{"id":171197,"date":"2026-06-16T20:04:56","date_gmt":"2026-06-16T20:04:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/171197\/"},"modified":"2026-06-16T20:04:56","modified_gmt":"2026-06-16T20:04:56","slug":"genf-erklaerung-gegen-ki-einsatz-im-krieg-unterzeichnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/171197\/","title":{"rendered":"Genf: Erkl\u00e4rung gegen KI-Einsatz im Krieg unterzeichnet"},"content":{"rendered":"<p>Der \u00d6kumenische Rat der Kirchen geh\u00f6rt zu den 226 Unterzeichnern einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung, die Unternehmen der KI-Branche und Staaten dazu aufruft, die Bereitstellung von Systemen k\u00fcnstlicher Intelligenz f\u00fcr die milit\u00e4rische \u201eT\u00f6tungskette\u201c einzustellen und alle notwendigen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um Verst\u00f6\u00dfe gegen das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht und die Menschenrechte zu verhindern.<\/p>\n<p>     <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/welt\/news\/2026-06\/kyiv-hoehlenkloster-krieg-brand-angriff-ukraine-russland-kirche.html\" title=\"Ukraine: Feuer im H\u00f6hlenkloster\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/ansa\/2026\/06\/15\/10\/1781511693908.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg\" alt=\"Ukraine: Feuer im H\u00f6hlenkloster\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>\n      Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyiv ist die historische Mari\u00e4-Entschlafens-Kathedrale in Brand geraten.\n     <\/p>\n<p>Valerio Palombaro \u2013 Vatikanstadt<\/p>\n<p>Der durch k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) beschleunigte Krieg drohe zunehmend zu einem Mittel zu werden, \u201eT\u00f6tungen schnell und in gro\u00dfem Ma\u00dfstab zu erm\u00f6glichen\u201c. Zugleich gebe es derzeit keine technischen oder verfahrensm\u00e4\u00dfigen L\u00f6sungen, um die t\u00f6dlichen und verheerenden Folgen zu verhindern, die sich aus den Herausforderungen dieser Entwicklung f\u00fcr das V\u00f6lkerrecht ergeben. Vor diesem Hintergrund hat der \u00d6kumenische Rat der Kirchen gemeinsam mit 225 weiteren Nichtregierungsorganisationen, Verb\u00e4nden, Experten und Besch\u00e4ftigten der Technologiebranche eine Erkl\u00e4rung gegen den Einsatz von KI in Kriegen unterzeichnet.<\/p>\n<p>UN-Treffen in Genf <\/p>\n<p>Darin fordern die Unterzeichner die Unternehmen, die KI-Systeme entwickeln, sowie Staaten ausdr\u00fccklich auf, die Bereitstellung von KI-Systemen f\u00fcr die milit\u00e4rische \u201eT\u00f6tungskette\u201c zu beenden. Dar\u00fcber hinaus sollen sie sicherstellen, dass andere von ihnen bereitgestellte KI-Systeme weder direkt noch indirekt zu Verletzungen des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts oder der internationalen Menschenrechte beitragen.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die Erkl\u00e4rung ist eine vom 15. bis 17. Juni in Genf stattfindende Konferenz des UN-B\u00fcros f\u00fcr Abr\u00fcstungsfragen (UNODA) \u00fcber den Einsatz von KI im milit\u00e4rischen Bereich und dessen Auswirkungen auf Frieden und internationale Sicherheit. Das Treffen erfolgt nur wenige Wochen nach dem Aufruf von Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika Magnifica humanitas, die k\u00fcnstliche Intelligenz zu \u201eentwaffnen\u201c.<\/p>\n<p>Gefahr der Verwischung menschlicher Verantwortung <\/p>\n<p>In der Erkl\u00e4rung wird betont, dass alle Unternehmen \u2013 auch jene mit Vertr\u00e4gen mit staatlichen Milit\u00e4rbeh\u00f6rden \u2013 sicherstellen m\u00fcssen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen weder Menschenrechtsverletzungen noch internationale Verbrechen verursachen oder dazu beitragen. K\u00f6nnen solche Risiken nicht wirksam verhindert oder begrenzt werden, sollten entsprechende Vertr\u00e4ge weder abgeschlossen noch erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Unter Verweis auf Medienberichte und offizielle Stellungnahmen des Pentagons hei\u00dft es, KI-gest\u00fctzte Zielerfassung habe die Geschwindigkeit, Reichweite und Zerst\u00f6rungskraft amerikanischer Angriffe gegen den Iran erh\u00f6ht. \u00c4hnliche Bewertungen w\u00fcrden auch f\u00fcr Systeme der israelischen Streitkr\u00e4fte gelten. Solche Technologien drohten, \u201edie menschliche Verantwortung bei Entscheidungen \u00fcber Leben und Tod zu verw\u00e4ssern\u201c und k\u00f6nnten internationale Verbrechen hinter einer scheinbaren algorithmischen Objektivit\u00e4t verbergen.