{"id":158308,"date":"2026-06-08T08:19:06","date_gmt":"2026-06-08T08:19:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/158308\/"},"modified":"2026-06-08T08:19:06","modified_gmt":"2026-06-08T08:19:06","slug":"neuer-wirkstoff-koennte-die-entwicklung-von-alzheimer-bremsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/158308\/","title":{"rendered":"Neuer Wirkstoff k\u00f6nnte die Entwicklung von Alzheimer bremsen"},"content":{"rendered":"<p>\u00abCompound 10\u00bb (Substanz 10) nennt Ursula Quitterer die chemische Verbindung, die ihr Team entwickelt hat und die die Alzheimer-Krankheit verlangsamen k\u00f6nnte. Quitterer ist Professorin f\u00fcr Molekulare Pharmakologie an der ETH Z\u00fcrich. Bis jetzt testete sie den Wirkstoff erst an M\u00e4usen, und da zeigte er vielversprechende Wirkungen: Das f\u00fcr die Demenzerkrankung typische Absterben von Nervenzellen verl\u00e4uft deutlich langsamer, und die Tiere \u00fcberleben l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Die Substanz ist das Resultat aus Forschung, die vor fast 20 Jahren begonnen hat. Quitterer erhielt damals von einem Arzt und Kollegen am Ain-Shams-Universit\u00e4tsspital in Kairo Gewebeproben von dessen Patient:innen. Es handelte sich um Hirngewebe, das der Arzt bei Tumoroperationen entnommen hatte, sowohl von Personen, bei denen eine Demenz diagnostiziert worden ist, als auch von solchen ohne Demenz.\u00a0<\/p>\n<p>Neuer Angriffspunkt f\u00fcr Medikament <\/p>\n<p>Quitterer arbeitete mit diesen Proben. Um zu verstehen, was sie damit genau machte, m\u00fcssen wir leicht ausholen: Zentraler Gegenstand ihrer Forschung war damals wie heute ein k\u00f6rpereigenes Enzym, das in vielen menschlichen Zellen wichtige Dienste verrichtet: GRK2. Als Regulationsprotein hilft das Enzym Zellen, auf Signale, Stress und Belastungen richtig zu reagieren. Es ist zum Beispiel im Herzen aktiv, aber auch im Gehirn, wo es die Funktion von Nervenzellen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Mit molekularen Untersuchungen der Gewebeproben aus Kairo und Forschung an M\u00e4usen zeigte Quitterers Team, welche wichtige Rolle das Enzym GRK2 bei Demenzerkrankungen spielt. J\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten die Forschenden ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.xcrm.2026.102707\" class=\"icon-after icon-after--call_made eth-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">externe Seite Cell Reports Medicine<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn das Schutzprotein seine Funktion verliert <\/p>\n<p>Vom Enzym GRK2 kommen in Zellen zwei Formen vor: eine normal funktionale Form und eine, die vom zellul\u00e4ren Stoffwechsel inaktiviert worden ist. Quitterer und ihr Team fanden heraus, dass im Hirngewebe von Patient:innen mit Demenz die inaktivierte Form geh\u00e4uft vorkommt. Dasselbe konnten sie bei M\u00e4usen zeigen \u2013 konkret in einem Mausmodell f\u00fcr die Alzheimer-Krankheit.<\/p>\n<p>Die Forschenden wiesen auch nach, dass die inaktive Form dieses Enzyms bei Demenz in Hirnzellen Verklumpungen bildet. Diese lagern sich an die Mitochondrien (die zellul\u00e4ren \u00abKraftwerke\u00bb) an und sch\u00e4digen diese. \u00abDie GRK2-Verklumpungen verstopfen die Poren der Mitochondrien, wodurch diese weniger Energie bereitstellen k\u00f6nnen. Das f\u00fchrt in den Zellen zu einer Stresssituation\u00bb, erkl\u00e4rt Quitterer.<\/p>\n<p>Ausserdem beobachteten die Forschenden in Versuchen bei M\u00e4usen, dass das inaktive GRK2 die Produktion von Beta-Amyloid f\u00f6rdert, dem Proteinfragment, das als Hauptausl\u00f6ser der Alzheimer-Krankheit gilt.