{"id":170281,"date":"2026-06-16T09:04:10","date_gmt":"2026-06-16T09:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/170281\/"},"modified":"2026-06-16T09:04:10","modified_gmt":"2026-06-16T09:04:10","slug":"bmi-reduktion-vor-operationen-als-modifizierbarer-risikofaktor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/170281\/","title":{"rendered":"BMI-Reduktion vor Operationen als modifizierbarer Risikofaktor"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" class=\"articleimage lazy-load\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/magenbypass.webp\" alt=\"Magenbypass\" title=\"Magenbypass\"\/> <\/p>\n<p>Sowohl <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/krankheiten\/adipositas\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Adipositas<\/a> als auch <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/krankheiten\/diabetes-typ-2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Typ-2-Diabetes<\/a> sind mit einer erh\u00f6hten Krankheitslast sowie kardiometabolischen Folgeerkrankungen und perioperativen Risiken verbunden. Patienten, die an beiden Erkrankungen leiden, entwickeln h\u00e4ufiger chirurgische und an\u00e4sthesiologische Komplikationen. Zudem ist Typ-2-Diabetes mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Rehospitalisierungen und postoperative Todesf\u00e4lle assoziiert. Daher gewinnen die pr\u00e4operative Risikostratifikation, die Operationsplanung und die metabolische Optimierung an Bedeutung.<\/p>\n<p>Gewichtsreduktion als Teil der perioperativen Optimierung<\/p>\n<p>Zur Gewichtsreduktion stehen vor allem metabolisch-bariatrische Eingriffe und <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/wirkstoffgruppen\/glp-1-rezeptoragonisten-inkretinmimetika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten<\/a> (GLP-1-Rezeptoragonisten) zur Verf\u00fcgung. Letztere verbessern die Glukoseregulation und k\u00f6nnen sich positiv auf Gewicht, Blutdruck und den Lipidstoffwechsel auswirken.<\/p>\n<p>Bariatrische Verfahren wie die Schlauchmagenoperation, der Roux-en-Y-Magenbypass oder das adjustierbare Magenband f\u00fchren bei geeigneten Patienten h\u00e4ufig zu einer ausgepr\u00e4gten Gewichtsabnahme. Mit der zunehmenden Anwendung moderner inkretinbasierter Therapien stellt sich die Frage, wie sich beide Ans\u00e4tze perioperativ einordnen lassen.<\/p>\n<p>Retrospektive Analyse aus der Epic-Cosmos-Datenbank<\/p>\n<p>Das Ziel einer <a href=\"http:\/\/www.gelbe-liste.de\/zulassung\/studien#Retroperspektive%20Studie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">retrospektiven Studie<\/a> war es, die Reduktion des Body-Mass-Index (BMI) und die postoperativen Ergebnisse nach einer vorausgegangenen metabolisch-bariatrischen Operation oder einer GLP-1-Therapie zu vergleichen. Ausgewertet wurden Daten der US-amerikanischen Epic-Cosmos-Datenbank von Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und einem BMI von mindestens 30 kg\/m\u00b2, die zwischen 2016 und 2024 einen nicht-bariatrischen allgemeinchirurgischen Eingriff erhielten.<\/p>\n<p>Die Gewichtsintervention musste ein bis drei Jahre vor dem Indexeingriff erfolgt sein. F\u00fcr die GLP-1-Gruppe war eine mindestens einj\u00e4hrige kontinuierliche Verordnung mit \u2265 80\u00a0% Therapieabdeckung erforderlich. Patienten mit kombinierter bariatrischer Operation und GLP-1-Therapie wurden ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Studienpopulation mit hoher Komorbidit\u00e4tslast<\/p>\n<p>Insgesamt wurden 9.470 Patienten eingeschlossen. Sie waren im Median 64 Jahre alt, 60,6\u00a0% waren Frauen und die Komorbidit\u00e4tslast