{"id":163984,"date":"2026-06-11T23:33:34","date_gmt":"2026-06-11T23:33:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/163984\/"},"modified":"2026-06-11T23:33:34","modified_gmt":"2026-06-11T23:33:34","slug":"lediglich-kleinere-fehler-bei-den-fussnoten-so-ungeschoren-kommt-nina-fehr-duesel-bei-den-plagiatsvorwuerfen-nicht-davon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/163984\/","title":{"rendered":"\u00abLediglich kleinere Fehler bei den Fussnoten\u00bb? So ungeschoren kommt Nina Fehr D\u00fcsel bei den Plagiatsvorw\u00fcrfen nicht davon"},"content":{"rendered":"<p>Gegen\u00fcber der Weltwoche nahm Nina Fehr D\u00fcsel nach dem Entscheid der Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich auf Verzicht eines Entzugs des Doktortitels so Stellung: \u00abDie Arbeit wurde gr\u00fcndlich untersucht, und es wurden lediglich kleinere Fehler in den Fussnoten festgestellt.\u00bb Die Sache sei damit erledigt, so die SVP-Nationalr\u00e4tin, die gleichzeitig ihr Interesse an einer St\u00e4nderatskandidatur kundtat.<\/p>\n<p>                <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/41605774-BC2C-4B2F-BEBB-E8A3601CFB15.jpeg\" alt=\"ZH_NR_SVP_Fehr-Duesel_Nina\" itemprop=\"contentUrl\" class=\"story-img story-img--landscape\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>                                                    SVP-Nationalraetin Nina Fehr D\u00fcsel<br \/>\n                                                                            <\/p>\n<p>                                        ZH_NR_SVP_Fehr-Duesel_Nina<\/p>\n<p>Trotzdem lohnt es sich, den Entscheid etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dass es bei den Plagiatsvorw\u00fcrfen lediglich um die Lappalie einiger Fussnoten ging, wird durch die von der Universit\u00e4t ver\u00f6ffentlichten Dokumente nicht gest\u00fctzt. Vielmehr ist von \u00abwissenschaftlichem Fehlverhalten\u00bb und \u00abmittelschwerem Verschulden\u00bb die Rede.<\/p>\n<p>Nina Fehr D\u00fcsels Plagiate umfassen auf immerhin 12,3 Seiten exakt 121 S\u00e4tze, 44 Randziffern und sechs Fussnoten. \u00abBesonders gravierend\u00bb ist, dass ein Unterkapitel zum englischen Recht \u00abnahezu vollst\u00e4ndig als Plagiat einzustufen\u00bb sei. Hier liegt die \u00ab\u00dcbernahmequote\u00bb bei 94,6 Prozent. Dazu meint die Juristische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich: \u00abDieser Befund wiegt schwer.\u00bb Demgegen\u00fcber fielen die zus\u00e4tzlich beanstandeten sechs Fussnoten f\u00fcr die \u00abGesamtw\u00fcrdigung nur gering ins Gewicht\u00bb. Fehr D\u00fcsel hat also keinen Grund, zu behaupten, es seien \u00ablediglich kleinere Fehler in den Fussnoten festgestellt\u00bb worden.<\/p>\n<p>Der bekannte Plagiatsgutachter Stefan Weber aus Salzburg hatte urspr\u00fcnglich 31 zum Teil \u00abschwerwiegende Plagiate\u00bb sowie \u00abmehrere Falschzitate\u00bb und weitere \u00abgrenzwertige Stellen\u00bb festgestellt. Nina Fehr D\u00fcsel habe \u00abpraktisch durchg\u00e4ngig ab- und umgeschrieben\u00bb, es sei kaum ein Eigenanteil ersichtlich. Die \u00abT\u00e4uschungsabsicht\u00bb sei dadurch belegt, dass die Autorin die \u00ababgeschriebenen Meinungen ohne Zitat ausdr\u00fccklich als ihre eigenen ausgibt\u00bb. Weber stellte insgesamt einen \u00abschwerwiegenden Plagiatsverdacht\u00bb fest.<\/p>\n<p>Der Integrit\u00e4tsbeauftragte der Universit\u00e4t Z\u00fcrich musste in den Ausstand treten, weil er zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt in der Fakult\u00e4tsversammlung Fehr D\u00fcsels Dissertation durchgewinkt hatte. Seine Stellvertreterin veranlasste eine wissenschaftliche \u00c4hnlichkeitsanalyse und fand noch wesentlich mehr \u00c4hnlichkeit mit fremden Textstellen als zuvor Plagiatsgutachter Stefan Weber: \u00abGesamthaft wurden 80 betroffene Textstellen aufgelistet.