{"id":177239,"date":"2026-06-21T03:17:16","date_gmt":"2026-06-21T03:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/177239\/"},"modified":"2026-06-21T03:17:16","modified_gmt":"2026-06-21T03:17:16","slug":"blutvergiftung-studie-zeigt-sicherere-behandlung-mit-bekannten-antibiotika-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/177239\/","title":{"rendered":"Blutvergiftung: Studie zeigt sicherere Behandlung mit bekannten Antibiotika"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Magdeburg. Internationale SNAP-Studie vergleicht erstmals g\u00e4ngige Medikamente direkt und liefert wichtige Erkenntnisse f\u00fcr neue Standardtherapie bei lebensbedrohlichen Blutstrominfektionen durch Staphylokokken.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universit\u00e4tsmedizin Magdeburg zeigt: Die Antibiotika Cefazolin und Penicillin wirken bei schweren Blutstrominfektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus genauso gut wie das bisher g\u00e4ngige Standardpr\u00e4parat Flucloxacillin \u2013 verursachen aber deutlich seltener schwere Nebenwirkungen. Die Ergebnisse wurden in den f\u00fchrenden medizinischen Fachjournalen\u00a0New England Journal of Medicine\u00a0und\u00a0The Lancet\u00a0ver\u00f6ffentlicht. In Deutschland ist die Universit\u00e4tsmedizin Magdeburg der Koordinator f\u00fcr 19 deutsche Studienzentren innerhalb der SNAP-Studie (Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform Studie) \u2013 die weltweit bislang gr\u00f6\u00dfte Studie dieser Art.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Staphylococcus aureus (S. aureus) z\u00e4hlt zu den gef\u00e4hrlichsten bakteriellen Krankheitserregern. Gelangt es in die Blutbahn, entstehen schwere Infektionen, die weltweit j\u00e4hrlich etwa 300.000 Todesf\u00e4lle verursachen. Auch in Deutschland sterben \u2013 trotz bestm\u00f6glicher Versorgung \u2013 j\u00e4hrlich ca. 3.300 Patientinnen und Patienten an den Folgen einer solchen Infektion.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.341 Patientinnen und Patienten in acht L\u00e4ndern<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Untersuchung von Cefazolin wurden 1.341 Patientinnen und Patienten aus acht L\u00e4ndern per Zufallsprinzip zwei Behandlungsgruppen zugewiesen: Die eine erhielt Cefazolin, die andere Flucloxacillin. Diese zuf\u00e4llige Zuteilung ist wichtig, damit die Ergebnisse vergleichbar sind.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis nach 90 Tagen: In der Cefazolin-Gruppe verstarben 15 Prozent der Patientinnen und Patienten, in der Flucloxacillin-Gruppe 17 Prozent. Damit zeigte sich kein Nachteil f\u00fcr Cefazolin in der Wirksamkeit. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich jedoch bei den Nebenwirkungen. Unter der Behandlung mit Cefazolin traten deutlich weniger F\u00e4lle von akutem Nierenversagen als unter Flucloxacillin auf. Dabei handelt es sich um eine schwere Komplikation, bei der die Nieren pl\u00f6tzlich ihre Funktion verlieren und das Blut nicht mehr ausreichend reinigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Penicillin-empfindlichen Erregern wurde in einer zweiten Studie Penicillin gegeben und ebenfalls mit Flucloxacillin verglichen. Auch hier gab es weniger Nierenversagen als bei Flucloxacillin und daher wurde die Studie fr\u00fchzeitig beendet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Meilenstein f\u00fcr die Infektionsmedizin<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bislang fehlten belastbare Vergleichsstudien zu diesen seit Jahrzehnten verwendeten Antibiotika. In Deutschland wird bisher meist Flucloxacillin verwendet, w\u00e4hrend in anderen L\u00e4ndern wie den USA h\u00e4ufiger Cefazolin eingesetzt wird. Penicillin wird seltener verwendet. Die SNAP-Studie schlie\u00dft diese Wissensl\u00fccke.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Cefazolin f\u00fcr die Patientinnen und Patienten mindestens genauso wirksam wie Flucloxacillin, aber besser vertr\u00e4glich ist\u201c, sagt Studien\u00e4rztin Jana Butzmann von der Universit\u00e4tsmedizin Magdeburg.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. Achim Kaasch, Direktor des Instituts f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg, Leiter der SNAP-Studie in Deutschland und Mitglied im globalen Lenkungsausschuss, erg\u00e4nzt: \u201eDiese Ergebnisse sind ein wichtiger Meilenstein. Sie werden dazu f\u00fchren, dass Cefazolin die neue Standardbehandlung f\u00fcr die meisten Erwachsenen mit dieser Infektion wird. Die SNAP-Studie ist auch in puncto globaler Zusammenarbeit richtungsweisend, da Studien dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung bei Blutstrominfektionen bislang nicht durchgef\u00fchrt wurden.