{"id":159004,"date":"2026-06-08T16:54:11","date_gmt":"2026-06-08T16:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/159004\/"},"modified":"2026-06-08T16:54:11","modified_gmt":"2026-06-08T16:54:11","slug":"nach-palaestina-protest-berns-parlament-fordert-antifa-verbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/159004\/","title":{"rendered":"Nach Pal\u00e4stina-Protest \u2013 Berns Parlament fordert Antifa-Verbot"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img322283\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322283.jpeg\" alt=\"Anlass des neuerlichen Verbotsantrags war eine teils militante Pal\u00e4stina-Demonstration am 11. Oktober in Bern.\"\/><\/p>\n<p>Anlass des neuerlichen Verbotsantrags war eine teils militante Pal\u00e4stina-Demonstration am 11. Oktober in Bern.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/KEYSTONE | Peter Klaunzer<\/p>\n<p>Mit einer Mehrheit von 82 zu 64 Stimmen bei drei Enthaltungen hat der Berner Gro\u00dfe Rat die Kantonsregierung am Freitag aufgefordert, beim Bund ein Verbot von Gruppierungen zu erwirken, die als \u00bbAntifa\u00ab, \u00bbAntifaschistische Aktion\u00ab oder \u00bbSchwarzer Block\u00ab auftreten. Die <a href=\"https:\/\/daslamm.ch\/bern-will-die-antifa-verbieten-und-scheitert-dabei-schon-an-der-logik\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">am Mittwoch beschlossene Motion<\/a> stammt vom Gro\u00dfrat Thomas Fuchs, der zur Schweizerischen Volkspartei (SVP) geh\u00f6rt. Sie richtet sich an den liberalen Berner Regierungsrat Philippe M\u00fcller, der das Anliegen gegen\u00fcber dem zust\u00e4ndigen Bundesrat Martin Pfister (Mitte) vertreten soll.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr den Vorsto\u00df war eine militante pal\u00e4stinasolidarische Demonstration in Bern am 11. Oktober 2025, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194769.schweiz-bern-festnahmen-nach-palaestina-demo.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bei der es Ausschreitungen mit Barrikadenbau und Sachbesch\u00e4digungen gab<\/a>. Bereits einen Tag nach der Demonstration hatte M\u00fcller, der auch Berner Sicherheitsdirektor ist, \u00f6ffentlich ein Verbot \u00bbder Antifa\u00ab gefordert. <a href=\"https:\/\/www.amnesty.ch\/de\/laender\/schweiz\/demonstration-fuer-gaza-in-bern-ungerechtfertigter-und-exzessiver-einsatz-von-polizeigewalt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Amnesty International<\/a> und verschiedene Schweizer Medien verwiesen indes auf brutale Polizeigewalt und Verletzten bei Angriffen auf den Protest.<\/p>\n<p>Geringe Erfolgsaussichten<\/p>\n<p>Die Erfolgsaussichten des von der SVP geforderten Verbots <a href=\"https:\/\/daslamm.ch\/bern-will-die-antifa-verbieten-und-scheitert-dabei-schon-an-der-logik\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gelten jedoch als gering<\/a>. In der Schweiz sind derzeit nur al-Qaida, der Islamische Staat und seit Kurzem die Hamas ausdr\u00fccklich verboten. Grundlage daf\u00fcr ist Artikel 74 des Nachrichtendienstgesetzes. Demnach setzt ein Organisationsverbot voraus, dass sich eine Vereinigung konkret gegen die innere oder \u00e4u\u00dfere Sicherheit richtet und zudem ein entsprechender Beschluss der Vereinten Nationen vorliegt.<\/p>\n<p>Diese Voraussetzungen werden nach Auffassung des Bundesrats im vorliegenden Fall nicht erf\u00fcllt. Bereits 2020 hatte die Landesregierung deshalb auf einen Vorsto\u00df aus den Reihen der SVP erkl\u00e4rt, bei \u00bbder Antifa\u00ab handle es sich nicht um eine Organisation im rechtlichen Sinn. Der Nationalrat lehnte das entsprechende Anliegen sp\u00e4ter ab. Ende 2025 wurde die Forderung auf Bundesebene erneut eingebracht, dessen Antwort fiel im M\u00e4rz 2026 gleichlautend aus.<\/p>\n<p>Vorbild USA und Ungarn<\/p>\n<p>Der neuerliche SVP-Vorsto\u00df d\u00fcrfte <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1199211.repression-antifa-trumps-feldzug-gegen-euro-antifas-kommt-nicht-in-fahrt.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">durch Ungarn und die USA inspiriert sein<\/a>, deren Regierungen seit letztem Jahr einen deutlich versch\u00e4rften Kurs gegen\u00fcber antifaschistischen Zusammenh\u00e4ngen verfolgen. Im November stufte das US-Au\u00dfenministerium die deutsche Gruppe \u00bbAntifa Ost\u00ab als terroristische Organisation ein. Zur Begr\u00fcndung verwies die Beh\u00f6rde auf Gewalttaten gegen Rechtsextreme in Ungarn.<\/p>\n<p>Bereits zuvor hatte Pr\u00e4sident Donald Trump ein Dekret unterzeichnet, das \u00bbdie Antifa\u00ab als \u00bbinl\u00e4ndische terroristische Vereinigung\u00ab bezeichnete und eine Belohnung von umgerechnet rund 8 700 000 Euro f\u00fcr Hinweise ausgesetzt, die zur Zerschlagung mutma\u00dflicher Finanzstrukturen der Gruppe beitragen sollen. F\u00fcr den Sommer plant die US-Regierung nach Medienberichten eine internationale Konferenz gegen \u00bbdie Antifa\u00ab in Den Haag.<\/p>\n<p>Protest in Bern<\/p>\n<p>In Bern versammelten sich am Donnerstagabend 200 Menschen zu einer Spontandemonstration gegen den Beschluss. Aufgerufen hatten mehrere linke Gruppen. W\u00e4hrend des Umzugs skandierten Teilnehmende \u00bbSiamo tutti antifascisti \u2013 wir sind alle Antifa!\u00ab. In einem Aufruf kritisierten die Organisator*innen die Forderung nach einem Verbot antifaschistischer Strukturen: W\u00e4hrend Faschismus und Autoritarismus weltweit an Einfluss gew\u00f6nnen, solle ausgerechnet der Antifaschismus kriminalisiert werden.<\/p>\n<p>Die Demonstration f\u00fchrte auch am Berner Rathaus vorbei. Vor dem Geb\u00e4ude hatten Polizeikr\u00e4fte in Schutzausr\u00fcstung Stellung bezogen, die Versammlung verlief aber friedlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Anlass des neuerlichen Verbotsantrags war eine teils militante Pal\u00e4stina-Demonstration am 11. Oktober in Bern. 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