{"id":160826,"date":"2026-06-09T21:00:29","date_gmt":"2026-06-09T21:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/160826\/"},"modified":"2026-06-09T21:00:29","modified_gmt":"2026-06-09T21:00:29","slug":"neue-gen-uhr-zeigt-biologisches-alter-und-sterberisiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/160826\/","title":{"rendered":"Neue Gen-Uhr zeigt biologisches Alter und Sterberisiko"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/alter-sterberisiko-genetik-uhr-102.webp\" alt=\"Illustration einer genetischen Uhr. Umrandung und Zeiger der Uhr bestehen aus DNA-Doppelhelixen. Im Hintergrund Menschen verschiedener Altersgruppen.\" title=\"Illustration einer genetischen Uhr. Umrandung und Zeiger der Uhr bestehen aus DNA-Doppelhelixen. Im Hintergrund Menschen verschiedener Altersgruppen. | MDR Wissen mit Hilfe von KI (Nano Banana 2, Firefly)\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Neue Gen-Uhr zeigt biologisches Alter und Sterberisiko (1 Min)<\/p>\n<p class=\"topline\">&#171;Lebensuhr&#187;<\/p>\n<p>\n                Stand: 08.06.2026 10:08 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Die Frage, wie schnell wir altern und wann wir sterben, besch\u00e4ftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Nun ist einer Forschungsgruppe ein entscheidender Durchbruch gelungen: Durch die Analyse von mehr als 11.000 genetischen Profilen von Menschen und drei anderen S\u00e4ugetierarten entwickelten die Forscher universelle molekulare Uhren. Diese messen nicht nur die verflossene Zeit, sondern das tats\u00e4chliche Sterberisiko und zeigen, wie Behandlungen das biologische Alter senken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von MDR WISSEN \/ RR<\/p>\n<p class=\"\">Wie genau altert der K\u00f6rper? Und l\u00e4sst sich dieser Prozess vielleicht aufhalten? Seit Generationen besch\u00e4ftigen diese Fragen die Menschheit und speziell die Wissenschaft. Eine internationale Forschungsgruppe um Alexander Tyshkovskiy und Vadim Gladyshev von der Harvard Medical School (Boston, USA) ver\u00f6ffentlichte dazu jetzt im Fachjournal &#171;Nature&#187; eine wahrscheinlich wegweisende Arbeit. Die Forscher analysierten mehr als 11.000 Transkriptome aus \u00fcber 25 Geweben von vier S\u00e4ugetierarten: M\u00e4usen, Ratten, Makaken und Menschen. Das Transkriptom beschreibt die Gesamtheit aller aktiven Gene in einer Zelle. Mithilfe dieser enormen Datenmenge entwickelten die Forscher universelle biologische Uhren, die das Alter und das tats\u00e4chliche Sterberisiko verbl\u00fcffend pr\u00e4zise messen k\u00f6nnen sollen.<\/p>\n<p class=\"\">Bisherige biologische Uhren basierten meist auf der DNA-Methylierung, also chemischen Ver\u00e4nderungen am Erbgut. Diese zeigen zwar recht verl\u00e4sslich die Lebensjahre an, versagen aber oft bei der Bewertung gesundheitsf\u00f6rdernder Ma\u00dfnahmen. Die neue Generation der Uhr nutzt stattdessen die Genaktivit\u00e4t, um den Zustand der Zellen direkt abzulesen. Da die Genaktivit\u00e4t dynamisch auf Umwelteinfl\u00fcsse, Ern\u00e4hrung und Medikamente reagiert, bietet das gro\u00dfe Vorteile. Herk\u00f6mmliche Uhren registrieren zwar Sch\u00e4den, bilden lebensverl\u00e4ngernde Therapien aber kaum ab. Die neue Sterblichkeitsuhr hingegen erfasst positive Effekte solcher Behandlungen angeblich fehlerfrei.