{"id":177317,"date":"2026-06-21T05:38:07","date_gmt":"2026-06-21T05:38:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/177317\/"},"modified":"2026-06-21T05:38:07","modified_gmt":"2026-06-21T05:38:07","slug":"ein-geschaeft-mit-traeumen-von-ingeborg-bachmann-sa-20-06-2026-1400","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/177317\/","title":{"rendered":"&#171;Ein Gesch\u00e4ft mit Tr\u00e4umen&#187; von Ingeborg Bachmann | SA | 20 06 2026 | 14:00"},"content":{"rendered":"<p class=\"articleDate\">20. Juni 2026, 14:00<\/p>\n<p>Im Zentrum dieses H\u00f6rspiels steht der B\u00fcroangestellte Laurenz, ein pflichtbewusster, eher unscheinbarer Mensch, der sich ganz den Erwartungen seines Umfelds unterordnet. Eines Abends st\u00f6\u00dft er zuf\u00e4llig auf ein Gesch\u00e4ft, das eine merkw\u00fcrdige Ware anbietet: k\u00e4ufliche Tr\u00e4ume. In diesen durchlebt er M\u00f6glichkeiten seines eigenen Lebens wie in einem Film &#8211; distanziert, beobachtend, beinahe als Zuschauer. Erst allm\u00e4hlich, im Verlauf dieser Traumsequenzen, n\u00e4hert er sich einer Version seiner selbst an, die ihm im Alltag verschlossen bleibt: einer, der handelt. Und in einem dieser Tr\u00e4ume spricht er aus, was er sich sonst nicht erlaubt: seine Liebe zur Kollegin Anna.<\/p>\n<p>Heute ist Bachmanns parabelhaftes St\u00fcck um diesen Angestellten, dem man Tr\u00e4ume um den Preis seiner Lebenszeit verkaufen will, nicht in erster Linie, aber doch, ein Zeitdokument. Die darin dargestellten autorit\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse in der Arbeitswelt und die Unterw\u00fcrfigkeit der Frauen erscheinen beklemmend antiquiert, die Bombenangriffe des 2. Weltkriegs stecken uns heute auch nicht mehr in den Knochen. Zugleich zeigt ein Blick auf die Rezeptionsgeschichte, wie nachhaltig der Stoff gewirkt hat. Immer wieder wurde das H\u00f6rspiel von anderen Sendern neu produziert und interpretiert &#8211; etwa vom Deutschlandfunk 1975 in der Regie von Heinz von Cramer oder vom Schweizer Radio SRF 1977 in der Regie von Klaus W. Leonhard. So wurde der Klassiker in unterschiedliche zeitgen\u00f6ssische Kontexte gestellt.<\/p>\n<p>Verstehen kann man das St\u00fcck auf vielerlei Weise: politisch-sozialkritisch als Auseinandersetzung mit der Wirtschaftswundergesellschaft und ihrer &#171;Traumw\u00e4scherei&#187;, tiefenpsychologisch als gescheiterten Versuch einer Flucht in die Unwirklichkeit oder aktuell vielleicht als Aufruf zur Selbsterm\u00e4chtigung und zum souver\u00e4nen Umgang mit Zeit. Den Schl\u00fcsselsatz diesbez\u00fcglich spricht der Traumverk\u00e4ufer aus: &#171;Aber Sie werden wissen, dass Sie nirgends Tr\u00e4ume f\u00fcr Geld bekommen. Sie m\u00fcssen mit Zeit bezahlen. Tr\u00e4ume kosten Zeit, manche sehr viel Zeit.&#187;<\/p>\n<p>&#171;Ein Gesch\u00e4ft mit Tr\u00e4umen&#187; von Ingeborg Bachmann. Mit Wolf Neuber (Laurenz), Traute Servi (Anna), Eric Frey (Herr Mandl), Ulrich Bettac (Generaldirektor), Erich Schenk (Verk\u00e4ufer der Tr\u00e4ume), Charlotte Bauer, Auguste Ripper, Susi Waber, Gisela Fritz, Kurt Jaggberg, Herbert Kragora und Ernst Zeller, Ton: Herbert Sbiral und Rudolf Tremmel, Regie: Walter Davy (Rot-Wei\u00df-Rot 1952)<\/p>\n<p>Sendereihe<\/p>\n<p>Gestaltung<\/p>\n<p>\u00dcbersicht<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"20. 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