<\/p>\n<p>Damit nicht genug. Es kommt zu einem selbstverst\u00e4rkenden Prozess: Beta-Amyloid setzt die Nervenzellen unter Stress. Dieser Zellstress wiederum f\u00fchrt zur Bildung von mehr inaktivem und verklumptem GRK2 \u2013 es schliesst sich ein Teufelskreis, der zu einem Fortschreiten der Demenzerkrankung beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Anti-Aging-Effekt <\/p>\n<p>Mit der Absicht, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, entwickelten Quitterer und ihre Kollegen daraufhin mehrere chemische Verbindungen, die sie in Zellkulturexperimenten und bei M\u00e4usen testeten. Dabei erwies sich die Substanz 10 als besonders wirksam. Sie verhindert, dass die GRK2-Molek\u00fcle Verklumpungen bilden. Die Mitochondrien funktionieren dadurch besser, es lagert sich in den Zellen weniger Beta-Amyloid ab, die Nervenzellen behalten ihre Funktion und sterben nicht ab.<\/p>\n<p>Zudem beobachtete das Team bei den M\u00e4usen Effekte ausserhalb des Gehirns: Die Substanz 10 beeinflusste Herzfunktion und Alterungsprozesse positiv. So bekamen die Tiere im Alter weniger graue Haare.<\/p>\n<p>Warum die Forschung so lange dauerte <\/p>\n<p>Die Forschenden meldeten die Substanz 10 zum Patent an. Die Grundlagenforschung ist nun abgeschlossen. \u00abSie dauerte so lange, weil in der Alzheimerforschung alles so lange dauert\u00bb, erkl\u00e4rt Quitterer. Weil man eine Alterserkrankung untersuche, arbeite man mit \u00e4lteren Tieren. F\u00fcr M\u00e4use heisst das ein Alter von eineinhalb bis zwei Jahren. Und jedes Experiment, aus dem man Schl\u00fcsse ziehen kann, die dann zur Planung des n\u00e4chsten Experiments f\u00fchren, dauere rund eineinhalb bis zwei Jahre. \u00abDas geht alles sehr viel langsamer als beispielsweise in der Krebsforschung.\u00bb<\/p>\n<p>Nun suchen Quitterer und die ETH Z\u00fcrich nach einer interessierten Firma, welche die n\u00e4chsten Schritte unternimmt auf dem Weg zu einem Medikament.<\/p>\n<p>\u00abAlzheimer ist eine sehr komplizierte Krankheit\u00bb, sagt Quitterer. Derzeitige Medikamente heilen die Krankheit nicht, sondern k\u00f6nnen h\u00f6chstens den Verlauf um einige Monate hinausz\u00f6gern. \u00abDaher ist es so wichtig, dass wir nun mit GRK2 ein neues Zielprotein ausgemacht haben und einen Wirkstoff, der \u00fcber GRK2 und somit \u00fcber einen anderen Mechanismus wirkt als bisherige Alzheimer-Medikamente.\u00bb Die Substanz 10 k\u00f6nnte dereinst in Kombination mit anderen Medikamenten die Situation der Betroffenen verbessern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00abCompound 10\u00bb (Substanz 10) nennt Ursula Quitterer die chemische Verbindung, die ihr Team entwickelt hat und die die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":158309,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[17],"tags":[4009,46,480,7982,67,66,248,330,43,45,44],"class_list":["post-158308","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-biologie","tag-ch","tag-chemie","tag-d-chab","tag-gesundheit","tag-health","tag-homehero","tag-medizin","tag-news","tag-schweiz","tag-switzerland"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116713504605049649","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/158308","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=158308"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/158308\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/158309"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=158308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=158308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=158308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}