<\/p>\n<p>    Warum die biologische Uhr tickt<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr den Praxistest untersuchte die Forschungsgruppe M\u00e4use aus einem Programmm, in dem den Tieren 20 verschiedene Behandlungen zuteilwurden. Darunter waren lebensverk\u00fcrzende Ma\u00dfnahmen wie fettreiche Ern\u00e4hrung, aber auch lebensverl\u00e4ngernde wie Kalorienrestriktion oder das Medikament Rapamycin. Die Ergebnisse waren eindeutig: Lebensverl\u00e4ngernde Therapien f\u00fchrten zu einem deutlich j\u00fcngeren molekularen Alter als bei Tieren der Kontrollgruppe. Sch\u00e4dliche Einfl\u00fcsse lie\u00dfen die Uhr hingegen rasant vorw\u00e4rtsspringen. Das beweist laut Studie, dass das molekulare Alter nicht starr verl\u00e4uft, sondern durch gezielte Eingriffe recht flexibel verschoben werden kann.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/altern-140.webp\" alt=\"Eine Frau jubelt am Strand und dr\u00fcckt Freiheit und Gl\u00fcck an der Nordsee aus.\" title=\"Eine Frau jubelt am Strand und dr\u00fcckt Freiheit und Gl\u00fcck an der Nordsee aus. | IMAGO\/Westend61\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Was ist Altern?<\/p>\n<p>Eine Analyse zweier deutscher Wissenschaftler sagt: L\u00e4nger zu leben, hei\u00dft nicht automatisch, langsamer zu altern. Viele sogenannte Anti-Aging-Ma\u00dfnahmen ver\u00e4ndern nur Symptome, aber nicht den Alterungsprozess.<\/p>\n<p class=\"\">Als universelle Hauptanzeiger des Alterns identifizierten die Forscher zwei bestimmte Gene: CDKN1A und LGALS3. W\u00e4hrend CDKN1A den Zellzyklus steuert und die Teilung besch\u00e4digter Zellen stoppt, ist LGALS3 mit chronischen Entz\u00fcndungen verkn\u00fcpft. Daten der britischen UK-Biobank von \u00fcber 50.000 Teilnehmern best\u00e4tigten das beim Menschen. Personen mit hohen Konzentrationen der entsprechenden Proteine im Blut hatten ein drastisch erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr einen vorzeitigen Tod oder schwere Leiden wie Herzinsuffizienz und Diabetes.<\/p>\n<p>    Der genetische Reset-Knopf im Mutterleib<\/p>\n<p class=\"\">Zudem stie\u00dfen die Forscher auf eine v\u00f6llig neue Erkenntnis, die das Zeug f\u00fcr eine wissenschaftliche Sensation hat. Bislang galt der Beginn des Alterns ab der Befruchtung als ausgemacht. Bei M\u00e4useembryonen entdeckten die Wissenschaftler jedoch einen U-f\u00f6rmigen Verlauf der Kurve des biologischen Alters. In der fr\u00fchen Embryonalentwicklung, zwischen dem sechsten und zehnten Tag im Mutterleib, sinkt das molekulare Alter massiv ab. Die Zellen durchlaufen eine tiefgreifende Verj\u00fcngung und setzen ihre biologische Uhr quasi auf eine Null zur\u00fcck, bevor das Altern wirklich einsetzt.<\/p>\n<p class=\"\">Dieser zellul\u00e4re &#171;Fr\u00fchjahrsputz&#187; verhindert offenbar, dass altersbedingte Defekte der Eltern an die Nachkommen weitergegeben werden. W\u00e4hrend dieser Phase werden Gene f\u00fcr Entz\u00fcndungen und zellul\u00e4ren Stress fast vollst\u00e4ndig abgeschaltet. Erst nach dem biologischen Tiefpunkt des Alters am zehnten Entwicklungstag tickt die Uhr wieder normal vorw\u00e4rts, w\u00e4hrend sich die Organe formieren. Diese nat\u00fcrliche Verj\u00fcngungsphase beweist laut den Wissenschaftlern, dass die Evolution eigene Mechanismen besitzt, um den biologischen Zeiger radikal zur\u00fcckzudrehen.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/netzwerk-mitochondrien-altern-mdr-100.webp\" alt=\"Ein dunkles Bild mit einem biologischen Netzwerk im Vordergrund, das sich von links nach rechts verwandelt: von matt und zerbrochen (blau-grau) \u00fcber einen goldenen Funkenregen in der Mitte hin zu einer kraftvollen, intakten Struktur (gr\u00fcn). Im Hintergrund zeichnen sich dezent die Profile eines \u00e4lteren Paares ab.