{"id":169300,"date":"2026-06-15T16:48:10","date_gmt":"2026-06-15T16:48:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/169300\/"},"modified":"2026-06-15T16:48:10","modified_gmt":"2026-06-15T16:48:10","slug":"schwerer-zwischenfall-in-london-airbus-a320-von-easyjet-startete-an-falscher-stelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/169300\/","title":{"rendered":"Schwerer Zwischenfall in London: Airbus A320 von Easyjet startete an falscher Stelle"},"content":{"rendered":"\n<p>Als Flug U2-2335 in Richtung M\u00e1laga abhob, bemerkte niemand etwas Ungew\u00f6hnliches. Weder die Passagiere noch die Besatzung. Tats\u00e4chlich war der Airbus A320 von <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/tags\/easyjet\" id=\"46b8f05c-9081-47cc-bfcd-92ef07530a7c\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Easyjet<\/a> jedoch von der falschen Position aus gestartet \u2013 und hatte dadurch deutlich weniger Startbahn zur Verf\u00fcgung als berechnet. Die britische Unfalluntersuchungsbeh\u00f6rde AAIB stuft den Vorfall deshalb als schweren Zwischenfall ein.<\/p>\n<p>Vorn sah alles normal aus. Der Airbus A320 von Easyjet mit der Registrierung G-EZUK rollte zur Startbahn des Flughafens London-Luton, erhielt die Freigabe und hob Richtung M\u00e1laga ab. Erst Stunden sp\u00e4ter stellte sich heraus: Die Besatzung war von der falschen Position gestartet. Und das Flugzeug hatte dabei deutlich weniger Startbahn zur Verf\u00fcgung gehabt als eigentlich erforderlich. Das geht aus dem <a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/media\/6a1d915159fb7a60f827f5b2\/Airbus_A320-214_G-EZUK_06-26.pdf\" id=\"2a469b09-e485-4fb7-962d-b7988dc4cdc9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Abschlussbericht<\/a> der britischen Unfalluntersuchungsbeh\u00f6rde AAIB hervor.<\/p>\n<p>Airbus A320 von Easyjet war zu schwer f\u00fcr Routine-Startpunkt<\/p>\n<p>Der Vorfall ereignete sich am 13. Juni 2025 auf Flug EZY2335. An Bord befanden sich 180 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. W\u00e4hrend der Flugvorbereitung hatte die Crew zun\u00e4chst einen Start von der Rollweg-Einm\u00fcndung Alpha auf die Piste 25 geplant. Wegen des relativ hohen Gewichts des Flugzeugs und der Wetterbedingungen reichte die dort verf\u00fcgbare Startstrecke jedoch nicht aus. Deshalb berechneten die Piloten die Startleistung neu \u2013 nun f\u00fcr die volle Bahnl\u00e4nge. Nur so war der Start zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Genau das geriet anschlie\u00dfend offenbar in Vergessenheit. Als die Flugsicherung fragte, ob die Besatzung von Alpha starten k\u00f6nne, antwortete der Kapit\u00e4n mit Ja. Tats\u00e4chlich startete der Airbus A320 dann von genau dieser Position &#8211; obwohl die Leistungsberechnung f\u00fcr einen Start vom Bahnbeginn erfolgt war. Die Ermittler sehen dahinter ein klassisches Beispiel f\u00fcr einen sogenannten Best\u00e4tigungsfehler.<\/p>\n<p>Piloten von Easyjet waren in der Gewohnheit gefangen<\/p>\n<p>Dahinter steckt ein psychologischer Effekt, der in der Luftfahrt ebenso vorkommt wie in Politik oder Wirtschaft: Menschen neigen dazu, Informationen so zu deuten, dass sie zu ihrer bisherigen Erwartung passen. Genau das k\u00f6nnte hier passiert sein. Die Crew war gewohnt, von Alpha zu starten. Die Flugsicherung fragte nach Alpha. Die vorausfliegenden Jets starteten von Alpha. Alles passte ins vertraute Bild, au\u00dfer der entscheidende Umstand, dass die Leistungsberechnung inzwischen nur noch f\u00fcr die volle Bahnl\u00e4nge g\u00fcltig war.<\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert: Weder w\u00e4hrend des Rollens noch beim Startlauf bemerkte die Besatzung von Easyjet den Fehler. Der Airbus hob erst rund 310 Meter vor dem Bahnende ab und \u00fcberquerte das andere Ende der Startbahn in nur 65 Fu\u00df beziehungsweise knapp 20 Metern H\u00f6he. Das registrierte sp\u00e4ter das Flight-Data-Monitoring-System, das automatisch Alarm schlug. Erst dadurch erfuhr der Kapit\u00e4n Stunden sp\u00e4ter von dem Fehler.<\/p>\n<p>Airbus A320 h\u00e4tte noch stoppen k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise zeigte eine Analyse von Airbus, dass selbst im Fall eines Triebwerksausfalls beim Erreichen der Entscheidungsgeschwindigkeit die gesetzlichen Sicherheitsmargen eingehalten worden w\u00e4ren. Auch ein Startabbruch des A320 von Easyjet w\u00e4re noch innerhalb der verf\u00fcgbaren Bahnl\u00e4nge m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Dennoch stuften die Ermittler den Vorfall als schwerwiegendes Ereignis ein. Easyjet hat inzwischen die Verfahren angepasst. K\u00fcnftig muss die tats\u00e4chlich verwendete Startposition dokumentiert und mehrfach mit den berechneten Leistungsdaten abgeglichen werden. Das AAIB sieht darin eine wichtige Lehre: Selbst erfahrene Crews sind nicht vor Routinefehlern und kognitiven Fallen gefeit.<\/p>\n<p>365 Tage Luftfahrtjournalismus \u2013 fair, fundiert und unabh\u00e4ngig. Damit das so bleibt, brauchen wir Ihre Unterst\u00fctzung. Schon f\u00fcr den Preis eines Getr\u00e4nks am Flughafen genie\u00dfen Sie aeroTELEGRAPH werbefrei. <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/insider\" id=\"60edd2d0-f955-4939-87b5-8a1d0aaddf1e\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jetzt hier klicken und abonnieren<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Flug U2-2335 in Richtung M\u00e1laga abhob, bemerkte niemand etwas Ungew\u00f6hnliches. Weder die Passagiere noch die Besatzung. 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