\u201c<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Armin Willingmann betont: \u201eDie exzellente globale Zusammenarbeit zum Wohle von Patientinnen und Patienten ist bemerkenswert. Wir sind stolz darauf, dass die Universit\u00e4tsmedizin Magdeburg an dieser richtungsweisenden Studie ma\u00dfgeblich mitwirkt und wir sie dabei unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Hier zeigt sich, wie wichtig Internationalit\u00e4t und Vernetzung f\u00fcr die medizinische Forschung sind: Sachsen-Anhalt setzt jedenfalls weiterhin darauf \u2013 im Interesse der Menschen und der Wissenschaft!\u201c<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gro\u00dfe Studie mit vielen Beteiligten<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ergebnisse sind die ersten wichtigen Erkenntnisse der laufenden SNAP-Studie. Das Ziel der Studie ist es, die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit S. aureus-Infektionen weltweit zu verbessern. Da es sich um eine sogenannte \u201ePlattform\u201c-Studie handelt, ist es m\u00f6glich, verschiedene Behandlungen gleichzeitig zu untersuchen. Bislang nahmen insgesamt mehr als 6.000 Patientinnen und Patienten an der Studie teil. Sie wird in mehr als 150 Krankenh\u00e4usern in Australien, Deutschland, Frankreich, Israel, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland, Singapur, S\u00fcdafrika, Schweden, Spanien und dem Vereinigten K\u00f6nigreich durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Initiiert wurde die Studie von Forscherinnen und Forschern der University of Melbourne und der University of Newcastle (Australien). Die europ\u00e4ische Koordination \u00fcbernimmt das Universitair Medisch Centrum Utrecht und Ecraid. International wird die Studie durch eine Vielzahl von nationalen Institutionen unterst\u00fctzt. Mehr Informationen unter\u00a0<a href=\"http:\/\/www.snap.com.au\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.snap.com.au<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland wird die SNAP-Studie durch das Ministerium f\u00fcr Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt sowie durch das Netzwerk Universit\u00e4tsmedizin (Bundesministerium f\u00fcr Forschung, Technologie und Raumfahrt) gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Originalpublikationen:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The\u00a0Staphylococcus aureus\u00a0Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Cefazolin for Methicillin-Susceptible\u00a0Staphylococcus aureus\u00a0bacteremia.\u00a0The New England Journal of Medicine (NEJM)\u00a0(2026). DOI: http:\/\/<a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/10.1056\/NEJMoa2506905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">doi.org\/10.1056\/NEJMoa2506905<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The\u00a0Staphylococcus aureus\u00a0Network Adaptive Platform (SNAP) Trial Group. Benzylpenicillin versus flucloxacillin or cloxacillin for the treatment of penicillin-susceptible Staphylococcus aureus bacteraemia (SNAP): an international, multicentre, open-label, non-inferiority randomised controlled trial.\u00a0The Lancet 2026. DOI:\u00a0http:\/\/doi.org\/<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/S0140-6736(26)00761-0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">10.1016\/S0140-6736(26)00761-0<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wissenschaftlicher Kontakt:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. Dr. Achim Kaasch, Direktor des Instituts f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t Magdeburg, Tel.: 0391-67-13392, E-Mail:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.magdeburg-klickt.de\/blutvergiftung-studie-zeigt-sicherere-behandlung-mit-bekannten-antibiotika\/mailto:achim.kaasch@med.ovgu\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">achim.kaasch@med.ovgu,de<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026\u2026\u2026<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Foto: Prof. Dr. med. Achim Kaasch, Direktor des Instituts f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene (c) Foto: Jana D\u00fcnnhaupt\/OVGU<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Magdeburg. 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