<\/p>\n<p>Eine unmenschliche Entwicklung <\/p>\n<p>Die Unterzeichner warnen, dass die praktische Anwendung zeige, dass KI \u201egewaltt\u00e4tigere, entmenschlichende und zerst\u00f6rerischere Formen der Kriegsf\u00fchrung\u201c beg\u00fcnstige. Besonders besorgniserregend sei der Einsatz gro\u00dfer Sprachmodelle (LLM) zur Identifizierung und Priorisierung milit\u00e4rischer Ziele.<\/p>\n<p>Dadurch gerieten zentrale Grunds\u00e4tze des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts \u2013 insbesondere Unterscheidung, Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und Vorsorge \u2013 zunehmend unter Druck. Aufgrund der Geschwindigkeit solcher Systeme, ihrer Fehleranf\u00e4lligkeit, m\u00f6glicher Verzerrungen und oft problematischer Datengrundlagen bestehe die Gefahr, dass Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen erleichtert w\u00fcrden. Zudem erschwere die Intransparenz dieser Technologien die moralische und rechtliche Verantwortungszuweisung im Fall von Fehlentscheidungen erheblich.<\/p>\n<p>Menschliche Kontrolle muss erhalten bleiben <\/p>\n<p>Nach Auffassung der Unterzeichner k\u00f6nnen selbst KI-Systeme, die nicht die endg\u00fcltige Entscheidung \u00fcber einen t\u00f6dlichen Angriff treffen, zu automatisierten Genehmigungsmechanismen f\u00fcr massenhafte T\u00f6tungen werden. Die Berufung auf eine vermeintliche Objektivit\u00e4t der Algorithmen k\u00f6nne menschliche Sorgfaltspflichten verdr\u00e4ngen und die Durchf\u00fchrung von T\u00f6tungen beschleunigen.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung kritisiert zudem, dass solche Systeme Fragen von Leben und Tod auf die Eingabe einer Anfrage in einem Chatfenster reduzierten. Die Entscheidung, einen Menschen zu t\u00f6ten, trage jedoch ein enormes moralisches und rechtliches Gewicht und d\u00fcrfe niemals auf die blo\u00dfe Best\u00e4tigung oder Ablehnung von KI-Empfehlungen reduziert werden.<\/p>\n<p>Wenn Armeen KI in einem Ma\u00dfe zur Zielidentifizierung einsetzen, dass menschliche \u00dcberpr\u00fcfung nur noch eine Formalit\u00e4t darstellt, drohten Massenopfer und Verst\u00f6\u00dfe gegen das im humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrecht verankerte Vorsorgeprinzip.<\/p>\n<p>Forderung nach Transparenz und Verantwortung <\/p>\n<p>Die in Genf unterzeichnete Erkl\u00e4rung fordert Technologieunternehmen ausdr\u00fccklich auf, keine Vertr\u00e4ge mit Milit\u00e4rbeh\u00f6rden oder bewaffneten Gruppen abzuschlie\u00dfen oder auszuf\u00fchren, wenn die Gefahr bestehe, dass diese gegen internationales Recht, Menschenrechte oder grundlegende humanit\u00e4re Normen versto\u00dfen.<\/p>\n<p>Von den Staaten wird verlangt, den Einsatz von KI-Systemen \u2013 einschlie\u00dflich gro\u00dfer Sprachmodelle \u2013 bei milit\u00e4rischen Zielerfassungs- und Angriffsoperationen einzustellen, die Einhaltung des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts sicherzustellen und offen zu legen, in welchem Umfang k\u00fcnstliche Intelligenz bereits heute bei milit\u00e4rischen Operationen eingesetzt wird.<\/p>\n<p>(vatican news &#8211; cs)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der \u00d6kumenische Rat der Kirchen geh\u00f6rt zu den 226 Unterzeichnern einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung, die Unternehmen der KI-Branche und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":171198,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[26,27],"tags":[115,114,643,1632,623,45,10503,648],"class_list":["post-171197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-geneve","category-genf","tag-geneve","tag-genf","tag-katholische-kirche","tag-krieg","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-schweiz","tag-uno","tag-vatikan"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116761578537316283","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/171197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=171197"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/171197\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/171198"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=171197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=171197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=171197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}