war meist hoch. Am h\u00e4ufigsten wurden Gallenblasenoperationen, Hernienoperationen und kolorektale Eingriffe durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Patienten erhielt vor dem allgemeinchirurgischen Eingriff eine GLP-1-Therapie, eine kleinere Gruppe hatte zuvor eine metabolisch-bariatrische Operation. Patienten unter GLP-1-Therapie waren im Median \u00e4lter und wiesen eine etwas h\u00f6here Komorbidit\u00e4tslast auf, die Patienten nach bariatrischer Operation hatten h\u00e4ufiger einen sehr hohen Ausgangs-BMI. Der Zeitraum zwischen der Gewichtsintervention und dem sp\u00e4teren Eingriff war vergleichbar.<\/p>\n<p>Bariatrische Chirurgie mit st\u00e4rkerer BMI-Reduktion<\/p>\n<p>Die Gewichtsverl\u00e4ufe unterschieden sich deutlich zwischen den einzelnen Interventionen. Eine Abnahme des BMI um mindestens 10 Einheiten gelang nach bariatrischer Chirurgie bei 72,4\u00a0% der Patienten, unter GLP-1-Therapie dagegen nur bei 7,2\u00a0%. Eine Zunahme des BMI wurde unter GLP-1-Therapie h\u00e4ufiger beobachtet als nach bariatrischer Operation.<\/p>\n<p>Auch nach statistischer Gewichtung blieb die bariatrische Chirurgie mit einer deutlich st\u00e4rkeren Abnahme des BMI assoziiert. Dieser Vorteil zeigte sich \u00fcber alle BMI-Ausgangsgruppen hinweg und war bei sehr hoher Adipositas am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>H\u00f6herer BMI als perioperativer Risikofaktor<\/p>\n<p>Bei nahezu jedem zweiten Patienten, der sich einer nicht-bariatrischen allgemeinchirurgischen Operation unterzogen hatte, trat mindestens eine postoperative Komplikation auf. Etwa jeder vierte Patient musste l\u00e4nger im Krankenhaus bleiben. Die Wiederaufnahmerate betrug 12,4\u00a0%, die 30-Tage-Mortalit\u00e4t 2,0\u00a0%. Ein h\u00f6herer BMI zum Zeitpunkt der Operation war unabh\u00e4ngig mit mehr postoperativen Komplikationen und einer l\u00e4ngeren Verweildauer assoziiert.<\/p>\n<p>BMI-Reduktion vermittelt geringeres Komplikationsrisiko<\/p>\n<p>Im Vergleich zu einer GLP-1-Therapie war eine vorausgegangene bariatrische Operation mit einem geringeren Risiko f\u00fcr postoperative Komplikationen, verl\u00e4ngerte Krankenhausaufenthalte und Wiederaufnahmen verbunden. Dieser Unterschied wurde ma\u00dfgeblich durch die st\u00e4rkere BMI-Reduktion vermittelt. Bei Patienten mit einem Ausgangs-BMI von mindestens 35 kg\/m\u00b2 ging eine BMI-Abnahme mit niedrigeren Komplikationsraten einher. Bei einem BMI zwischen 30 und 34 kg\/m\u00b2 war dieser Zusammenhang nicht eindeutig nachweisbar.<\/p>\n<p>Gewichtsreduktion vor Operationen individuell abw\u00e4gen<\/p>\n<p>Die Daten deuten darauf hin, dass eine strukturierte Gewichtsreduktion vor der Operation bei adip\u00f6sen Patienten mit Typ-2-Diabetes ein relevanter, modifizierbarer Risikofaktor sein kann. Insbesondere Patienten mit einem h\u00f6heren Ausgangs-BMI k\u00f6nnten vor elektiven allgemeinchirurgischen Eingriffen von einer bariatrischen Operation profitieren, wenn eine substanzielle Gewichtsreduktion angestrebt wird.<\/p>\n<p>Aufgrund des retrospektiven Designs, m\u00f6glicher Confounder, fehlender Angaben zur Operationskomplexit\u00e4t, zum HbA1c-Wert, zur GLP-1-Dosierung und zur K\u00f6rperzusammensetzung sowie aufgrund der fehlenden Vergleichsgruppe ohne Gewichtsintervention bleibt eine individuelle Nutzen-Risiko-Abw\u00e4gung entscheidend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sowohl Adipositas als auch Typ-2-Diabetes sind mit einer erh\u00f6hten Krankheitslast sowie kardiometabolischen Folgeerkrankungen und perioperativen Risiken verbunden. 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