\" title=\"Ein dunkles Bild mit einem biologischen Netzwerk im Vordergrund, das sich von links nach rechts verwandelt: von matt und zerbrochen (blau-grau) \u00fcber einen goldenen Funkenregen in der Mitte hin zu einer kraftvollen, intakten Struktur (gr\u00fcn). Im Hintergrund zeichnen sich dezent die Profile eines \u00e4lteren Paares ab. | MDR Wissen mit Hilfe von KI (Nano Banana 2)\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Mitochondrien<\/p>\n<p>Warum verlieren Zellen im Alter an Kraft? Eine Jenaer Forschungsgruppe fand heraus: Ein fehlendes Membranlipid blockiert die Energieversorgung. Per Nahrungserg\u00e4nzung l\u00e4sst sich das Defizit m\u00f6glicherweise ausgleichen.<\/p>\n<p>    Junges Blut und zerst\u00f6rerische Krankheiten<\/p>\n<p class=\"\">Dass eine \u00e4hnliche Verj\u00fcngung, wenngleich nicht zur\u00fcck zum Nullpunkt, auch bei Erwachsenen k\u00fcnstlich angeregt werden kann, zeigte das Experiment der sogenannten heterochronen Parabiose. Dabei wurde der Blutkreislauf alter M\u00e4use operativ mit dem junger M\u00e4use verbunden. Nach drei Monaten zeigte die Sterblichkeitsuhr in der Leber der alten M\u00e4use eine deutliche Verj\u00fcngung. Verbl\u00fcffenderweise blieb dieser Zustand selbst zwei Monate nach der Trennung noch stabil. Verantwortlich war unter anderem die Aktivierung des Gens Nrep, das eine Schl\u00fcsselrolle bei der Geweberegeneration einnimmt.<\/p>\n<p class=\"\">Im krassen Gegensatz dazu stehen chronische Leiden. Die Forschungsgruppe untersuchte Gewebeproben von Modellen, die Alzheimer, Schlaganf\u00e4lle oder Nierensch\u00e4den hatten. Fast alle dieser Leiden f\u00fchrten zu einer massiven, vorzeitigen Alterung der Zellsysteme, wobei Entz\u00fcndungsmodule auf Hochtouren liefen. Eine Ausnahme bildete Leberkrebs: Tumorzellen wiesen Merkmale extrem junger Zellen auf, zeigten aber zugleich die Entz\u00fcndungsmuster eines greisen Organismus. Krebs scheint somit jugendliche Wachstumsvitalit\u00e4t mit dem zerst\u00f6rerischen Gen-Profil des Alters zu vereinen.<\/p>\n<p class=\"\">Damit diese Erkenntnisse weltweit wissenschaftlich genutzt werden k\u00f6nnen, machten die Forscher die Online-Plattform TACO und das Software-Paket tAge frei zug\u00e4nglich. Forscherinnen und Forscher sollen dort eigene Proben einspeisen und das biologische Alter sowie das Sterberisiko vollautomatisch berechnen lassen k\u00f6nnen. Das k\u00f6nnte zum Beispiel die Suche nach Anti-Aging-Therapien erheblich beschleunigen, hoffen die Studienautoren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Neue Gen-Uhr zeigt biologisches Alter und Sterberisiko (1 Min) &#171;Lebensuhr&#187; Stand: 08.06.2026 10:08 Uhr Die Frage, wie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":160827,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[17],"tags":[37946,37949,4009,6634,15708,46,37947,10654,26108,67,653,66,1918,15162,37950,37951,330,23128,37948,14202,45,2047,44,14819],"class_list":["post-160826","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-altersforschung","tag-altersuhr","tag-biologie","tag-biomarker","tag-blutwerte","tag-ch","tag-embryogenese","tag-genetik","tag-genexpression","tag-gesundheit","tag-gewebe","tag-health","tag-krankheiten","tag-lebenserwartung","tag-lebensuhr","tag-lebenszeit","tag-medizin","tag-proteomics","tag-rapamycin","tag-saeugetiere","tag-schweiz","tag-sterblichkeit","tag-switzerland","tag-verjuengung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116722160749234736","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/160826","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=160826"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/160826\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/160827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=160826"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=160826"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=160826"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}