\u00bb<\/p>\n<p>Die von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich mit einem externen Gutachten betrauten Experten Professor Benjamin Schindler und Christina M\u00fcller von der Universit\u00e4t St. Gallen fanden 17 eindeutige Plagiate und 44 weitere Textstellen mit \u00abVerst\u00f6ssen gegen die gute wissenschaftliche Praxis\u00bb. Im massgeblichen Text habe Nina Fehr D\u00fcsel zu rund 6 Prozent plagiiert. Das sorgf\u00e4ltige Gutachten umfasst 22 Seiten und 130 Seiten Anh\u00e4nge. Die beiden Autoren leiten aus der \u00abH\u00e4ufung der Plagiate\u00bb, ihrer \u00abVerteilung\u00bb und der \u00abArt ihrer Darstellung\u00bb eindeutig eine \u00abT\u00e4uschungsabsicht\u00bb von Fehr D\u00fcsel ab.<\/p>\n<p>Die Z\u00fcrcher Fakult\u00e4tsversammlung hat am 1. April 2026 ein Titelentzugsverfahren gegen Juristin Fehr D\u00fcsel er\u00f6ffnet. Die Rechtsprofessoren sind nach Abw\u00e4gung zwischen \u00abrechtsstaatlichem Handeln\u00bb und \u00abVerh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit\u00bb unter \u00abschonendem Ausgleich\u00bb beider Prinzipien zum Schluss gekommen, auf einen Titelentzug zu verzichten.<\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte sich hier um einen doch wesentlich politisch motivierten Entscheid gehandelt haben. Zumal ja die Fakult\u00e4tsversammlung in eigener Sache entschieden hat, denn genau dieses Gremium hatte ja Fehr D\u00fcsels Arbeit seinerzeit akzeptiert und h\u00e4tte jetzt die sie betreuenden Professoren \u2013 also die Kollegen \u2013 blossstellen m\u00fcssen. Auch d\u00fcrfte die Universit\u00e4t Z\u00fcrich keinerlei Lust versp\u00fcren, sich nach dem Entlassungsskandal um Christoph M\u00f6rgeli erneut mit einer SVP-Nationalr\u00e4tin anzulegen.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung ihres Schrittes durch die Juristische Fakult\u00e4t Z\u00fcrichs ist aber teilweise schwer nachvollziehbar. Da steht n\u00e4mlich, bei einer schriftlichen Arbeit von Studierenden w\u00fcrden plagiierte Stellen angesichts des k\u00fcrzeren Umfangs \u00abschneller ins Gewicht fallen\u00bb. Dabei m\u00fcssten doch Dissertationen, die akademisch weit h\u00f6her zu gewichten sind, wesentlich strenger beurteilt werden als irgendwelche studentischen Fallbearbeitungen.<\/p>\n<p>Die Fakult\u00e4t spricht von \u00aberheblichen M\u00e4ngeln\u00bb der Dissertation, die \u00abmehreren Anforderungen an korrektes wissenschaftliches Arbeiten nicht gen\u00fcgt\u00bb. Das festgestellte Fehlverhalten d\u00fcrfe \u00abnicht bagatellisiert\u00bb werden, denn es handle sich nicht um \u00abvereinzelte Fl\u00fcchtigkeitsfehler, sondern um mehrere, teils erhebliche unzul\u00e4ssige \u00dcbernahmen\u00bb. Weil Nina Fehr nicht an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich angestellt sei, w\u00fcrden keine \u00abpersonal- oder disziplinarrechtlichen Massnahmen\u00bb getroffen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend ist Nina Fehr D\u00fcsel in ihrer Plagiatsaff\u00e4re mit einem blauen Auge davongekommen. Die Promotionsverordnung der Universit\u00e4t Z\u00fcrich h\u00e4lt n\u00e4mlich unmissverst\u00e4ndlich fest: \u00abDie mehr oder weniger w\u00f6rtliche \u00dcbernahme von Texten aus Schriften anderer Autorinnen oder Autoren ohne Quellenangaben (Plagiat) ist unzul\u00e4ssig. Solche Dissertationen werden als ungen\u00fcgend abgewiesen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gegen\u00fcber der Weltwoche nahm Nina Fehr D\u00fcsel nach dem Entscheid der Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich auf Verzicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":163985,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[7],"tags":[454,46,42,19133,175,3855,40,45,6869,2546,44,63],"class_list":["post-163984","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-schweiz","tag-bildung","tag-ch","tag-nachrichten","tag-plagiat","tag-politik","tag-recht","tag-schlagzeilen","tag-schweiz","tag-skandal","tag-svp","tag-switzerland","tag-wissenschaft"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116734087359635441","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=163984"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163984\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/163985"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=163984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=163984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=163984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}