der Basel-Standard ist international vereinbart, ein US-Sonderweg w\u00fcrde die Koh\u00e4renz mit anderen G20-L\u00e4ndern beeintr\u00e4chtigen. Ein realistisch denkbarer Zeitrahmen f\u00fcr eine \u00dcberpr\u00fcfung oder ein separates Rohstoff-Schema liegt bei mehreren Monaten bis hin zu einer m\u00f6glichen Umsetzung 2027 \u2013 \u00e4hnlich wie bei fr\u00fcheren Bankenregulierungsvorhaben.<\/p>\n<p>Aus Marktsicht w\u00e4re jede Absenkung der 1.250\u00a0%-Risikogewichtung strukturell positiv f\u00fcr die Nachfrage nach Spot-Bitcoin, weil erstmals die gr\u00f6\u00dften institutionellen Bilanzen (US-Bank-Treasuries) zug\u00e4nglich w\u00fcrden. Schon eine 1\u00a0%-Allokation im gesamten US-Bankensystem entspr\u00e4che etwa 250\u00a0Mrd.\u00a0US-Dollar Spot-Nachfrage \u2013 deutlich mehr als das gesamte bisherige ETF-Volumen.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/p>\n<p>Wie wahrscheinlich ist eine \u00c4nderung der 1.250\u00a0%-Regel innerhalb von 12 Monaten?<\/p>\n<p>Die realistische Wahrscheinlichkeit f\u00fcr eine formelle \u00c4nderung innerhalb eines Jahres liegt bei 25\u201335\u00a0%. Der \u00dcberpr\u00fcfungsprozess ist langsam, internationale Abstimmung ist notwendig und die Beh\u00f6rden handeln meist vorsichtig. Ein starker Ausl\u00f6ser \u2013 etwa ein Gro\u00dfbank-Appell oder internationaler Druck \u2013 k\u00f6nnte den Ablauf beschleunigen. Sonst ist eine Anpassung in 18\u201324 Monaten realistischer.<\/p>\n<p>Warum senden die sechs Senatoren diesen Brief gerade jetzt?<\/p>\n<p>Um das regulatorische Momentum mit der laufenden Gesetzgebung rund um GENIUS und CLARITY zu koppeln. Gemeinsamer Druck von Legislative und Aufsicht verspricht mehr Wirkung, zumal im Mai bis August das parlamentarische Interesse hoch ist. Der Zeitpunkt ist zudem auf das n\u00e4chste Plenum des Basel-Komitees im Sp\u00e4tsommer abgestimmt.<\/p>\n<p>W\u00fcrden US-Banken tats\u00e4chlich Spot-Bitcoin halten, falls die Regel angepasst wird?<\/p>\n<p>Ja, in relevantem Umfang. Verm\u00f6gensverwaltungen und Treuhand-Abteilungen gro\u00dfer Banken verzeichnen bereits Kundennachfrage nach Spot-Bitcoin-Verwahrung, die sie bislang wegen der Kapitalregeln kaum bedienen k\u00f6nnen. Eine Rohstoff-Logik w\u00fcrde es erlauben, Best\u00e4nde im Eigenbestand zu halten und neue Produkte anzubieten. Das Nachfragepotenzial ist erheblich.<\/p>\n<p>Hat der Brief rechtlich bindende Wirkung?<\/p>\n<p>Ein Brief von sechs Senatoren \u2013 darunter prominente Krypto-Politiker wie Lummis und Hagerty \u2013 ist ein klares Signal, aber kein Gesetz und nicht bindend. Ziel ist es, regulatorisches Z\u00f6gern zu erschweren und \u00f6ffentlich den Handlungsbedarf zu dokumentieren \u2013 als Basis f\u00fcr weitere Vorst\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die 1.250\u00a0%-Risikogewichtung nach Basel wirkt wie ein faktisches Verbot f\u00fcr Krypto-Engagements von US-Banken. Der Brief der sechs Senatoren an Fed, OCC und FDIC ist der bislang direkteste Vorsto\u00df f\u00fcr einen separaten Kapitalrahmen f\u00fcr digitale Verm\u00f6genswerte. Die \u00f6konomischen Rahmenbedingungen sind dabei das Kernargument: 12,50\u00a0$ Eigenkapital pro 1\u00a0$ Bitcoin sind im Bankenalltag nicht umsetzbar. Eine Regel\u00e4nderung ist innerhalb von 12 bis 24 Monaten denkbar und w\u00fcrde den Zugang der gr\u00f6\u00dften institutionellen Bilanzen weltweit f\u00fcr Spot-Bitcoin erstmalig erm\u00f6glichen. Bereits eine 1\u00a0%-Allokation im Bankensystem entspr\u00e4che rund 250\u00a0Mrd.\u00a0US-Dollar Nachfrage. Der politische Vorsto\u00df ist eng mit GENIUS und CLARITY verzahnt und ein deutliches Signal, dass sich Regulierung und Gesetzgebung beim US-Krypto-Rahmenwerk ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>Dieser Artikel dient ausschlie\u00dflich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptow\u00e4hrungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. F\u00fchren Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sechs republikanische Senatoren, angef\u00fchrt von Cynthia Lummis und Bill Hagerty, haben am 6. 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